Gastronomin Seiler: "Ich fühle mich wie eine Zirkusdompteurin"

    21. Jänner 2019, 06:00
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    Die Wienerin Friederike Seiler wohnt im fünften Bezirk, will aber bald auf Wohnungssuche im zweiten Bezirk gehen

    Die Wiener Gastronomin Friederike Seiler wohnt in einer Wohnung im fünften Bezirk – zumindest noch. Denn in einigen Monaten will sie sich wieder auf Wohnungssuche begeben, diesmal im zweiten Bezirk.

    "Ich ziehe sehr gerne um. Das hat für mich etwas Reinigendes und Befreiendes. Es ist eine Zäsur mit allen Chancen – auch dafür, Dinge anders und besser zu machen. Im Durchschnitt, würde ich sagen, bleiben wir 18 Monate in einer Wohnung. Seit einem Jahr wohnen wir jetzt im fünften Bezirk. Von außen sieht das Haus toll aus. Aber die Innenwände sind aus Rigips. Wenn der Nachbar hustet, hören wir das.

    fotos: lisi specht
    "Ich probiere lieber etwas aus und stelle zwei Tage später wieder um, als dass ich es nicht probiere." Friederike Seiler mit ihren Dackeln Charlie und Bruno.

    Ich weiß jetzt schon, dass wir in diesem Jahr wieder umziehen. In den zweiten Bezirk. Der ist unschlagbar. Wenn wir dort eine Wohnung finden, bleiben wir hoffentlich dort. Wobei man das bei mir nie genau sagen kann.

    Ich treffe die Vorauswahl bei Wohnungen immer nach der Lage. Der fünfte Bezirk ist interessant. Er erinnert mich daran, wie der siebte Bezirk, in dem ich aufgewachsen bin, früher war. Mein Weg führt mich immer wieder an neuralgische Punkte zurück. Im 16. Bezirk, wo mein Lokal What the Duck ist, hat meine Großmutter gelebt.

    Auch bei der Einrichtung ist mir Abwechslung wichtig. Möbel werden bei uns dauernd umgestellt. Auch meine zwei Söhne machen das. Irgendwann steht das Bett dann vor dem Kasten. Ich lasse sie machen. Nach fünf Nächten kommen sie eh darauf, dass das unpraktisch ist. In unserer alten Wohnung ist es sogar einmal vorgekommen, dass mein Lebensgefährte nach Hause kam und die Zimmer vertauscht waren.

    fotos: lisi specht

    Bei den Möbeln versuche ich, das Unikat zu suchen. Was sich als roter Faden durchzieht, ist, dass ich mich gerne und nur für mich allein mit schönen Dingen umgebe. Ich möchte nicht nach Hause kommen und das Gefühl haben, ich gehe nur zum Schlafen heim. Das wäre mir zu wenig. Diesen Anspruch möchte ich auch meinen Kindern mitgeben.

    Mit schönen Dingen meine ich nicht, dass ich mit Fakes dasitzen will. Natürlich kann ich mir jeden Monet reproduzieren lassen, aber das macht keinen Spaß. Ich mag das Cross-over von 'Ist das schon Kunst – oder wird das in 50 Jahren als Kunst gesehen?'.

    Zirkus ist in meinem Leben gerade das Thema. In meinem Lokal fühle ich mich wie eine Zirkusdompteurin. Und ich hatte mal ein Lokalkonzept zu diesem Thema im Kopf. Ich habe zwei alte Zirkusplakate aus den 1930er- bzw. 1950er-Jahren und einige schräge Stücke, die herrlich zu dem Thema passen. Aber ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich damit alt werde. Es kann genauso gut sein, dass ich bald wieder ein anderes Thema habe. Ich hab in meinem Leben gern Trial and Error. Ich probiere lieber etwas aus und stelle zwei Tage später wieder um, als dass ich es nicht probiere.

    fotos: lisi specht

    Das Leben ist ein Spielplatz. Die Welt ist dominiert von Entertainment. Aber gerade in Zeiten dieser digitalen Parallelwelten wünsche ich mir Analoges. Einen Wurlitzer, zum Beispiel. Damit sitzt man zu Hause und zieht sich nicht irgendein Kabel-TV rein, sondern spielt Musik. Das ist wunderbar.

    Ich will zu Hause die Möglichkeit haben, dass ich Rennbahn fahre oder Flipper spiele. Die Rennbahn hängt an der Wand und wird bei Bedarf auf Holzböcke gestellt. Dann gibt es epische Schlachten. Ich besitze auch sechs Flipperautomaten. Derzeit habe ich einen von 1958 aufgestellt. Der schaut toll aus, ist aber langweilig zu spielen. Demnächst stellen wir noch einen Tischfußballtisch als Couchtisch auf.

    Unsere Nachbarn wohnen alle schon lange im Haus. Leider freuen sie sich nicht über den Zuzug. Das finde ich, was den Spirit der Wohnung angeht, eine große Einschränkung. Ich bin lieber wo, wo man sich willkommen fühlt. Aber wir wohnen hier ja nur auf Zeit. Mittlerweile sagt meine Familie, wenn ich vom Umziehen spreche: 'Okay, aber du musst alles machen.' Ich gönne ihnen jetzt noch Ruhe. Außer, es ergibt sich vorher schon etwas." (21.1.2019)

    Friederike Seiler, geboren in Wien, studierte Betriebswirtschaft und Sinologie in Wien und Suzhou. Nach Stationen im Kunst- und Bildungsbereich eröffnete sie im Herbst am Yppenplatz das Pop-up- Restaurant What The Duck, das moderne asiatische Küche mit französischen Vintage-Möbeln der 1950er- und 1960er-Jahre verknüpft. What the Duck ist nach der Pop-up-Bar The Velvet Room Seilers zweites Gastro-Projekt, das ausschließlich mit Vintage-Design-Klassikern eingerichtet ist.

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