Neue Amtszeit an der Albertina: Plus und Minus des "Schröderismus"

    13. Jänner 2019, 17:00
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    An ihm scheiden sich die Geister: Für die einen ist er der visionärste Museumsmacher Österreichs, andere bekritteln Machthunger

    Als längstdienender Direktor der Bundesmuseen steht Klaus Albrecht Schröder vor seiner fünften, sehr wahrscheinlichen Vertragsverlängerung. Entscheiden muss Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP). Wir haben Argumente für und gegen den Leiter der Albertina gesammelt.

    foto: apa/schlager

    GESTALTUNGSWILLE Der 1955 in Linz Geborene ist ein Mann mit Visionen, die er für seine Dienstgeber stets verlässlich und unbeirrt umzusetzen verstand. Das war schon im Kunstforum (1988–2000) so und gelangte an der Albertina (seit 2000) zur Hochblüte. Der Ausbau und die Generalsanierung des Gebäudes samt Tiefenspeicher und Studiensaal fielen ebenso in seine Ära wie Erweiterungen der Ausstellungsflächen und des Sammlungsbestands. "Dass die Albertina heute ist, was sie ist, dazu habe ich sie gemacht", resümierte er 2013.

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    STRAHLKRAFT Er ist ein begnadeter Redner, der sein Umfeld mit geschliffenen Sätzen, dosierter Leidenschaft und eloquentem Auftritt zu überzeugen weiß. Ein Asset, das im Museumsumfeld hierzulande den Vergleich sucht. Schröder verfügt über ein internationales Netzwerk von Sammlern, Kuratoren und Künstlern, die er mit Verve zu Blockbustern und anregenden Gastspielen verführt. Das Publikum dankt es ihm mit einer tadellosen Besucherstatistik und zugehörigen Einnahmen.

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    ZAHLEN Große Retrospektiven und interessante Themenausstellungen, die den zeitlichen Bogen von der Renaissance bis in die Gegenwart spannen, sind auch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit möglich, wie die schmucke Bilanz belegt. Einst verirrten sich knapp 7.000 Besucher in die Albertina, nun sind es rund 700.000 jährlich. Die Umsatzzahlen mauserten sich von spärlichen 70.000 auf zuletzt knapp elf Millionen Euro. Spenden und andere Zuwendungen stiegen jüngst auf 1,68 Millionen Euro.

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    STABILITÄT Die Aktivitäten, Sammlungen, Ausstellungen und Projekte der Albertina sollen nicht nur eine eng definierte Klientel an Kunst interessierten ansprechen, sondern alle Schichten und Gruppen der Bevölkerung erreichen. Dieser Anspruch wurde zur Mission, die Klaus Albrecht Schröder mit seinem Team sukzessive weiterentwickelte und auch umsetzte. Seine knapp 20-jährige Regentschaft trübte kein Skandal, und auch die Kritik der strengen Prüfer des Rechnungshofes hielt sich in Grenzen.

    ÜBERMACHT Solange die Kriegskasse in Form der Basissubvention gefüllt ist, kümmern ihn Vorgaben "seiner" wechselnden Kulturminister nur beiläufig. Der Nummer fünf (Gernot Blümel) könnten die anderen Bundesmuseen ein Ständchen singen. Was Schröder nicht passt, wird passend gemacht: Theoretisch soll die Museumsordnung Doppelgleisigkeiten vermeiden, praktisch schert sie ihn keinen Deut. Den Segen holt er sich über die von seinem Kuratorium (Vorsitz Christian Konrad) durchgewinkten und im Ministerium abgenickten Vorhabensberichte.

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    VERNACHLÄSSIGUNG Gesetzliche Kernaufgaben hat er seinem Tun als Kulturmanager untergeordnet. Plakate sind jährlich mit einer Million Euro budgetiert, die vollständige Inventarisierung des Bestandes hat dagegen keine Priorität. Das Ausstellungsstakkato mit zum Teil zugekauften Gastkuratoren kaschiert Versäumnisse bei der Forschung. Während das Belvedere laufend Werkverzeichnisse publiziert, lässt der vor mehr als einem Jahrzehnt avisierte Ergänzungsband der Zeichnungen Klimts auf sich warten.

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    BEZAHLEN Die Verwandlung einer Grafischen Sammlung in eine Bundeskunsthalle hat ihren Preis. Gegenüber Schenkungen und Ankäufen dominieren Dauerleihgaben, die nach Vertragsablauf abgezogen werden können. Dieses "Museum auf Pump"-Modell ist allerdings eine Kostenfalle. Beispielhaft dafür steht das für die Sammlung Essl geschnürte Paket, das die nächsten 25 Jahre nicht nur einer satten zusätzlichen Subvention, sondern mit dem Künstlerhaus sogar einer eigenen Spielstätte bedarf.

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    SEILSCHAFTEN Langjährige Bekanntschaften zahlen sich in Schröders Fall meistens aus. Mit Schenkungen erwirbt man nicht nur dessen Gunst, sondern auch einen Auftritt in "seinem" Museum. Davon zeugen zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Deren Galeristen nutzen die begleitenden Kataloge eifrig für Verkäufe, die wiederum ihren Schützlingen zugutekommen. Dem Vernehmen nach soll sich manch einer der Protagonisten bravourös saniert haben.

    (Olga Kronsteiner, Stefan Weiss, 13.1.2019)

    foto: apa/fohringer

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