24-Stunden-Betreuung: Ein Land sieht weg

Kommentar20. Jänner 2019, 14:00
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Die Lösung der Pflegekrise im Westen kann nicht die Ausbeutung von Frauen im Osten sein

Österreich nimmt in der 24-Stunden-Betreuung vieles in Kauf. Regierung und Standesvertreter akzeptieren nicht nur, dass Frauen aus dem Osten unter teils lebensgefährlichen Bedingungen anreisen: Oft werden sie von Fahrern über die Grenze gebracht, die seit 30 Stunden nicht mehr geschlafen haben. Sie sehen auch zu, wie ihre mangelnde Sprachkenntnis ausgenutzt wird, um sie in Knebelverträgen und Scheinselbstständigkeit zu halten. Große Teile ihres Gehalts werden von Agenturen einbehalten.

Österreich nimmt sogar in Kauf, dass manche Frauen, die sich um die Pflegebedürftigen kümmern, dies mit dem Nachweis einer Ausbildung machen, die sie nie absolviert haben. Diese gefälschten Ausbildungszertifikate sind Betrug in dreierlei Hinsicht: an den Frauen, die gezwungen werden, sie irgendwo an der Autobahn zu kaufen – obwohl sie sie gesetzlich nicht brauchen. Ein Betrug an den Familien, die glauben, eine ausgebildete Betreuerin kümmere sich um ihre Angehörigen. Und ein Betrug am Staat, weil sie potenziell dazu geeignet sein können, Förderungen zu beziehen.

Dass das Sozialministerium nicht so genau hinsehen will, wenn es um die Erfüllung der Förderbedingungen geht, ist klar: Ohne diese Frauen und ohne die Vermittlungsagenturen wären Pflegeheime noch überfüllter, das Gesundheitsbudget noch stärker belastet. Doch die Lösung der Pflegekrise im Westen kann nicht die Ausbeutung von Frauen im Osten sein.(Gabriele Scherndl, 18.1.2019)

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