Marija A.: "Ich würde nicht noch mal mit meinem Partner arbeiten"

    6. Februar 2019, 12:00
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    Marija A. arbeitete in der Firma ihres Freundes und trennte sich von diesem. "Das Büro war allgegenwärtig." Der vierte und letzte Teil der Serie "Arbeitspaare"

    foto: heribert corn
    "Das gemeinsame Arbeiten führte sicherlich auch dazu, dass ich länger gebraucht habe, um die Trennung zu verarbeiten", sagt Marija A. über ihre Beziehung, die vor dreieinhalb Jahren zu Ende ging.

    "Nach fünf Jahren Beziehung veränderte sich unsere Partnerschaft: Mein Ex-Freund bekam ein Angebot, die österreichische Niederlassung einer deutschen Softwarefirma aufzubauen. Er sagte zu, ich unterstützte ihn von Anfang an. Zwei Jahre später habe ich offiziell als seine Assistentin angefangen. Es war der ideale Nebenjob zum Studium, ich fand die Firma cool und wollte ihm helfen, wo es ging. Hauptsächlich war ich für die Administration und das Controlling zuständig.

    Wir haben damals zusammen gewohnt und sind auch gemeinsam in die Arbeit gefahren. Im Büro saßen wir dann Rücken an Rücken – gemeinsam in einem Raum mit den anderen fünf Mitarbeitern. Sie wussten, dass wir zusammen sind. Wir haben aber trotzdem versucht, am Arbeitsplatz eine gewisse Distanz zu wahren. Zärtlichkeiten gab es nie. Dass er mein Chef war, war für mich nicht schlimm, denn er hat es nie raushängen lassen. Und er hat mich gleich behandelt wie alle anderen. Als ich mit ihm meine Gehaltserhöhung verhandelte, hatte ich natürlich weniger Hemmungen, als ich sie bei einem anderen Vorgesetzten gehabt hätte. Er gab mir zwar mehr – aber auch nur so viel wie allen anderen. Wir haben als Team gut funktioniert, waren uns oft einig.

    "Das Büro war allgegenwärtig"

    Trotzdem gab es natürlich Streit – beruflich und privat. Die Schwierigkeit lag für mich darin, die beide Bereiche zu trennen. Selbst wenn man sich bemüht, sich im Büro nichts anmerken zu lassen, es trübt die Stimmung. Auch umgekehrt hat das Berufliche das Private beeinflusst. Zu Hause haben wir viel über die Arbeit geredet. Es gab sogar Phasen, in denen wir – egal worüber wir angefangen haben zu sprechen – immer wieder auf die Arbeit gekommen sind. Ich glaube das lag daran, dass er selbstständig war und eine riesige Verantwortung hatte, und in einer Beziehung teilt man eben alle Sorgen.

    Auch im Urlaub hatte er seinen Laptop mit, einen arbeitsfreien Tag gab es nicht. Das Büro war allgegenwärtig, irgendwann habe ich mich nicht mehr wichtig genug gefühlt. Er verbrachte mehr Zeit mit der Arbeit als mit mir, was mich störte. Das war mit ein Grund, warum wir uns vor dreieinhalb Jahren getrennt haben.

    "Alles sehr angespannt"

    Nach unserer Trennung haben wir eineinhalb Jahre weiter zusammengearbeitet. Es war eine große Umstellung für uns und sehr schwierig, immerhin waren wir acht Jahre zusammen. Wir waren beide sehr emotional zu dieser Zeit, was sich auch in der Arbeit gezeigt hat. Es war alles sehr angespannt, er ist viel schneller ausgetickt, wenn irgendetwas nicht gepasst hat. Dass er bald eine neue Freundin hatte, hat es auch nicht leichter gemacht.

    Das gemeinsame Arbeiten führte sicherlich auch dazu, dass ich länger gebraucht habe, um die Trennung zu verarbeiten. Letztendlich habe ich gekündigt. Trotzdem ist es mir schwergefallen, mich von der Firma zu trennen. Ich habe es auch ein Stück weit als meinen Verdienst gesehen, dass das Unternehmen da steht, wo es jetzt ist.

    Mit dem Partner zusammenzuarbeiten ist möglich, aber kein leichtes Unterfangen. Ich bewundere Leute, die es schaffen. Wenn ich nochmal in der Situation wäre, würde ich es lassen – es macht die Beziehung komplizierter." (Aufzeichnung: Lisa Breit, Selina Thaler, 6.2.2019)

    Marija A. (28) arbeitete fünf Jahre mit ihrem Freund zusammen. Doch die Arbeit nahm überhand in der Beziehung – sie trennten sich.

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