Will ich wissen, was die Kollegen verdienen?

    Kolumne15. Jänner 2019, 07:00
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    Gehältertransparenz drückt die Löhne um sieben bis 25 Prozent, hat eine Harvard-Studie ergeben

    Eisern schweigen. Bestmöglich übertreiben. Sozial erwünscht bei Befragungen antworten, dass man ja sicher nicht "fürs Geld" arbeitet respektive arbeiten muss, sondern den Job wegen der "Herausforderung" macht: Das Gehaltsthema ist in Österreich nach wie vor ein großes Tabu. Von Gehaltstransparenz sind wir weit entfernt, auch wenn die jungen Generationen miteinander unbefangener über ihre Honorare und Löhne reden – sie müssen keinen Statusverlust befürchten und wollen wissen, wie ihre Arbeitsleistung hier und jetzt monetär bewertet wird. Lebenslanger stetiger Aufstieg ist ja unwahrscheinlich geworden.

    Wer erhält jetzt welchen Bonus? X und Y haben Gehaltserhöhungen bekommen, okay, aber was verdienen die jetzt genau? Die Antworten kennt die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen nicht. Da weiß man besser Bescheid, wie es um das Liebesleben von X und Y bestellt ist. Die Begrüßungsphrase "Wie geht's, was verdienst denn du?" ist ja auch nicht gerade tradiertes österreichisches Kulturgut. Schlecht?

    Gehaltstransparenz drück die Löhne

    Ja sicher, sagen Studien und Betriebsräte, die den Informationsvorsprung der Arbeitgeber (und Vorgesetzten) beseitigen wollen, Diskriminierungen endlich abschaffen und Klarheit für Gehaltsverhandlungen herstellen wollen. Also: zumindest Informationsrechte einführen. Dass erhoffte positive Gleichgewichtseffekte auch gegenteilig wirken können, hat allerdings eine Harvard-Studie (Zoe Cullen, "Equilibrium Effects of Pay Transparency") ergeben: Gehältertransparenz drückt demnach die Löhne um sieben bis 25 Prozent. Der Gewinn der jeweiligen Unternehmen steige dann auch stärker. Es profitieren also die Arbeitgeber.

    Erklärt wird das so: Wenn keine Transparenz herrscht, können Arbeitgeber den Wunschkandidaten ihre Gehaltsforderungen unterschreiben, ohne dass gleich die gesamte Belegschaft anrückt und auch mehr will. Sind die Gagen alle transparent, dann gibt es weniger Ausnahmeverträge, und das gesamte Lohnniveau sinkt, weil Unternehmen restriktiver auf Geldforderungen reagieren. Tauschen dann Firmen einer Branche ihre Informationen aus, wird Verhandeln um mehr so gut wie unmöglich.

    Und die Bosse bleiben unberührt? Eigentlich ja. Denn laut dieser Studie wird als demotivierend empfunden, wenn Kollegen mehr verdienen. Dass die Manager mehr kassieren, wird akzeptiert und als Motivation, selbst aufzusteigen, begriffen. (Karin Bauer, xx.1.2018)

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