Der gute Ton: Bruce Springsteen und Mark Knopfler

    8. Jänner 2019, 10:24
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    Erste Veröffentlichungen 2019 tröpfeln zwar schon ein, ein paar Überbleibsel aus dem Vorjahr sollten aber nicht unerwähnt bleiben

    Bruce Springsteen: On Broadway

    Vor Weihnachten erschien Springsteens On Broadway. Das ist das Soundtrackalbum zur gleichnamigen Bruce-Springsteen-Show, zu der der Boss auf den New Yorker Broadway lud; auf Netflix ist eine Zusammenstellung der besten Momente zu sehen. Der Soundtrack ist eine Sache für die Fans – und nur für die. Springsteen erzählt launige Anekdoten , dann und wann greift er in die Saiten und singt einen Song, der zur erzählten Geschichte passt. Das besitzt durchaus Charme, hat aber über weite Strecken Hörspielcharakter. Das ist okay, ja, nicht selten ist der erzählte Teil ohnehin besser als der gesungene.

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    Bruce in Erzähllaune: Ein Klavier hat ja auch Saiten, streng genommen.

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    Buddy Holly and the Royal Philharmonic Orchestra: True Love Ways

    Anfang Februar jährt sich zum 60. Mal der Todestag von Buddy Holly. Der erste Nerd (die Brille!) des Rock ’n’ Roll kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, er war 22 Jahre alt. 60 Jahre später hat es die Technik möglich gemacht, den verstorbenen US-Amerikaner mit dem Royal Philharmonic Orchestra kurzzuschließen. Dieses betupft auf True Love Ways zwölf seiner unsterblichen Hits mit Streichern, lässt es zirpen und harfen. Ob das dem Geist des Rock ’n’ Roll entspricht, sei dahingestellt. Das Orchester geht aber behutsam und re spektvoll an die Aufgabe heran: Peggy Sues Pony Tail bleibt ganz.

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    Buddy Hollys Heartbeat gestrichen und gezupft.

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    Mark Knopfler: Down The Road Wherever

    Noch ein zeitloser Rest aus dem Vorjahr: Mark Knopfler, als Chef der Dire Straits einst heißumfehdet, ruht als Rockmillionär schon lange in sich. Das ist für Kunst abseits von Trends keine schlechte Voraussetzung. Auf Down The Road Wherever nimmt der heuer 70 werdende Brite sein Publikum mit auf den Highway: gepflegte Ansichten aus dem Seitenfenster bei sicheren 50 Meilen pro Stunde. Gleiten statt Hetzen – das hier ist die Musik dazu. Slide, Moll, Honky-Tonk-Piano für Jeansbügler. Einnehmend harmlos, einnehmend nostalgisch. Das darf manchmal sein. Am 28. Juni live in der Wiener Stadthalle.

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    Mark Knopfler: Funky mit 50 Meilen pro Stunde.

    (Karl Fluch, 8.1.2019)

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