Akten falsch geschwärzt: Peinliche Panne im Manafort-Prozess

    10. Jänner 2019, 15:14
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    Informationen aus einem zensurierten PDF-Dokument konnten mit einfachen Mitteln lesbar gemacht werden

    Dem Anwaltsteam von US-Präsident Donald Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager Paul Manafort ist ein peinlicher Fehler unterlaufen. Eine am Dienstag dem Gericht vorgelegte Anfragebeantwortung enthielt geschwärzte Passagen, die mit einfachen Mitteln wieder lesbar gemacht werden konnten.

    Eigentlich sollte das Sonderermittler Robert Mueller vorgelegte Dokument belegen, dass Manafort das Gericht über seine Beziehungen zu seinem russischen Geschäftspartner Konstantin Kilimnik nicht belogen habe. Während Mueller das vollständige Papier erhielt, sollte an die Medien lediglich eine teilweise geschwärzte Version gehen. Allerdings wird der verdunkelte Text wieder sichtbar, wenn man den Inhalt aus dem PDF-Dokument in einen anderen Texteditor kopiert.

    Treffen in Madrid

    So erfuhr die interessierte Öffentlichkeit, dass Manafort mit seinem russischen Partner entgegen früheren Aussagen sehr wohl über einen "Friedensplan" für die Ukraine diskutiert hatte und dass er erst gestand, Kilimnik während des US-Wahlkampfs 2016 in Madrid getroffen zu haben, als nachgewiesen wurde, dass sich beide zur gleichen Zeit dort aufhielten.

    Außerdem wurde geschwärzt, dass Manafort einer dritten Partei gewährte, seinen Namen zu verwenden, um Kontakt mit Präsident Trump aufzunehmen. Das stellt den Anwälten zufolge aber keinen Verstoß gegen US-Gesetze dar.

    Geld aus der Ukraine

    Manafort hatte Trumps Wahlkampfteam zwei Monate lang geleitet. Er musste den Posten im August 2016 abgeben, nachdem mutmaßliche Geldflüsse an ihn aus dem Umfeld des prorussischen Ex-Präsidenten der Ukraine, Wiktor Janukowitsch, bekannt geworden waren.

    Im August wurde der Ex-Lobbyist in einem ersten Prozess wegen Steuer- und Bankenbetrugs im Zusammenhang mit seiner Ukraine-Arbeit schuldig gesprochen; die Verkündung seines Strafmaßes in diesem Verfahren steht noch aus. In einem anderen Fall bekannte Manafort sich schuldig.

    US-Behörden haben immer wieder Probleme damit, Textpassagen unlesbar zu machen: So gelangte 2005 ein unzureichend geschwärztes Dokument des Pentagons an die Öffentlichkeit, in dem im Zusammenhang mit dem Tod des italienischen Geheimdienstagenten Nicola Calipari bei der Freilassung der gekidnappten Journalistin Giuliana Sgrena im Irak die Namen aller beteiligten US-Soldaten und Informationen über die militärische Lage in Bagdad genannt wurden (der STANDARD berichtete). (red, 10.1.2019)

    • Screenshot der geschwärzten Passagen.

      Screenshot der geschwärzten Passagen.

    • Das zensurierte PDF-Dokument.

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