Warum die Preise in Österreich seit Jahren stärker steigen

18. Jänner 2019, 12:07
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Der Preisauftrieb in Österreich war seit 2011 um sechs Prozentpunkte höher als in der Eurozone. Das hat auch mit dem Anteil regionaler Lebensmittel zu tun

Wien – Die Österreicher leiden unter einem Preisauftrieb, der weitaus größer ist als in der Eurozone oder in Deutschland. Die höhere Teuerung schlägt vor allem seit 2011 zu und wirkt sich auf das Preisniveau aus. 2017 lag es um zwölf Prozentpunkte über dem EU-Schnitt und knapp acht Punkte über dem Niveau in Deutschland. Bei Nahrungsmitteln sind die Unterschiede besonders groß: Die Österreicher müssen dafür ein Viertel mehr hinblättern als ihre europäischen Mitbürger.

Vergleicht man die Preise seit 2011, ergibt sich eine in Österreich um 0,7 Prozentpunkte höhere jährliche Teuerung als in der Eurozone. Rechnet man die Teuerung über diese Periode zusammen, ergibt sich folgende Entwicklung: Die Inflation war in Österreich um sechs Prozentpunkte höher als in der Eurozone und um fünf Punkte höher als in Deutschland, hat das Wifo auf STANDARD-Anfrage berechnet. Vor 2011 lag die Teuerung unter dem Niveau der Währungsunion.

Die Differenz ist nicht zuletzt Folge teurerer Dienstleistungen, erklärt Wifo-Experte Josef Baumgartner. Im Lebensmittelhandel sei die Versorgung dichter und somit teurer als im internationalen Vergleich. Auch der Anteil regionaler Produkte ist in Österreich groß. "Während in Österreich Biomilch am stärksten verbreitet ist, ist es in Deutschland die deutlich billigere H-Milch", erklärt Baumgartner. Insgesamt sind die Preise bei Dienstleistungen seit 2011 im Schnitt um 2,7 Prozent pro Jahr gestiegen, in der Eurozone lag die Inflation seither bei 1,4 Prozent. Bis 2011 lag hier die Teuerung exakt auf gleichem Niveau wie in der Währungsunion. Zum Vergleich: Die Inflation bei Energie ist seit 2011 niedriger als in der Eurozone, die der Industriewaren höher.

Auch 2018 stärkerer Anstieg

Auch 2018 hat sich der Trend zur höheren Inflation in Österreich fortgesetzt. Um 2,1 Prozent legten die Preise hierzulande im Vorjahr zu, in der Eurozone um 1,7 Prozent. Der Unterschied war in den Vorjahren schon größer. Besonders der Dienstleistungssektor erhöht die Preise in Österreich stärker als im europäischen Ausland. 2018 schlugen da vor allem Gastronomie und Hotellerie zu Buche. Wein im Beisl verteuerte sich um 4,6 Prozent, ein kleiner Brauner um 3,3 Prozent und ein Schnitzel um 3,7 Prozent.

Mieten stark verteuert

"Ginge es unserer Tourismuswirtschaft nicht so gut, wären solche Preissteigerungen in den Restaurants nicht durchsetzbar", sagte der Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, am Donnerstag. Auch bei den Mieten kam es 2018 zur fast schon obligaten Preissteigerung – konkret um 3,7 Prozent. Bei Treibstoffen lag die Teuerung mit neun Prozent noch deutlich höher.

Eine Beruhigung gab es bei Nahrungsmitteln. Nach hohen Preissteigerungen im Jahr 2017 zählten Lebensmittel im vergangenen Jahr nicht zu den Preistreibern, sagte Pesendorfer. Auch im Jahresverlauf 2018 hat sich der Preisauftrieb abgeschwächt. Dennoch stiegen die Preise für Öle und Fette im Gesamtjahr 2018 um 6,3 Prozent, Butter verteuerte sich um 11,7 Prozent. Günstiger wurden hingegen Tomaten, Putenbrust und Vollmilchschokolade.

Neue Preismessung geplant

In Zukunft kann die Statistik die Preisentwicklungen im Lebensmittelhandel noch genauer abbilden. Am Freitag sei die Verbraucherpreisindex-Verordnung, die der Statistik erlauben soll, auf die Scannerdaten der großen Supermarktketten zuzugreifen, in Begutachtung geschickt worden. "Wir hoffen, dass Ende Februar der Erlass und die Veröffentlichung folgen", sagte Pesendorfer. Derzeit erfasst die Statistik tageweise Rabatte, 25-Prozent-Rabatt-Pickerln und Preisunterschiede, die für Kundenkartenbesitzer gelten, nicht. Der Zugriff auf die Scannerdaten von Rewe, Spar, Hofer und Co würde eine "signifikante methodische Änderung" bringen, sagte Ingolf Böttcher von der Direktion Volkswirtschaft der Statistik Austria. (as, APA, 18.1.2019)

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    Im Lebensmittelhandel ist die Versorgung dichter und somit teurer als im internationalen Vergleich.

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