Netflix-Serie geht mit "Sex Education" zur Sache

    11. Jänner 2019, 14:00
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    Sextherapie in der Highschool: Gillian Anderson und Asa Butterfield kümmern sich um Teeniefreuden. Ab Freitag auf Netflix abrufbar

    Jung zu sein ist schwer, im Fall von Otis trifft das doppelt zu: Wenn ein Schulfreund sich bei ihm zu Hause ankündigt, heißt es, schleunigst zusammenzuräumen – und zwar nicht die übliche Teenie-Sauerei im Kinderzimmer. Bilder an der Wand müssen eingesammelt und Bücher versteckt, Sammelstücke verräumt werden. Die Mutter ist Sexualtherapeutin, peinlich!

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    Dies umso mehr, als es sich beim Besuch in der ersten Folge von "Sex Education", seit Freitag auf Netflix abrufbar, um den Grobian Adam handelt. Dieser hat, so wissen wir zu diesem Zeitpunkt bereits, im Teenagerzimmer gröbere Störungen mit dem Abschluss, nach außen hin gibt er sich als gemein, das eine hat womöglich mit dem anderen zu tun. Noch kurz zuvor bat dieser nette Zeitgenosse einen seiner Schulkollegen um einen Schokoriegel, andernfalls er ihm "das Gesicht brechen" werde. Holde Jugend!

    Wie dem auch sei, Otis geniert sich zu Tode, auch weil die Mutter es seiner Meinung nach im Umgang mit Forschungsthema und Bubenbesuchen generell an Distanz vermissen lässt. Der Knabe Adam ist schnell eingeschult und sichtlich beeindruckt: "Deine Mutter ist cool. Warum bist du nicht cool?"

    Otis empfindet es nicht als Kompliment, muss aber anerkennen, dass auch in seinem Fall der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, er sich also spätestens ab Folge zwei in der Rolle seiner Mutter sieht, nämlich den Schulkollegen mit therapeutischem Rat am Klo zur Seite zu stehen. Mit vorerst durchschnittlichem Erfolg, es gibt noch viel zu lernen.

    foto: netflix

    Mit Serien wie "13 Reasons Why", "Stranger Things" und jetzt "Sex Education" behauptet Netflix seine Vormachtstellung im Genre der Teenagerserien. Laurie Nunn ist für den Spaß verantwortlich, sie geht zumindest in den ersten beiden Folgen, die DER STANDARD sah, recht direkt und überzeichnet zur Sache. Netflix beauftragte die britische Nachwuchsautorin, die bisher mit Kurzfilmen und Fernsehshows auffiel und mit der Menopause-Comedy "Wearing Purple" mit Krysty Wilson-Cairns.

    Gillian Anderson lässt als frivoles Schätzchen kein Klischee aus, Asa Butterfield spielt den Nachwuchstherapeuten, Typ versexter Harry Potter. Die Kids pendeln zwischen Wollen und Müssen, das ist ungefähr so lustig wie "Eis am Stiel" – mit dem Unterschied, dass es hier noch die Dosis Moral als Draufgabe gibt: Egal was die anderen von dir denken, sei du selbst. Früher war das alles irgendwie charmanter; erinnert sich noch jemand an Kevin Arnold und Winnie Cooper? (Doris Priesching, 11.1.2019)

    Zum Anhören: Adele Neuhauser im Serienreif-Podcast über den "Tatort" und warum ihr Krimis manchmal unheimlich sind.

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