Hubble-Teleskop: Kamera defekt, Rekord-Quasar entdeckt

    10. Jänner 2019, 12:02
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    Ein Kamerasystem des in die Jahre gekommenen Weltraum-Teleskops ist ausgefallen. Astronomen gelang mit Hubble aber ein sensationeller Fund

    foto: nasa
    Hubble-Trouble: Das 1990 gestartete Weltraumteleskop kämpft mit technischen Problemen – und liefert trotzdem Daten.

    Das Hubble-Weltraumteleskop hat einen Rückschlag erlitten: Die "Wide Field Camera 3", das wichtigste Kamerasystem für Aufnahmen im sichtbaren Licht, ist wegen eines Hardware-Problems ausgefallen. Wie die US-Weltraumbehörde Nasa mitteilte, würden die Beobachtungen mit den drei anderen Instrumenten des Teleskops aber fortgesetzt.

    Die Wide Field Camera 3 ermöglichte Beobachtungen eines ausgedehnten Raumbereichs und war im sichtbaren und ultravioletten Bereich den anderen Hubble-Kameras deutlich überlegen. Es gibt aber noch Hoffnung für das System, das 2009 von Astronauten installiert worden war: Die Nasa-Ingenieure hoffen, die Kamera dank Backup-Elektronik wieder zum Laufen zu bringen. Derzeit ist allerdings auch die Nasa vom "Government Shutdown" im Zuge des Budgetstreits in den USA betroffen und kann nicht im vollen Umfang agieren.

    Schwierigkeiten und beispiellose Erfolge

    Die bald 30 Jahre alte Gemeinschaftsmission von Nasa und Esa hat immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen, eigentlich von Anfang an: Schon kurz nach dem Start 1990 zeigte sich, dass Hubbles Hauptspiegel nicht korrekt geschliffen war. Das Ergebnis waren unscharfe Bilder. Behoben wurde der Fehler 1993 durch eine Space-Shuttle-Mission, der bis 2009 noch vier weitere Servicemissionen folgten.

    Seither hat das "Auge im All" nicht nur für unzählige atemberaubende Bildern gesorgt, sondern auch etliche neue astronomische Erkenntnisse geliefert. Ausfälle und Schwierigkeiten gab es jedoch immer wieder, im Vorjahr fiel Hubble aufgrund eines defekten Stabilisators zeitweise ganz aus, das Problem konnte jedoch wieder behoben werden.

    illustration: esa/hubble/nasa/m. kornmesser
    Künstlerische Darstellung des neu entdeckten Quasars J043947.08+163415.7.

    Rekordquasar aus der Frühzeit des Universums

    Dass die Mission aber keineswegs an ihrem Ende ist, zeigt ihre neueste Entdeckung. Fast zeitgleich mit dem Ausfall der Wide Field Camera 3 wurde ein weiterer spektakulärer Fund des Teleskops bekannt: der bisher hellste bekannte Quasar aus der Frühzeit des Universums. Als Quasar wird der aktive Kern einer Galaxie bezeichnet, der ein supermassereiches Schwarzes Loch beherbergt. Die von diesen Objekten abgegebene energiereiche Strahlung stammt von Materie in der näheren Umgebung, die von dem Schwarzen Loch angezogen wird und dabei enorme Mengen an Energie freisetzt.

    Der neu entdeckte Qasar mit dem Katalognamen J043947.08+163415.7 ist rund 12,8 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt und in etwa so hell wie elf Billionen Sonnen, berichten Astronomen um Xiaohui Fan von der University of Arizona. Das Schwarze Loch im Zentrum des Quasars dürfte an die 700 Millionen Sonnenmassen haben. "Nach so etwas haben wir lange gesucht", sagte Xiaohui Fan von der University of Arizona. "Wir rechnen nicht damit, viel hellere Quasare als diesen zu entdecken."

    illustration: nasa/esa/x. fan (university of arizona)
    Erspäht werden konnte der Rekordquasar mithilfe des Gravitationslinseneffekts.

    Aufgrund der enormen Distanz war die Entdeckung trotz der Helligkeit des Quasars nur mithilfe des Gravitationslinseneffekts möglich: Dieser aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie abgeleitete Effekt kam zustande, da sich eine leuchtschwache Galaxie zwischen der Erde und dem Quasar befindet und durch ihre Masse das Licht des Quasars krümmt. Dadurch erschien dieses Objekt etwa dreimal größer und 50 Mal heller.

    Das Hubble-Teleskop zieht in einer Höhe von rund 550 Kilometern über dem Erdboden seine Runden. Wie lange es noch im Einsatz sein wird, ist nicht klar – Forscher gehen aber davon aus, dass es noch 15 Jahre schaffen könnte. Dann wird es in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen. (dare, 10.1.2019)

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