CSU-Chef Söder: Alles auf eine Karte

Kommentar20. Jänner 2019, 18:02
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Lässt der neue CSU-Chef den Streit mit der CDU wieder aufleben, wird er sicher kein Großer werden

Alle "Großen" der CSU haben immer die ganze Macht gewollt: Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber, Horst Seehofer. Sie waren nicht nur Ministerpräsidenten des Freistaats, sondern zugleich auch CSU-Vorsitzende – und das jeweils viele Jahre lang. Jetzt ist Markus Söder dran. Seit März sitzt er schon in der bayerischen Staatskanzlei, nun führt er auch noch die CSU, diese immer noch einzigartige Partei in Europa. Ob auch er einer jener wird, die man eines Tages zu den Großen zählen kann, weiß man heute noch nicht.

Zunächst steht Söder vor nicht gerade kleinen Aufgaben. 37,2 Prozent hat die CSU bei der Landtagswahl im Oktober erreicht. Andere Parteien inner- und außerhalb Deutschlands würden vor Freude tanzen. Für die erfolgsverwöhnten Christsozialen hingegen war es ein Schock. Zu lange hatten sie sich auf ihre eigene Strahlkraft, den Nimbus und die Verwurzelung im Freistaat verlassen. Doch das Mantra "CSU gleich Bayern, Bayern gleich CSU" verfängt nicht mehr so wie früher. Auf der linken Seite setzen der CSU die Grünen massiv zu, auf der rechten die Freien Wähler und die AfD.

Und der Söder soll's nun richten. Denn die CSU hat sich entschieden, aus der Wahlniederlage folgende Konsequenz zu ziehen: Seehofer ist an allem schuld und muss weg, Söder hingegen bekommt die ganze Macht. Man hat damit alles auf eine Karte gesetzt. Dabei war – bei aller innerparteilichen Rivalität – auch Söder Teil des Seehofer'schen Systems. Er hatte seine Zunge genauso wenig im Zaum wie der "Alte". Zwar hat Söder in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Läuterung durchgemacht – er zeigt sich jetzt vor allem sanft und milde. Doch man weiß nicht, wie lange das hält.

In Berlin gibt es seit der Wahl Söders eine neue und bemerkenswerte Konstellation: Keiner der drei Parteichefs, die die Koalition bilden – also weder Söder noch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer noch die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles –, ist auch Teil der Regierung. Das dürfte Begehrlichkeiten in den Parteien nach selbstbewussterem Auftreten wecken. Schließlich muss jemand, der nicht im Kabinett sitzt, nicht so viel Rücksicht nehmen wie eine(r), der/die Angela Merkel als Chefin hat. Dennoch darf Söder nicht vergessen, was die CSU auch sehr viele Stimmen gekostet hat: der Streit mit der CDU. Lässt er diesen wieder aufleben, wird er sicher kein Großer werden. (Birgit Baumann, 21.1.2019)

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