Leichte Entspannung bei Lawinengefahr, 500 Soldaten im Einsatz

    Video11. Jänner 2019, 15:34
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    Dank Wetterberuhigung ist die Lawinengefahr etwas zurückgegangen, bleibt aber hoch. In Oberösterreich wurden 66 Schüler von einer Skihütte evakuiert

    Liezen / Hohentauern / St. Pölten / Linz / Salzburg / Bregenz – In vielen Regionen Österreichs herrscht trotz leichter Entspannung immer noch hohe Lawinengefahr. Die Schneewarnung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bleibt indes aufrecht.

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    In Tirol stufen die Experten die Lawinengefahr weiterhin verbreitet mit groß (vier) ein.

    Die nächste Front, die in der Nacht auf Samstag das Bundesgebiet überqueren sollte, ist zwar schwach. Aber von Sonntagnachmittag bis Dienstagvormittag kommt es noch einmal dick, mit 20 bis 60 Zentimeter Neuschnee in den Tälern und bis zu einem Meter auf den Bergen.

    Derzeit sind 500 Soldaten im Einsatz, 1.000 Mann werden vom Bundesheer in Bereitschaft gehalten. Zahlreiche Schulen blieben am Freitag geschlossen. Einzelne Orte sind noch abgeschnitten.

    Ein Überblick über die Situation in den einzelnen Bundesländern:

    • Steiermark

    Ein Wetterfenster hat Freitagfrüh in den nördlichen Regionen der Steiermark für eine voraussichtlich nur vorübergehende Herabstufung von der höchsten Warnstufe fünf auf vier gesorgt. Trotzdem galt in den Nordalpen und den Niederen Tauern immer noch große Lawinengefahr. Für die südlichen Gebirgsgruppen wurde erhebliche oder mäßige Lawinengefahr ausgegeben.

    Das Hauptproblem sei – wie in den meisten Gebieten – Triebschnee in allen Expositionen, der sich in den vergangenen Tagen gebildet habe, hieß es vom Lawinenwarndienst. Aus steilem Felsgelände könnten sich immer noch spontan oder durch geringe Zusatzbelastung große und sehr große Schneebrettlawinen lösen, die auch exponierte Verkehrswege gefährden. In den tiefen und mittleren Lagen nehme auf Grashängen und in lichten Wäldern die Gleitschneeaktivität zu. Südlich des Alpenhauptkamms liegt ein Altschneeproblem vor. Hier können Schneebrettlawinen durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden. Besonders betroffen ist der Nord- und Ostsektor oberhalb der Baumgrenze.

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    Obwohl für Freitag eine vorübergehende Beruhigung des Wetters prognostiziert wurde, bleibt die Schneewarnung der ZAMG aufrecht. Auch die Lawinengefahr wird weiterhin als hoch eingestuft.

    Abgeschnittenes Hohentauern

    Bereits am Donnerstag hatten Meteorologen neuerlichen Schneefall ab dem Wochenende prognostiziert. Dann könnte die Lawinenwarnstufe in den Nordalpen wieder auf die höchste Stufe gehoben werden. Das Wetterfenster am Freitag soll Erkundungs- und Versorgungsflüge in der Obersteiermark ermöglichen.

    Zudem fährt das Militär mit geländetauglichen Fahrzeugen über einen Notweg in das seit mehreren Tagen abgeschnittene Hohentauern. Urlauber könnten am Freitag von Soldaten aus der Ortschaft zum Bahnhof Judenburg gebracht werden – ihre eigenen Autos müssen sie vorerst auf dem Parkplatz in Hohentauern zurücklassen.

    foto: apa
    • Niederösterreich

    In den Ybbstaler Alpen in Niederösterreich galt am Freitag große Lawinengefahr (vier). An den zwei Tagen zuvor war die höchste Stufe fünf ausgerufen worden. Als groß wurde die Gefahr auch im Rax-Schneeberg-Gebiet über 1.500 Meter eingeschätzt. Besondere Vorsicht ist in Waldbereichen aufgrund umstürzender Bäume geboten.

