Der große Vorsprung des Sebastian Kurz im ORF

    24. Jänner 2019, 12:00
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    Wer regiert, hat das Sagen – doch so einsam vorne lag in den vergangenen Jahren kein anderer Kanzler

    Wien – Die Kanzlerfeierstunde im Hauptabendprogramm des ORF blieb in den Daten unberücksichtigt: Lange sprach Sebastian Kurz vor Weihnachten im ORF über "Österreichs Heldinnen und Helden", er überreichte lange die Preise in der dafür erfundenen Show Lebensretter. Kurz wurde als ihr "Initiator" vorgestellt.

    Der Kanzler und ÖVP-Chef dominiert auch ohne Lebensretter die Jahrescharts der Politikerpräsenz im ORF. APA de Facto beobachtet, wie lange Politiker oder auch Manager in den ORF-Nachrichten zu Wort kommen. Die Medienbeobachter der APA werten für den STANDARD einmal im Jahr die reichweitenstärksten Nachrichtensendungen des Landes aus – die Zeit im Bild und die ZiB 2.

    foto: apa/hans punz
    Redete in den wichtigsten TV-Nachrichten des Landes am weitaus längsten: Sebastian Kurz, Bundeskanzler und ÖVP-Chef, hier im ORF-"Sommergespräch" 2018 mit Hans Bürger.

    So weit vorne war kein Kanzler

    Bundeskanzler liegen oft in den Charts über die Redezeit in den ZiBs vorn. Aber so viel länger als die Nummer zwei kam noch keiner zu Wort, sagen die Experten von APA de Facto nach einem Blick in die Vergleichsdaten seit 2012. Christian Kern sprach 2017 zwar weit länger in den ORF-Nachrichten – im Wahljahr freilich auch über einige besonders unangenehme Entwicklungen wie die Facebook-Aktivitäten von Berater Tal Silberstein. Einen Vorsprung von mehr als 3.000 Sekunden auf den Zweitplatzierten fand APA de Facto nicht: 2013 lag Vize Michael Spindelegger (ÖVP) in Zeit im Bild und ZiB 2 gut 1.200 Sekunden vor Kanzler Werner Faymann. Der SPÖ-Chef gab ungern der ZiB 2 Interviews, die einen großen Teil der Redezeit ausmachen.

    Sebastian Kurz kam in der weitaus meistgesehenen Nachrichtensendung des Landes, der Zeit im Bild um 19.30 Uhr, gut doppelt so lang zu Wort wie Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Für die FPÖ sprechen viele, für die ÖVP vor allem ihr Chef.

    Zwei SPÖ-Chefs

    Kurz' großer Vorsprung liegt 2018 auch am Obmannwechsel in der SPÖ: Christian Kern und Pamela Rendi-Wagner liegen in der Zeit im Bild mit 1.242 Sekunden vor Strache; in ZiB und ZiB 2 zusammen kommen sie auf 3.911 Sekunden, Kurz auf 5.902.

    Regierung hat das Sagen

    Regierungspolitiker reden meist am längsten in den Nachrichten – die Konjunkturzyklen von Regierungsbeteiligung und Medienpräsenz zeigt diese Grafik recht anschaulich. 2000 und 2017 begann die ÖVP mit den Freiheitlichen zu regieren, davor und ab 2006 regierten SPÖ-ÖVP-Koalitionen:

    Drei Viertel Regierung

    Fast drei Viertel der Politiker-Redezeit in der Zeit im Bild und in der ZiB 2 kommen von Regierungsvertretern, rund ein Viertel von der Opposition.

    Männliche Nachrichten

    Die Nachrichten (nicht nur im ORF) sind sehr männlich: Fast 80 Prozent der Redezeit von Politikern in der Zeit im Bild füllen Männer, in der ZiB 2 mehr als 70 Prozent.

    Der Frauenanteil an der Redezeit in den beiden meistgesehenen Nachrichtensendungen des Landes stieg 2018 auf 21 Prozent – von einem langjährigen Tiefpunkt 2016 und 2017 mit rund 14 Prozent.

    Die Themen der Parteien

    Die BVT-Affäre – die Razzia im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung – beschäftigte 2018 am meisten. Die Opposition hatte viel mit sich selbst zu tun. Die am längsten besprochenen Themen der Parteien in der Zeit im Bild und der ZiB 2 2018:

    (Michael Matzenberger, Harald Fidler, 24.1.2019)

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