Vom Konzernchef aufs Heidelbeer-Feld

    13. Jänner 2019, 12:00
    10 Postings

    Klaus Schmied, Ex-Silhouette-Gesellschafter, avancierte vom Konzernchef zum Heidelbeer-Experten und betreibt jetzt den Biohof "Beerenberg"

    Linz – Nein, es ist nicht die große bunte Glitzerwelt der Reichen und eventuell Schönen. Und eitel herumgockeln tut hier tatsächlich nur das Federvieh. Nur wenige Minuten bergwärts braucht es, um die Hektik der Stadt hinter sich zu lassen und in dieses Naturparadies nahe Linz einzutauchen. Der gut 100 Jahre alte Vierkanter steht oberhalb des Bachlberges – und hat seit 2014 einen neuen Besitzer.

    Bis zu diesem Jahr hat Klaus Schmied in seiner Funktion als Silhouette-Gesellschafter und Vorstand dafür gesorgt, dass die schicken Brillen zu den wohl international bekanntesten Marken aus Oberösterreich zählen. Und dann passiert plötzlich das, was Klaus Schmied gerne als "Lebenschance" bezeichnet: "Jedem Menschen offenbaren sich im Laufe eines Lebens Möglichkeiten – es ist immer nur die Frage, ob man dann diese entsprechend nutzt." Klaus Schmied hat diese eine, biografisch so entscheidende, Chance nicht ungenutzt lassen.

    Rückzug und Neuanfang

    Als ihn vor fünf Jahren der Anruf eines guten Freundes ereilte, dass ein Bauernhof am Rande von Linz zum Verkauf steht, brauchte es nur einen kurzen Familienstammtisch, dann stand der Entschluss fest: Klaus Schmied beendet nach 30 Jahren seine Tätigkeit im Unternehmen, das seine Eltern einst gründeten, gibt seine Anteile an seine Mutter zurück. Und schmeißt sich voller Tatendrang in die Büsche.

    Konkret hat es dem "Aussteiger" eine Pflanzengattung aus der großen Familie der Heidekrautgewächse angetan. Mit dem Hof hat Schmied nämlich auch gut 30 Jahre alte Heidelbeeren-Kulturen gekauft. Gemeinsam mit seinem Sohn Jakob, der auch am Hof wohnt, und seiner Tochter Johanna betreibt der ehemalige Topmanager heute einen Bio-Heidelbeerhof, aus innerer Überzeugung nach biodynamischen Richtlinien. Auf fünf Hektar wachsen am "Beerenberg" Heidelbeeren, Brombeeren und Himbeeren und auf weiteren vier Hektar werden Walnüsse kultiviert.

    Glückliche Pflücker

    In die Haupterntezeit pflücken Schmied, der sich mit der Land- und Facharbeiterprüfung entsprechendes Grundlagenwissen angeeignet hat, und sein Beerenberg-Team bis zu 250 Kilo täglich. Doch es würde dem Schmied’schen Innovationsgeist entschieden widersprechen, würde man die süßen Bio-Beeren quasi den Kunden direkt in den Mund legen. Vater, Sohn und Tochter haben über den Dächern von Linz vielmehr eine Pflückoase mit Entspannungsgarantie geschaffen.

    Um daran zu erinnern, dass die Frucht nicht im Supermarktregal wächst, bietet das Neo-Bio-Trio auch einen Selbstpflückgarten. "Es geht darum, einfach wieder ein Gespür für die Natur zu bekommen", erzählt Schmied im Standard-Gespräch. Nicht zwingend muss die gute Beere ab Hof aber pur genossen werden.

    Eine feine Chillout-Zone mit Bar, Liegestühlen und einer Schnapsausschank in einer ausrangierten Seilbahngondel – Stichwort: Nachhaltigkeit! – bietet das ideale Ambiente um etwa einen Heidelbeer-Frizzante zu schlürfen. Harmoniert dieser am Gaumen, besteht im nahen Hofladen die Möglichkeit, die Heidelbeere in Flaschenform – nebst unter anderem Marmeladen, Honig, Walnussöl, Chutney und Schnäpsen käuflich zu erwerben. (Markus Rohrhofer, 13.1.2019)

    • Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren am "Beerenberg".
      beerenberg

      Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren am "Beerenberg".

    Share if you care.