Mordprozess nach Angriff auf schwangere Ex-Freundin

    15. Jänner 2019, 13:29
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    Ein 37-jähriger Mazedonier stach 14 Mal auf seine ehemalige Partnerin ein. Vor Gericht gestand er nur eine Verletzungsabsicht ein

    Wien – Mit der Messerattacke auf eine Schwangere hat sich am Dienstag ein Schwurgericht in Wien beschäftigen müssen. Angeklagt war der 37-jährige Ex-Freund der Frau, er soll im Juli 2017 aus Eifersucht 14 Mal auf sie eingestochen haben. Die 32-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt, verlor ihr Kind und ist seitdem ein Pflegefall.

    Der Angeklagte bekannte sich zu Prozessbeginn – die Verhandlung ist auf zwei Tage anberaumt – teilweise schuldig. "Ich wollte sie nur verletzen", sagte er bei der Befragung durch Richterin Sonja Weis. Der 37-Jährige musste sich nicht nur wegen versuchten Mordes, sondern auch wegen des Vergehens des Schwangerschaftsabbruches verantworten.

    Der gebürtige Mazedonier, verteidigt von Mirsad Musliu und Nikolaus Rast, ist laut Staatsanwaltschaft bereits in seiner Heimat wegen versuchter Vergewaltigung vor Gericht gestanden. In Österreich gab es zwei nicht einschlägige Vorstrafen. In den vergangenen Jahren pendelte er immer wieder zwischen seiner Heimat und Österreich hin und her. 2011 heiratete er in Österreich, bereits im darauffolgenden Jahr wurde die Ehe nicht zuletzt wegen angeblicher Gewalttätigkeiten gegenüber seiner Frau und dem gemeinsamen Kind geschieden.

    Beziehung startete 2014

    Nach etwa eineinhalb Jahren Aufenthalt in Mazedonien kam der 37-Jährige nach Wien zurück und lernte in der Lugner City das spätere Opfer kennen. Ab 2014 lebte er mit der Kellnerin gemeinsam in einer Wohnung. Auch diese Beziehung war bald von Gewalttätigkeiten gegen die Frau geprägt. Immer wieder soll der Mann auf seine Freundin eingeprügelt und eingetreten haben, was er im Verfahren vehement bestritt. "Ich hab sie nie geschlagen", meinte der Mazedonier.

    Im Sommer 2015 gab es ein Ermittlungsverfahren wegen zweifacher Körperverletzung und fortgesetzter Gewaltausübung, weil er die Frau gegen die Wand schubste. "Das war ein Missverständnis", relativierte er am Dienstag vor Gericht. Weil der 37-Jährige aber nach Mazedonien ausgeliefert wurde, um die Strafe wegen versuchter Vergewaltigung abzusitzen, sah man unter Vorbehalt einer späteren Verfolgung von weiteren Ermittlungen zunächst ab.

    In der Zeit, während der der 37-Jährige in seiner Heimat in Haft war, verliebte sich die Kellnerin in einen Kaffeehausbesitzer, bei dem sie Anfang 2017 zu arbeiten begann. Der neue Freund wusste von den Handgreiflichkeiten. "Sie hat sich gefürchtet", sagte der 39-Jährige im Zeugenstand. Im Frühjahr 2017 kam der Mazedonier nach Österreich zurück und die Frau wollte sich von ihm trennen. "Seit er über die neue Beziehung Bescheid wusste, hat er Druck ausgeübt", sagte der Kaffeehausbesitzer. Der 37-Jährige soll gedroht haben, sie umzubringen, indem er sie aus dem Fenster werfe.

    Liebesschwüre, Drohungen und Suizidankündigungen

    Der Beschuldigte wollte die Trennung nicht wahrhaben, stellte der Frau online nach, auf Liebesschwüre folgten Drohungen und Suizidankündigungen. Unter anderem schrieb er laut Anklage: "Wenn Du mich verlässt, bin ich tot." Da der 37-Jährige auch immer noch bei der Frau wohnte und sie für ihn gekocht hat, sprach sie der neue Freund darauf an. Zumal die Kellnerin in der Zwischenzeit von ihm schwanger war. "Entweder entscheidest du dich für ihn oder für mich", zitierte der Kaffeehausbesitzer seine Forderung an die 32-Jährige.

    Die Frau und ihr neuer Partner kamen am 23. Juli 2017 gerade vom Frühstücken, als der eifersüchtige Ex-Freund bereits auf sie wartete. Er sprühte beiden kommentarlos Pfefferspray ins Gesicht. Weil ihr neuer Lebensgefährte Angst hatte, er könnte das Ziel der Attacke sein, rannte er davon. Der 37-Jährige verfolgte ihn noch kurz und ging dann auf seine Ex-Freundin los.

    Mit einem Klappmesser stach er 14 Mal auf die 32-Jährige ein – sogar noch, als sie bereits am Boden lag. Auch dass sie ihn noch anflehte: "Hör auf, ich bin schwanger!", soll ihn nicht gekümmert haben. "Es ist ein medizinisches Wunder", dass die Frau die Attacke überlebt hat, sagte die Staatsanwältin. Unter anderem trat der Darm aus, es gab eine Stichläsion der Leber und die Gallenblase wurde durchtrennt. Die Schwangere verlor darüber hinaus ihr Kind. "Warum haben Sie auf sie eingestochen", fragte Richterin Sonja Weis. "Es war ein Fehler. Ich kann es mir nicht erklären", meinte der Angeklagte.

    Opfer ist seit Überfall Pflegefall

    Fast ein Jahr verbrachte die Frau auf der Intensivstation und wurde laut Staatsanwältin mit einem Körpergewicht von 35 Kilogramm entlassen. Die Frau ist seit dem Überfall ein Pflegefall, sitzt im Rollstuhl, hat einen künstlichen Darmausgang und muss drei Mal die Woche zur Dialyse. Die 32-Jährige wird seitdem von ihrer Schwester gepflegt. Der 37-Jährige flüchtete nach der Tat und wurde zwei Wochen später am griechisch-türkischen Grenzübergang Kipi bei der Einreise nach Griechenland festgenommen und nach Österreich ausgeliefert.

    Er habe sich selbst vom neuen Freund seiner Ex-Lebensgefährtin bedroht gefühlt und deshalb zum Pfefferspray gegriffen, sagte er. Zwei Wochen vor der Tat habe der Kaffeehausbesitzer angeblich mit einer Waffe gedroht, was der im Zeugenstand in Abrede stellte. "Ich hatte noch nie mit Waffen zu tun, bis auf den Militärdienst", sagte der 39-Jährige.

    Am Nachmittag wurde die Verhandlung mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt. Der Prozess wird am Donnerstag weitergehen, da soll auch ein Urteil erfolgen. (APA, 15.1.2019)

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