Performances über Körperbehinderung: Baden im sakralen Wasser

    15. Jänner 2019, 16:45
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    Doris Uhlichs "Every Body Electric" und Elisabeth Löfflers Solo "Fix me if you can"

    Gleich zwei Performances erlauben diese Woche einen Blick auf die Qualitäten körperbehinderter Darsteller. Im Tanzquartier Wien läuft eine Wiederaufnahme von Doris Uhlichs choreografischer Gruppenarbeit Every Body Electric, und im Brut Theater zeigt Elisabeth Löffler die Uraufführung von Fix me if you can.

    Beide Arbeiten machen darauf aufmerksam, dass unsere Gesellschaft mehr leisten muss, um die Würde und Lebensqualität ihrer Mitglieder zu sichern. Speziell Every Body Electric hat das Potenzial, eine Brücke vom Speziellen zum Allgemeinen zu schlagen. Hier werden keine Hochleistungsbehinderten promotet, die etwaigen Minderleistern in der Arbeitswelt die "richtige" Disziplin vormachen sollen. Wohl aber bringt Uhlich Gründe vor, die das Selbstbewusstsein von Behinderten stärken: Sie dürfen den Anspruch stellen, dass ihren besonderen Bedürfnissen entsprochen wird. Schon für sich selbst, aber auch, weil diese Bedürfnisse für alle gelten.

    Die Arbeiten gehen alle an

    Genau deswegen gehen diese Arbeiten die gesamte Bevölkerung an: weil jede und jeder einmal alters- oder krankheitsbedingt auf die eine oder andere Art "behindert" sein wird. So stellen diese Stücke nicht bloß Angelegenheiten von Ethik oder Moral, Empathie oder kapriziöser Sensibilität in den Raum, sondern ein ganz praktisches Politikum, an dem sich die Qualität einer Demokratie messen lässt.

    Auch wenn Elisabeth Löffler – mit Frans Poelstra (Regie) und Yosi Wanunu (Dramaturgie) – beim im 7Stern gastierenden Brut Theater als Solo-Comedian auftritt, rührt ihre "Sit-Down-Comedy" doch ganz ernsthaft an dieses Problem. Mit spitzer Ironie kündigt die Performerin Fix me if you can als "Reparaturanleitung für eine Person mit Behinderung" an. Beten und Baden im sakralen Wasser von Lourdes inbegriffen.

    Gerade weil Fix me if you can und Every Body Electric unterschiedliche künstlerische Perspektiven in Bezug auf das Thema Behinderung anbieten, ist es spannend, beide zu besuchen. (ploe, 15.1.2019)

    • Szene aus Doris Uhlichs "Every Body Electric".
      foto: alexi pelekanos

      Szene aus Doris Uhlichs "Every Body Electric".

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