Journalistin twitterte "Nazis raus", erntet Shitstorm

    8. Jänner 2019, 10:42
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    Auch FPÖ-Chef Strache machte gegen die ZDF-Korrespondentin mobil

    Zu Neujahr twitterte die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann einen kurzen Satz: "Nazis raus." Darauf folgte prompt eine unverhältnismäßige Welle an Reaktionen: einige positiv, der größte Teil aber zunächst negativ. Diekmann antwortete unaufgeregt und zum Teil mit Ironie. Als ein Nutzer sie fragte, was aus ihrer Sicht ein Nazi sei, antworte sie: "Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt" – nach eigenen Angaben eine satirische Reaktion auf eine plumpe Frage.

    Hasspostings mit Morddrohungen

    Das wurde aber nicht so aufgenommen, wie Diekmann gemeint hatte. Die Korrespondentin des ZDF wurde massiv beschimpft und für ihre Äußerung diffamiert. Der Vorwurf, der zu dem Shitstorm führte: Diekmann nutze ihre Position bei einem öffentlich-rechtlichen Medium, um ihre politischen Präferenzen kundzutun. Dafür bekam sie auch Gewalt- und Morddrohungen. Einige der Hasspostings machte sie publik, woraufhin diese von Nutzern so oft gemeldet wurden, dass Twitter sie entfernte.

    Strache teilt "Unzensuriert"-Artikel

    foto: screenshot

    Rechte Medien und Politiker nutzten die Geschichte ebenso – etwa Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ), der auf seinem privaten Facebook-Profil einen Artikel der rechtsextremen Plattform "Unzensuriert" mit dem Titel "ZDF-Korrespondentin: Jeder, der nicht grün wählt, ist ein Nazi – und muss raus!" teilte. Dazu kommentierte er: "Ein absolut irres und totalitäres Gedankengut!"

    Diekmann: Tweet war ironisch gemeint

    Diekmann betonte in späteren Tweets, dass es sich um Ironie gehandelt habe. Zudem entschuldigte sie sich bei jenen Personen, die sich aufgrund ihrer Äußerung diffamiert gefühlt haben könnten.

    Welle an Solidarität folgte

    Auf den Shitstorm folgte eine Welle an Solidarität: Nutzer begannen, den Hashtag "#Nazisraus" zu verbreiten, um ihre Unterstützung kundzutun. Er erreichte die erste Stelle der Twitter-Charts in Deutschland.

    (red, 8.1.2019)

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