Österreich ersparte sich seit Finanzkrise 69 Milliarden Euro an Zinsen

    11. Jänner 2019, 13:38
    116 Postings

    OeBFA-Chef Stix: "Österreich konnte sich 2018 so günstig refinanzieren wie nie – Zinssatz für Neuverschuldung fiel auf 0,23 Prozent

    Wien – Österreich hat sich 2018 so günstig refinanzieren können wie noch nie. Die Finanzierungskosten für die Schuldenneuaufnahme halbierten sich fast von 0,43 Prozent im Jahr 2017 auf 0,23 Prozent. Die Verzinsung der gesamten Finanzschulden ging von 2,47 auf 2,23 Prozent zurück. Im Vergleich zur Zeit vor der Lehman-Pleite 2008 hat sich Österreich bereits 69 Milliarden Euro an Zinszahlungen erspart.

    "Noch nie war das Gesamtportfolio des Bundes so niedrig verzinst", betonte der Chef der für das Schuldenmanagement zuständigen Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), Markus Stix, am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

    Auch 2019 gute Bedingungen

    Für heuer geht Stix von ähnlich günstigen Finanzierungsbedingungen aus, so dass im kommenden Jahr die Effektivverzinsung des Finanzschuldenportfolios des Bundes auf unter 2 Prozent sinken dürfte. Nicht zuletzt, weil es bereits heuer zu Tilgungen von hoch verzinsten Bundesanleihen und deren Ersatz durch niedrig verzinste Bonds kommen werde. "Die Zinsprognosen der Banken für heuer sind nach unten gegangen. Eine EZB-Zinsanhebung wird nicht mehr unbedingt erwartet", untermauerte Stix seine Annahme.

    Die Finanzschulden des Bundes sind im Vorjahr noch von 211,2 auf 211,7 Milliarden Euro gestiegen. Heuer werde es aufgrund des geplanten Budgetüberschusses in Höhe von 500 Millionen Euro zu einer Reduktion des absoluten Schuldenstandes kommen. "Das ist das erste Mal seit 1971", so Stix. Beim Abbau der Finanzschulden sei Österreich "auf absolut gutem Weg". Allerdings müsse sich auch die Konjunktur gut entwickeln.

    Hälfte der Schulden negativ verzinst

    Die durchschnittliche Restlaufzeit der Finanzschulden ging 2018 von 10,0 auf 9,8 Jahre zurück. 2017 stieg sie vor allem wegen der erstmaligen Emission eines hundertjährigen Bonds von zuvor 8,8 Jahren an. Rund 50 Prozent der ausstehenden Finanzschulden – alle Laufzeiten bis 2024 – sind laut Stix negativ verzinst. Die Verzinsung reicht von -0,55 für sehr kurze Laufzeiten bis zu -0,08 Prozent für 2024er-Laufzeiten.

    Die Nachfrage nach österreichischen Bundesanleihen lag im Vorjahr mit einer 2,6-fachen Überzeichnung auf dem höchsten Stand seit 2007. Highlights waren die 15,7 Milliarden Euro schwere Nachfrage nach einer zehnjährigen Emission sowie die erstmalige Anwendung der Blockchain-Technologie bei der Auktion im Oktober gewesen. Hier habe Österreich eine Vorreiterrolle inne. Interesse daran habe etwa auch die deutsche Finanzagentur gezeigt.

    Heuer bis zu 33 Milliarden Neuaufnahme

    Für 2019 ist die Aufnahme von 30 bis 33 Milliarden Euro geplant. Das ist um rund 30 Prozent mehr als 2018. Der Grund sind um acht Milliarden Euro höhere Tilgungen. 18 bis 20 Milliarden Euro werden wieder über Bundesanleihen aufgenommen. Neben monatlichen Auktionen sind wieder ein bis zwei syndizierte Neuemissionen geplant. Auch Aufstockungen der hundertjährigen Anleihe seien bilateral möglich, aber keine Auktionen.

    Auch wenn die Regierung beim Schuldenabbau auf gutem Wege sei und es das Ziel sei, die Staatsschuldenquote in Richtung 60 Prozent zu bringen, rechnet Stix mit keiner baldigen Rückkehr des Triple-A-Ratings zweier großer Ratingagenturen. Per Jahresende 2018 habe die Staatsverschuldung noch 70,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen. Hier hinke Österreich noch hinter Deutschland und den Niederlanden her, wo die Quoten bei 58 Prozent lägen. (APA, 11.1.2019)

    Share if you care.