Wie viel Monopol steckt im Business-Angel-Netzwerk Startup300?

    20. Jänner 2019, 10:00
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    Die Linzer Startup300 will Gründer im eigenen System halten. Am Montag debütiert die Start-up-Schmiede an Wiens Börse

    Üblicherweise strotzt er vor Selbstbewusstsein, gibt sich stets optimistisch. Am Ende dieser Woche machte sich bei Bernhard Lehner, einem der Vorstände von Startup300, dann aber doch Nervosität breit. Der Grund: Am Montag startet das Unternehmen am Direct Market Plus, dem neuen Handelssegment der Wiener Börse. "Als die Aktien im Depot auftauchten, wurde plötzlich alles sehr real", sagt Lehner im Gespräch mit dem STANDARD.

    Das 2015 von Lehner und Michael Eisler gegründete BusinessAngel-Netzwerk hat sich mittlerweile zu einem vielschichtigen Konstrukt entwickelt. A prima vista wirkt das Portfolio ein bisschen wie ein Fleckerlteppich, beim Unternehmen selbst spricht man von einem vollständigen Start-up-Ökosystem, und Kritiker unterstellen den Linzern, ein Monopol aufbauen zu wollen. Wie funktioniert nun dieses "Ökosystem" und wie viel Monopol steckt dahinter?

    foto: startup300
    Bernhard Lehner und Michael Eisler treten das "Pioneers"-Erbe von Andreas Tschas und Jürgen Furian an (v.l.n.r.).

    Die vier Säulen

    Die Startup300 AG, die laut eigenem Bekunden im Vorjahr vier Millionen Euro umsetzte, ist eine als Dachorganisation agierende Holding mit diversen Tochterunternehmen. Das Konzept baut auf vier Säulen auf: Events, Beratung, Spaces, Investment. In jeder Säule haben sich Lehner und Eisler durch strategische Investments und Übernahmen positioniert.

    Für Aufsehen sorgte vergangenes Jahr die Übernahme von JFDI, jener Firma die hinter dem jährlich in der Hofburg stattfindenden Pioneers-Festival steht. Dieses stellt die Cashcow dar, dahinter steckt aber noch mehr. Startup300 bekam durch die Übernahme Zugang zu mehr als 20.000 aktuellen Datensätzen zu Start-ups und zu einer intakten Technologieplattform für Scouting und Ähnliches.

    Die JFDI-Tochter Pioneers Ventures dient nun als Investmentfirma für Frühfinanzierungen, für späteres Wachstumskapital gibt es den Fonds Capital300. Um auch bei Alternativfinanzierungen präsent zu sein, wurde im November die Crowdfunding-Plattform Conda übernommen.

    Tabakfabrik und Industriellenvereinigung

    Jungunternehmer brauchen Platz, um sich zu verwirklichen. Im November öffnete deshalb in der Linzer Tabakfabrik der Campus Strada del Start-up seine Pforten. In Wien ist man am Coworkingspace Talent Garden beteiligt.

    Im Bereich Beratung will Startup300 die Vermittlerrolle zwischen der Old und der New Economy einnehmen. Für Start-ups gibt es Coaching- und Mentoringprogramme. Beispielsweise sind 75 Prozent des Accelerator-Programms Start-up Live in der Hand der Linzer. Zudem arbeitet die Tochter Think300 daran, Industriellenvereinigung und alteingesessene Unternehmen mit der digitalen Welt zu verbinden. Um das Bild zu komplettieren, hält Startup300 einen kleinen Anteil am Medium Trending Topics.

    Und wie sollte es anders sein, auch der Name des österreichischen Investorenguru Hansi Hansmann taucht im Zusammenhang mit dem Netzwerk auf. Hansmann sitzt nämlich im Aufsichtsrat.

    Monopol oder nicht Monopol

    Startup300 positioniert sich so, um möglichst viele potenziell erfolgreiche Gründer in den eigenen Reihen zu halten. Von einer marktbeherrschenden Stellung zu sprechen geht aber wohl zu weit.

    "Das ist eine Diskussion, die beweist, wie klein und unreif unser Markt ist. Uns wurde das auch vorgeworfen, aber wir haben uns internationalisiert. Aus dieser Perspektive wirken solche österreichischen Diskussionen nur befremdlich", sagt der Geschäftsführer der Risikokapitalfirma Speedinvest Oliver Holle dazu. Auch Lehner selbst sieht die Vorwürfe gelassen: "Ein Monopol wäre schön. Jeder Vorstand, der ein eigenes Monopol nicht toll findet, lügt." Außerdem habe man 200 Aktionäre und zwinge niemanden dazu, im System zu bleiben.

    Was in der heimischen Szene ebenfalls immer wieder für Unmut sorgte, war die vielzitierte Marktschreierei. "Natürlich haben wir anfangs sehr laut geschrien. Wir wollten Präsenz zeigen und unsere Marke etablieren", erklärt Lehner, der dieses Konzept wohl noch aus seiner PR-Vergangenheit kennt und nicht vergessen haben dürfte, auch wenn er sich seit mehr als elf Jahren ausschließlich der Start-up-Szene widmet. (Andreas Danzer, 20.1.2018)

    • Startup300 ließ keine Chance aus, in der Szene auf sich aufmerksam zu machen. Das passte nicht jedem ins Konzept.
      foto: getty images/istockphoto

      Startup300 ließ keine Chance aus, in der Szene auf sich aufmerksam zu machen. Das passte nicht jedem ins Konzept.

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