Hagmayr: "Ich würde Arnautovic nach China tragen"

    16. Jänner 2019, 08:00
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    Max Hagmayr, einer der erfahrensten Spielervermittler in Österreich, versteht den Wunsch von Marko Arnautovic, nach China zu wechseln, zu "hundert Prozent". Schließlich gehe es auf der Welt ums Geld

    Wäre Max Hagmayr der Bruder und Manager von Marko Arnautovic, was er nicht ist, würde er ihm raten: "Wechsle nach China. Das ist alternativlos." Die Verhandlungen mit West Ham United, die von Danijel Arnautovic geführt werden (tatsächlich Manager und Bruder), sollen dem Vernehmen nach fortgeschritten sein.

    Shanghai SIPG hat das Ablöseangebot angeblich auf 50 Millionen Euro aufgestockt. Der Wochenverdienst von Österreichs Lieblingskicker dürfte zwischen 220.000 und 300.000 Euro liegen (Vierjahresvertrag), netto. Die Chinesen überbieten West Ham um weit mehr als das Doppelte. Hagmayr: "Wir reden über Summen, die so groß sind, dass man darüber nicht reden muss. Ich würde ihn notfalls nach China tragen." Der bald 30-jährige Arnautovic befinde sich im Herbst seiner Karriere. "Da geht es um die finanzielle Absicherung, in dem Alter rückt die sportliche Herausforderung in den Hintergrund. Wo Geld ist, wird eben Geld bezahlt."

    Moralische Ebene?

    Der 62-jährige Hagmayr möchte das Thema nicht auf die die moralische Ebene heben. "Es geht in der Welt eben ums Geld. Fußball ist ein Teil der Gesellschaft, er steht nicht außerhalb. Er ist so moralisch oder unmoralisch wie der Rest." Abgesehen davon sei Arnautovic ein außergewöhnlicher Kicker. "Er wird auch in China seine Leistungen bringen. Ich sehe auch kein Problem für die österreichische Nationalmannschaft. Marc Janko kam einst aus Australien geflogen."

    China ist laut dem Oberösterreicher Hagmayr trotzdem kein ernsthafter Konkurrent für die europäischen Topligen. "Der Hype ist vorbei. Es gehen nur Leute hin, bei denen das Karriereende naht. Für Supertalente ist es keine Adresse. Das Leben dort ist nicht einfach."

    Die Wintertransferzeit ist im Laufen, Hagmayr hat also Stress. Der Jurist ist offizieller Vermittler, musste einst eine Prüfung ab- und eine Kaution hinterlegen. 2001 gründete er die Firma Hagmayr Sportmanagement GmbH. Mittlerweile ist die Branche durcheinandergeraten. "Es herrscht Wildwuchs. Irgendwelche Leute, oft Ex-Fußballer, bezeichnen sich als Berater. Unlautere Methoden nehmen zu."

    Vernachlässigende Tugend

    Besserung ist in Sicht, Fifa und Uefa haben strengere Kriterien angekündigt. Seit dem Jahr 2013 haben Vermittler bei Transfers insgesamt rund zwei Milliarden Euro kassiert, der Kuchen ist überdimensional. Zu Hagmayrs Klienten zählen Valentino Lazaro, Emil Forsberg, Andreas Ulmer und Heinz Lindner. Kritiker bezeichnen die Transferperiode im Winter als wettbewerbsverzerrend. "Ich widerspreche. Es gibt immer zwei Seiten. Auch die Vereine haben ja ein Interesse. Manche befinden sich in Notlagen, haben Verletzte." Generell sei die Vertragstreue eine zu vernachlässigende Tugend geworden. "Die Handschlagqualität ist fast abgeschafft. Auch da muss man beide Seiten sehen. Es gibt ja Klubs, die Spieler loswerden wollen." Arnautovic hatte bei West Ham bis 2022 unterzeichnet.

    Hagmayr ortet eine Veränderung bei der aktuellen Fußballergeneration. "Sie wachsen anders auf, sind anders sozialisiert. Sie finden nichts dabei, mit dem Privatjet zu fliegen. Geld wird ihnen immer wichtiger." Als Manager habe er natürlich eine erzieherische Verpflichtung. "Vor allem bei jungen Spielern muss man darauf achten, was für ihre Entwicklung am besten ist. Da darf Geld nicht das einzige Kriterium sein." Hagmayr glaubt nicht, dass das Kartenhaus Fußball in absehbarer Zeit zusammenbricht. "Es sei denn, die ganze Welt bricht zusammen." Dass Neymar in Paris angeblich 300.000 Euro zusätzlich kassiert, wenn er den Fans zuwinkt, sei skurril. "Ich würde ihm 600.000 geben, wenn er sich noch verbeugt. Vertragsinhalten sind keine Grenzen gesetzt."

    Hagmayr versteht Arnautovic jedenfalls "zu hundert Prozent. Sollte er sich in China nicht wohlfühlen, würde sich mein Mitleid aber in Grenzen halten." (Christian Hackl, 16.1.2019)

    • Max Hagmayr sagt: "Wo Geld ist, wird Geld bezahlt."
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      Max Hagmayr sagt: "Wo Geld ist, wird Geld bezahlt."

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