Kritik an Experten für Cannabis-Bericht des Gesundheitsministeriums

    11. Jänner 2019, 09:00
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    Zwei Forscher hätten ein Naheverhältnis zu dem Pharmakonzern Bionorica, kritisiert die Liste Jetzt und bringt eine parlamentarische Anfrage ein

    Wien – Das Gesundheitsministerium legte Ende 2018 seinen Bericht über die Prüfung der Liberalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken vor – von einer solchen wurde abgeraten, wie DER STANDARD berichtete. Die Liste Jetzt reicht diesbezüglich am Freitag eine parlamentarische Anfrage ein.

    Der Bericht sei nämlich durch eine "schiefe Optik" gekennzeichnet, weil sich die dafür befragten Experten und Institutionen in einem Naheverhältnis zum Pharmaunternehmen Bionorica befänden. Bionorica kauft in Österreich von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) produziertes Cannabis und verwertet dieses zum Medikament Dronabinol, was wiederum hierzulande verkauft wird.

    Online-Kurse von Bionorica

    Hans Georg Kress von der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerzmedizin der Medizinischen Universität Wien und der Vorsitzende der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin, Rudolf Likar, seien "beruflich mit Bionorica verbunden", zumindest würden beide für das Unternehmen einen Fortbildungslehrgang zu Cannabismedizin anbieten.

    Vom Pharmaunternehmen findet sich dazu eine Aussendung, in der der Online-Kurs mit Likar und Kress beworben wird.

    Fragen an Ministerin Hartinger-Klein

    Daniela Holzinger-Vogtenhuber, die die Anfrage einbringt, will deswegen wissen, wieso das Ministerium gerade diese Personen mit Stellungnahmen beauftragt hat und ob die Verbindungen zu Bionorica zum Zeitpunkt der Beauftragung bekannt waren.

    In der Anfrage wird außerdem kritisiert, dass keine Stellungnahme von Experten eingeholt wurde, die die Liberalisierung von Cannabis befürworten. Der Gesundheitsausschuss des Nationalrats hatte im Juni 2018 das Ministerium ersucht, bis Ende des Jahres einen Bericht zum medizinischen Einsatz von Cannabis zu erstellen – unter Einbeziehung von Experten. Der Antrag von Peter Kolba, Bürgerrechtssprecher der Liste Jetzt, wurde damals einstimmig verabschiedet.

    Das Ministerium bat unter anderem den Obersten Sanitätsrat, die Apothekerkammer, die Ärztekammer und die Ages um Stellungnahmen. (Lara Hagen, 11.1.2019)

    • Cannabisblüten werden in Österreich quasi staatlich produziert – und zwar von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Österreichische Patienten erhalten den Wirkstoff in Form von Medikamenten, Blüten sind in Apotheken nicht erhältlich, und das soll laut dem Bericht des Gesundheitsministeriums auch so bleiben.
      foto: ap/richard vogel

      Cannabisblüten werden in Österreich quasi staatlich produziert – und zwar von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Österreichische Patienten erhalten den Wirkstoff in Form von Medikamenten, Blüten sind in Apotheken nicht erhältlich, und das soll laut dem Bericht des Gesundheitsministeriums auch so bleiben.

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