    Am Hochkar (Bezirk Scheibbs) war für Freitag geplant, mehrere Lawinen von einem Bundesheer-Hubschrauber aus zu sprengen. Danach sollte entschieden werden, ob die Alpenstraße ins Skigebiet geräumt werden kann. Ab Sonntag sei vorgesehen, dass Mitglieder von Bundesheer und Feuerwehr Wohn- und Gastronomiegebäude sowie Lifte freischaufeln, sagte Göstlings Bürgermeister Friedrich Fahrnberger (ÖVP).

    Bei der Suche nach zwei seit dem Wochenende vermissten Tourengehern in Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) sollte am Freitag ein Hubschrauber des Innenministeriums starten.

    Sobald der Hubschrauber "Libelle Linz" nach Einsätzen in Oberösterreich verfügbar sei, werde er in Hohenberg erwartet. Ziel war laut Hochgerner, weitere Erkenntnisse zu erlangen beziehungsweise die Wintersportler mit dem Recco-System zu orten. Die Männer im Alter von 54 und 58 Jahren hatten einen entsprechenden Reflektor auf die Tour mitgenommen. Am Freitag wurde auch erneut ein Erkundungstrupp aus Mitgliedern von Bergrettung, Alpinpolizei und Bundesheer in Richtung Hohenberger Gschwendt entsandt.

    foto: apa
    • Vorarlberg

    Auch in Vorarlberg hat sich die Gefahrensituation leicht entspannt, in der Nacht auf Freitag gingen nur noch geringe Schneefälle nieder. In höheren Lagen bestand weiter große, sonst verbreitet erhebliche Lawinengefahr, informierte die Landeswarnzentrale. Trotzdem blieb die Lage heikel. Im Lauf des Tage sollte die Sonneneinstrahlung die Gefahr von Selbstauslösungen erhöhen.

    Lawinengefahr der Stufe vier herrschte oberhalb von 2.200 Metern im Kleinwalsertal, im hinteren Bregenzerwald und im Arlberggebiet. Ohne große Erfahrung in der Lawinenbeurteilung sollten Wintersportler die gesicherte Piste daher nicht verlassen, riet die Landeswarnzentrale.

    Ab Samstagmittag rechnete man mit einer neuerlichen vorübergehenden Wetterbesserung, bevor in der Nacht auf Sonntag wieder ergiebige Schneefälle niedergehen sollen. Die Lawinengefahr steige damit ab Sonntag wieder.

    foto: apa/erwin scheriau
    Schneeaufräumarbeiten in Vordernberg, Steiermark.
    • Oberösterreich

    Ähnliches ist aus Oberösterreich zu vermelden: Die Warnstufe wurde am Freitag in den Nordalpen von fünf auf vier zurückgesetzt, in den Voralpen blieb es bei Stufe vier. Am Donnerstag hat es noch rund 20 Zentimeter geschneit, sollte aber im Laufe des Freitags ganz abklingen.

    26 Schulen sind am Freitag trotzdem schneebedingt geschlossen geblieben. Betroffen waren die Bezirke Perg, Freistadt, Urfahr-Umgebung, Kirchdorf, Gmunden und Vöcklabruck. In Kirchdorf könnte es auch am Montag in manchen Einrichtungen noch "schneefrei" heißen, in den übrigen Bezirken müssen die Kinder wohl mit Wochenstart wieder die Schulbank drücken.

    Unterdessen sind die Straßenmeisterein damit beschäftigt, um die 35 witterungsbedingten Sperren auf den Landstraßen wieder zu beseitigen. Betroffen sind vor allem die südlichen Teile des Bundeslandes und das Mühlviertel.

    In Grünau im Almtal waren zwei Bundesheer-Hubschrauber im Einsatz, um eine 66-köpfige Schülergruppe vom Hochberghaus zu evakuieren. Sie war dort auf Skikurs und saß fest.

