Italien vor einer neuen Bankenkrise

13. Jänner 2019, 20:03
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Die Sparkasse von Genua und auch die Volksbank von Bari stehen vor einer schwierigen Kapitalerhöhung

Mailand – Italien steuert auf eine neue Bankenkrise zu. Nach der Sparkasse von Genua (Carige) steckt nun die schon lange angeschlagene Volksbank von Bari (Banca Popolare di Bari) in Schwierigkeiten. Die größte Bank Süditaliens plant eine Kapitalerhöhung um 300 Millionen Euro und die Ausgabe ungesicherter Bonds über 200 Millionen Euro sowie die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Auch die Krise bei der inzwischen zu rund 70 Prozent vom Staat kontrollierten, weltweit ältesten Bank, Monte dei Paschi di Siena (MPS), ist keineswegs behoben. Die Europäische Zentralbank hat kürzlich Siena aufgefordert die Rentabilität zu verbessern, da diese weit unter den Anforderungen liege.

Beobachter halten eine neuerliche, staatliche Rettungsaktion bei der Volksbank von Bari für wahrscheinlich. Denn schon Carige konnte eine Emission nicht am Markt unterbringen und geriet in der Folge in eine Krise, die den Staat zum Eingreifen veranlasste. Ebenso MPS, die infolge des unsicheren Umfeldes nicht wagt, Anleihen auszugeben. Selbst die sehr soliden Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo hatten in den vergangenen Monaten Probleme, sich am Markt zu refinanzieren.

Für den Süden bedeutend

Angesichts früherer Rettungsaktionen zugunsten von zwei venezianischen Volksbanken, der Monte die Paschi di Siena (MPS) und jüngst der Carige, ist kaum vorstellbar, dass Rom die für den Süden sehr bedeutende Popolare di Bari hängen lässt. Mit einer Bilanzsumme von 14,5 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2018 ist sie zwar nicht sonderlich groß, hat aber rund 300 Filialen in Süd-und Mittelitalien. Im ersten Halbjahr 2018 wies das Institut einen Verlust von 139 Millionen Euro aus. Ein Viertel des Kreditbestands ist notleidend, wobei die Deckungsquote mit 39 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt des gesamten Bankensektors Italiens von 67,7 Prozent liegt.

Unterdessen bemüht sich die Geschäftsführung der Krisenbank Carige offenbar darum, Fakten zu schaffen und so eine Verstaatlichung zu verhindern. Vorausgesetzt, EZB, Banca d‘Italia und andere Institutionen stimmen zu, ist womöglich schon für diese Woche die Ausgabe von staatlich garantierten Bonds über ein Milliarde Euro geplant. Außerdem soll der Großteil des Portfolios fauler Kredite von rund drei Milliarden Euro möglichst rasch veräußert werden, notfalls an die staatliche Bad Bank, also vom Steuerzahler finanziert.

Die Bank Austria Mutter Unicredit scheint ernsthaft eine Übernahme von Carige zu prüfen. Das käme den Staat teuer zu stehen: Beim Verkauf von Popolare di Vicenza und Veneto Banca im Juni 2017 an die Intesa Sanpaolo zum Preis eines symbolischen Euros hatte die Regierung dem Erwerber fünf Milliarden Euro gezahlt. Unicredit dürfte Gleichbehandlung verlangen. (tkb, 13.1.2019)

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