Putschversuch in Gabun offenbar gescheitert

    7. Jänner 2019, 20:43
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    Präsident Ali Bongo nach Schlaganfall seit Monaten außer Landes

    Kurz sah es so aus, als hätten die Männer in Uniform, die in der Nacht im TV auftauchten, schon gewonnen. Doch dann drehte sich das Blatt wieder: Im zentralafrikanischen Kleinstaat Gabun ist am Montag ein Militärputsch vereitelt worden. Fünf junge Offiziere waren um 5.30 Uhr in die staatliche Rundfunkanstalt in Libreville eingedrungen, einer von ihnen verlas eine Erklärung. Anschließend fuhren in den Straßen der Hauptstadt Panzer auf, in der Luft kreisten Helikopter. Augenzeugen zufolge waren auch einzelne Schüsse zu hören.

    foto: afp photo / youtbe
    Eine Putschverkündung in Gabuns TV entpuppte sich als voreilig.

    Rund vier Stunden später war aber alles wieder vorbei. Jedenfalls war das der Eindruck, den Regierungssprecher Guy-Bertrand Mapangou vermitteln wollte, als er vor die Kameras trat. Der Putschversuch sei gescheitert, zwei Putschisten getötet, zwei in Haft, ein fünfter auf der Flucht.

    In seiner live ausgestrahlten Rundfunkansprache hatte der von zwei mit Schnellfeuergewehren bewaffneten Soldaten flankierte Leutnant Ondo Obiang Kelly die Absetzung der Regierung und die Bildung eines "Nationalen Restaurationsrats" angekündigt. Während rund 300 Menschen dem Aufruf des jungen Offiziers zunächst folgten, stellte sich die Führung der Streitkräfte offensichtlich gegen die Putschisten.

    Loyale Präsidentengarde

    Einheimische Journalisten verweisen darauf, dass vor allem die Präsidentengarde als weitgehend loyal gilt: Ihre Mitglieder kommen fast alle aus der Region, aus der auch Ali Bongo stammt. Der 59-jährige Präsident hält sich seit mehr als zwei Monaten nicht in Gabun auf. Er erlitt im Oktober in Saudi-Arabien einen Schlaganfall und wird in Marokko behandelt. Von dort aus las er im TV eine Neujahrsansprache vor, seine Worte wirkten aber schleppend. Die Putschisten nannten den Auftritt eine "nationale Schande".

    Bongo steht dem nur knapp zwei Millionen Einwohner zählenden erdölreichen Urwaldstaat seit dem Tod seines Vaters 2009 vor. Der Familie verdient an den Holz- und Erdölreichtümern des Landes: Gegen die Bongos lief sieben Jahre ein Korruptionsverfahren in Frankreich, das aber eingestellt wurde. 2016 führte Bongos umstrittene Wiederwahl Gabun an den Rand des Bürgerkriegs. (Johannes Dieterich, 7.1.2019)

    • Ali Bongo soll derzeit in Marokko sein. Zu Neujahr erklärte er, er sei wohlauf.
      foto: apa/afp/gabriel bouys

      Ali Bongo soll derzeit in Marokko sein. Zu Neujahr erklärte er, er sei wohlauf.

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