    • Salzburg

    In Salzburg herrscht verbreitet Warnstufe vier. Die Tauernautobahn ist Freitagmittag zwischen Werfen und Golling aus Sicherheitsgründen für eine halbe Stunde gesperrt worden. Im Bereich des Ofenauertunnels beim Pass Lueg war eine Staublawine abgegangen. Ersten Informationen zufolge kamen weder Personen noch Fahrzeuge zu Schaden.

    Zwölf Hubschrauber sollen bei Erkundungsflügen im Einsatz sein, bei denen sich Behörden einen besseren Überblick über die Situation verschaffen wollen. Auch weitere "Downwash"-Aktionen waren geplant. Dabei wird mit dem Wind, den Rotorblätter von Helikoptern erzeugen, der Schnee von den Bäumen geblasen.

    Am Freitagvormittag waren zahlreiche Menschen noch von der Außenwelt abgeschnitten. Mit Stand Donnerstag handelte es sich um 9000 Personen. Die Stromversorgung ist hingegen mittlerweile wieder weitgehend hergestellt, wiewohl Freitagfrüh etwa 200 Kunden noch ohne Strom waren. 33 Schulen blieben geschlossen.

    350 Gäste eines Berghotels im Pinzgau ("Rudolfshütte") wurden vorzeitig ins Tal gebracht. Wegen der enormen Schneefälle wird die Rudolfshütte mit seinen 220 Betten wohl bis in die nächste Woche hinein geschlossen bleiben. Auch das Skigebiet rund um das Berghotel stellte den Betrieb wegen der fehlenden An- und Abreisemöglichkeit ein.

    • Tirol

    In Tirol gibt es erste Entspannung hinsichtlich der Stromversorgung, nachdem am Donnerstag bis zu 360 Trafostationen in 31 Gemeinden mit 17.000 Stromkunden zeitweise ohne Strom gewesen waren. Kurz nach Mitternacht konnte die letzte größere Mittelspannungsstörung im Bereich Eiberg/Schwoich behoben werden.

    Die Lawinengefahr stufen die Experten des Landes weiterhin verbreitet mit groß (vier) ein. Hochfügen sowie einige Gemeinden, Weiler und Orte im Außerfern und am Zillergrund sowie einzelne Gebäude in Wiesing waren aufgrund von Straßensperren weiterhin nicht zu erreichen. Zudem waren vorübergehend auch Teile der Gemeinde Scheffau und vereinzelte Gebäude in den Bezirken Kitzbühel und Kufstein abgeschnitten.

    Noch in der Nacht wurden für rund 80 Gebäude in den Innsbrucker Stadtteilen Mühlau, Hötting und Hungerburg, die sich in der Roten beziehungsweise Gelben Lawinengefahrenzone befinden, Sicherheitsanweisungen ausgegeben, die nach wie vor aufrecht sind. Die Bewohner sollten die Türen und Fenster geschlossen halten und unnötige Aufenthalte im Freien in den betroffenen Zonen vermeiden.

    Auf der Nordkette werden vorerst keine Lawinensprengungen durchgeführt. Bei Probesprengungen am Freitagvormittag ging mehr Schnee mit als erwartet.

    • Schneechaos in Bayern und der Schweiz

    Wegen einer Sperre der Autobahn 8 am Chiemsee (Landkreis Rosenheim) im erweiterten Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich saßen Donnerstagabend zahlreiche Menschen bei teils starkem Schneefall im Stau fest und mussten stundenlang ausharren. Das Bayerische Rote Kreuz baute Pflegestützpunkte auf.

    foto: ap/matthias schrader
    Lkws im Stillstand auf der A8 im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich.

    In der Schweiz rollte eine etwa 300 Meter breite Lawine am Donnerstagnachmittag in ein Hotelrestaurant auf der Schwägalp im Kanton Appenzell Ausserrhoden und verletzte drei Personen leicht. Die Polizei brachte in der Nacht auf Freitag 75 Menschen ins Tal. (APA, 11.1.2019)

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