ORF-"Schauplatz": Woher die Angst vor dem Wolf kommt

    Ansichtssache17. Jänner 2019, 11:35
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    Klaus Dutzler ist in Österreich und Deutschland auf die Suche nach den Gründen für die Angst vor dem Wolf – ab 21.05 Uhr auf ORF 2

    Wien – Vor mehr als hundert Jahren wurde offiziell der letzte Wolf Österreichs erschossen, erlegt wurde er damals von einem Jäger im Wechselgebiet in Niederösterreich. Jetzt ist der Wolf wieder da. Ein Rudel hat sich auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel angesiedelt, im Salzburger Pongau hat ein Wolf Schafe gerissen, medial war das ein großes Thema.

    Für den ORF-"Schauplatz" war Klaus Dutzler in Österreich und Deutschland unterwegs und hat mit Wolfsgegnern und Menschen, die den Wolf schützen wollen, gesprochen. Für seine Reportage war er vor allem auf der Suche nach den Gründen, warum Menschen Angst vor Wölfen haben.

    Wölfe seien zu einer Projektionsfläche für alte Ängste und neue Naturromantik geworden, sagt Dutzler. Derzeit sind laut Experten 15 bis 20 Wölfe in Österreich unterwegs, zu Gesicht bekommt sie selten jemand.

    foto: orf

    Einer, der immer wieder Begegnungen mit Wölfen hat, ist Unteroffizier Josef Kugler in Allentsteig. Er dokumentiert jeden Schritt der Tiere. Angst vor den Wölfen hat er nicht. "Alle Begegnungen waren so, dass sich der Wolf zurückgezogen hat. Ich bin schon einmal gerannt, aber wegen einem Wildschwein", erzählt er in der Reportage.

    Aber ein Wolf sei so scheu, "wenn der einen Menschen auch nur von Weitem sieht, tritt er sofort den Rückzug an".

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    In Hüttau ist die Stimmung eine andere. In diesem kleinen Ort im Salzburger Pongau wurden im Frühjahr sechs Schafe von einem Wolf getötet, die Bauern dort sind in Aufruhr. Und sie ärgern sich. Vor allem über jene, die sagen, dass die Angst vor dem Wolf unbegründet sei.

    "In die Stadt wird der Wolf nicht hinkommen. Aber wir sind da, wo der Wolf seinen Lebensraum hat. Wir arbeiten viel, damit wir unsere Landwirtschaft erhalten können, und der Wolf kann alles zerstören", sagt einer der Bauern. Der Wolf dürfe nicht wichtiger sein als die Schafe.

    Skeptisch sind die Bauern auch gegenüber Zäunen, die die Schafe vor Wildtieren schützen sollen. Dieser Herdenschutz sie nicht finanzierbar, und es gebe auch Gegenden, wo es nicht so einfach sei, einen Zaun hinzustellen.

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    Um ihre Ziegen zu schützen, setzt eine Bäuerin im Großglocknergebiet auf Herdenschutzhunde. Diese Hunde leben Sommer wie Winter gemeinsam mit den Ziegen und wissen, was zu tun ist, um ihre Tiere zu schützen, sagt sie. Sie hofft, dass andere Bauern ihrem Beispiel folgen. Wölfe zu erschießen sei keine Lösung. "Man kann nicht alles ausrotten." Auch der Wolf habe eine Lebensberechtigung.

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    Für seine Reportage besuchte Dutzler auch eine Anti-Wolf-Demo in Potsdam in der Nähe von Berlin. Dort wird mit dem Grimm-Märchen "Rotkäppchen" Stimmung gemacht; Experten schätzen, dass derzeit rund 1.000 Wölfe in Deutschland leben.

    "Wie viele Wölfe verträgt unsere Kulturlandschaft?", fragt ein Teilnehmer und erzählt, dass die Stimmung in der Landbevölkerung völlig gekippt sei. Die Mehrheit jener, die für die Wölfe sind, lebe in der Stadt, nicht auf dem Land, kritisiert er. "Der Wolf ist ein Vollprofi, Töten ist sein Metier", sagt einer der Demonstranten. "Abschießen", fordert ein anderer.

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    Der Biologe Kurt Kotrschal vom Wolf Science Center in Ernstbrunn erforscht seit Jahren vor allem die Beziehung zwischen Wolf, Hund und Mensch. Und er ärgert sich, wenn Menschen Wildtiere vor allem dann schützen wollen, wenn sie weit weg leben.

    Kotrschal sieht die Politik gefordert. "Wenn die Politik sagt, wir müssen auf die Angst der Menschen reagieren, dann ist das auch nicht die ideale Form von Politik." Wenn die Leute Angst vor Wölfen haben, dann müsse man schauen, dass man der durch Informationen den Boden entzieht und daran arbeiten, dass die Leute die Angst verlieren.

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    Ähnlich sieht das Elli Radinger. Auch die Autorin ("Die Weisheit der Wölfe") plädiert dafür, Ängste abzubauen. Menschen hätten Angst vor allem, vor Spinnen, vor Schlangen und eben auch vor dem Wolf, weil sie nichts über ihn wissen. Hier helfe Aufklärung. Aber Angst muss man teilweise auch aushalten können, sagt sie.

    Der Wolf wird in Österreich bleiben, sind sich Experten einig. Max Rossberg von der European Wilderness Society: "Der Wolf ist da, wir müssen lernen, mit ihm zu leben." (ae, 17.1.2019)

    "Am Schauplatz" über "Die Angst vor dem Wolf", Donnerstag, 21.05 Uhr, ORF 2

    Mehr zum Thema:

    Gute Frage: Wie verhält man sich, wenn man einem Wolf begegnet?

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