Geflohene Saudi-Araberin berichtet über Frauenhass in ihrer Heimat

    15. Jänner 2019, 09:06
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    Erstes Interview von Rahaf Mohammed al-Kunun in Kanada:Wurde wie Sklavin behandelt

    Montreal – In ihrem ersten Interview nach ihrer Ankunft in Kanada hat die aus Saudi-Arabien geflüchtete Rahaf Mohammed al-Kunun von ihrem Leben in ihrem Heimatland berichtet. Sie sei wie eine Sklavin gehalten und von ihrer Mutter und ihrem Bruder misshandelt worden, sagte die 18-Jährige am Montag im kanadischen Fernsehsender CBC. Um ihrer Familie zu entkommen, habe sie auch über Suizid nachgedacht.

    Der Fall der jungen Saudi-Araberin hatte international für Aufmerksamkeit gesorgt. Die 18-Jährige war Anfang Jänner mit einer Maschine aus Kuwait in Bangkok gelandet und dort gestoppt worden. Zunächst drohten die thailändischen Behörden, sie gegen ihren Willen wieder nach Saudi-Arabien zurückzuschicken.

    Daraufhin verbarrikadierte sich die 18-Jährige in einem Hotelzimmer in Bangkok und machte über den Kurzbotschaftendienst Twitter auf ihr Schicksal aufmerksam. Kanada gewährte der jungen Frau schließlich Asyl, am Samstag traf sie in Toronto ein.

    "Meine größte Angst war, dass ich verschwinden würde, wenn (meine Eltern) mich finden", sagte sie in dem Interview. "Ich wurde schon sechs Monate lang eingesperrt, weil ich meine Haare geschnitten hatte. Wir, die saudi-arabischen Frauen, werden wie Sklaven behandelt."

    Familiennamen abgelegt

    Nach ihrer Ankunft in Kanada habe ihre Familie ihr in einem Brief mitgeteilt, dass sie sie verstoßen habe, berichtete die junge Frau. Aus diesem Grund wolle sie von nun an nur noch Rahaf Mohammed genannt werden und auf den Familiennnamen al-Kunun verzichten. "Viele Leute hassen mich, ob es meine Familie ist oder Saudi-Arabien im Allgemeinen", sagte sie mit brüchiger Stimme.

    In Kanada steht die junge Frau unter dem Schutz einer Nichtregierungsorganisation. Sie wolle nun Englisch studieren und eine Arbeit finden, sagte sie. In Saudi-Arabien habe sie ihre Träume nicht verwirklichen können. In Kanada habe sie "das Gefühl, wieder aufzuleben, vor allem als ich diese Liebe und diesen Empfang spürte", sagte sie in dem Interview. "Sagt den Kanadiern, dass ich sie liebe."

    Das ultrakonservative Königreich Saudi-Arabien steht seit langem wegen seines restriktiven Umgangs mit Frauen in der Kritik. Frauen stehen in dem Land unter Vormundschaft ihrer männlichen Verwandten oder ihres Mannes, die an ihrer Stelle wichtige Entscheidungen fällen. (APA, 15.1.2019)

    • Hat Kopftuch und Familiennamen abgelegt: Rahaf Mohammed.
      foto: australian broadcasting corporation via ap

      Hat Kopftuch und Familiennamen abgelegt: Rahaf Mohammed.

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