Auch bei Elefanten gibt es eine Art Jojo-Effekt

    14. Jänner 2019, 06:30
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    Forscher stoßen auf einen langwelligen Zyklus von Gewichtsschwankungen, von dem man bislang nichts wusste

    foto: apa/afp/tobias schwarz
    Keine Kalorienbombe: Der Weihnachtsbaum dieser Elefanten im Berliner Zoo wurde mit Paprika und anderen Leckerlis garniert.

    Zürich – Per Zufall sind Forscher auf die Entdeckung gestoßen, dass es auch bei Elefanten zu regelmäßigen Gewichtsschwankungen kommt – das, was Diätgeplagten als Jojo-Effekt bekannt ist. Allerdings handelt es sich bei Elefanten um einen ebenso regelmäßigen wie langwelligen Zyklus, zudem hat er völlig andere Ursachen.

    "Eigentlich wollten wir herausfinden, ob Zoo-Elefanten, die sich fortpflanzen, schlanker sind als solche, die keine Nachkommen produzieren", sagt Marcus Clauss von der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Universität Zürich. Zu diesem Zweck besuchte sein Doktorand Christian Schiffmann eine Reihe von europäischen Zoos, um Aufzeichnungen über das Gewicht der dortigen Elefanten zu sammeln. 5.300 Messungen zu 70 Asiatischen und 27 Afrikanischen Elefantenweibchen kamen so zusammen.

    Der neuentdeckte Zyklus

    Die Forschungsfrage konnte beantwortet werden: Tiere, die sich nie fortgepflanzt hatten, waren im Schnitt schwerer als solche, die Nachwuchs zur Welt gebracht hatten. Bei der Auswertung der Daten fiel den Forschern jedoch noch etwas anderes auf: Das Körpergewicht der erwachsenen Elefanten schwankt offenbar in einem Zyklus von rund hundert Monaten. Der Gewichtsunterschied beträgt dabei rund 300 Kilogramm, wie die Wissenschafter im Fachblatt "Mammalian Biology" berichten.

    "Zunächst dachten wir, dass es mit der Fortpflanzung zusammenhängen könnte, zum Beispiel mit dem Gebären oder der Laktation", erklärte Clauss. Allerdings machte der regelmäßige Zyklus der Gewichtsschwankungen die Forscher stutzig. Zudem zeigte sich das Muster auch bei Tieren ohne Nachwuchs.

    Spezieller Zahnwechsel

    Die Ursache sehen die Forscher im Zahnwechsel der Elefanten. Anders als die meisten Säugetiere wechseln Elefanten nicht nur einmal im Leben die Zähne, sondern insgesamt fünfmal. Das ist nur möglich, weil sie sie nacheinander einsetzen: Normalerweise sitzt bei ihnen auf jeder Kieferseite unten und oben jeweils nur ein großer Backenzahn von mehreren Kilogramm Gewicht.

    illustration: uzh

    Ehe der Zahn abgenutzt ist, schiebt sich sein Nachfolger nach vorne, während der alte Zahn vorne wegbröckelt. Während dieses Zahnwechsels vergrößert sich damit vorübergehend die Kaufläche, da zeitweilig zwei Zähne zum Kauen zur Verfügung stehen. "Während dieser Zeit fällt es ihnen somit leichter, Pflanzennahrung zu verwerten, und sie nehmen zu", sagt Clauss. Das dürfte die Ursache für die sehr regelmäßigen Gewichtsschwankungen der Elefanten sein, die in der Studie festgestellt wurden.

    Leider ist die Gesamtzahl der Zähne aber auch bei Elefanten begrenzt. Wenn sie ein so hohes Alter erreicht haben, dass der sechste und letzte Zahn abgenutzt ist, können sie die Nahrung nicht mehr zermalmen. Sie versuchen dies durch den Umstieg auf weichere Pflanzen zu kompensieren, was aber nur bedingt hilft. Letztlich sind alte Elefanten zum Hungertod verurteilt. (red, APA, 14. 1. 2019)

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