Tötung in Amstetten: Verfassungsschutz hatte Verdächtigen im Visier

9. Jänner 2019, 11:28
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Der Mann, der im Verdacht steht, seine Ehefrau und Mutter von vier Kindern erstochen zu haben, war als "sehr fundamentalistisch" amtsbekannt

Amstetten – Nach der Tötung einer vierfachen Mutter (40) in Greinsfurth in der Stadtgemeinde Amstetten am Dienstagnachmittag hat der verdächtige Ehemann bisher zu den Vorwürfen geschwiegen. Er verweigere jegliche Kommunikation mit den Ermittlern, berichtete die Landespolizeidirektion.

Der 37-jährige Messerstecher war in der Vergangenheit wegen seiner "religiös motivierten Tätigkeiten" vom Verfassungsschutz überprüft worden. Die Anklagebehörde habe ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben, wurde am Mittwochabend bestätigt. Der Sachverständige soll die Zurechnungsfähigkeit des 37-jährigen Verdächtigen klären sowie die Frage, ob eine geistige oder seelische Abartigkeit höheren Grades vorliege.

Fundamentalistischer Muslim

Der Beschuldigte habe seinen Glauben "sehr fundamentalistisch" ausgeübt, teilte die Polizei mit. Er habe versucht, andere Personen von seinem Bekenntnis zu überzeugen, und ihnen die Konvertierung zum Islam nahegelegt.

"Dies erfolgte jedoch nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei nicht in aggressiver Form und stets ohne Anwendung von Gewalt", wurde betont. Die Exekutive sei jedoch "konsequent gegen sein Verhalten eingeschritten, dies zeigt auch, dass der Beschuldigte mehrfach wegen Ordnungsstörungen angezeigt wurde".

Islam-Bekehrungsversuch auf Weihnachtsmarkt

Gegen den 37-Jährigen seien seit Sommer 2018 mehr als 30 Anzeigen an die Bezirkshauptmannschaft wegen Ordnungsstörung erstattet worden, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager. Der Mann habe in Geschäften und Lokalen ebenso wie zuletzt auf dem Weihnachtsmarkt andere Menschen "bekehren" wollen. Er sei dabei aber weder aggressiv gewesen, noch habe er Gewalt ausgeübt.

Über frühere Gewalttaten gegen seine Ehefrau oder seine Kinder lagen der Polizei keine Informationen vor. Der 37-Jährige wurde in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert.

37 Messerstiche gegen wehrlose Frau

Das Verbrechen an der vierfachen Mutter war in beziehungsweise vor einem Mehrparteienhaus in Greinsfurth verübt worden. Nach Polizeiangaben wurden drei Kinder des Paares – neun und fünf Jahre sowie 15 Monate alt – Zeugen der Bluttat. Ein 18-Jähriger wohnte nicht mehr bei den Eltern. Der Beschuldigte soll in der Küche der Erdgeschoßwohnung ebenso wie vor dem Haus auf seine Frau eingestochen haben – insgesamt 37 oder 38 mal. Nach der Alarmierung der Einsatzkräfte am frühen Dienstagnachmittag rückten auch das Einsatzkommando Cobra und die Verhandlungsgruppe der Polizei aus. Der 37-Jährige hatte sich in seine Wohnung zurückgezogen. Dort wurde er etwa zwei Stunden nach der Bluttat festgenommen.

Die Frau erlag im Landesklinikum Amstetten den schweren Stichverletzungen, die ihr zugefügt worden waren. "Aufgrund des Tatablaufes" ging die Polizei am Mittwoch "von einer reinen Beziehungstat" aus, hieß es in einer Presseaussendung, ohne dass nähere Angaben dazu gemacht wurden. (APA, 9.1.2019)

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