Joonas Lahtinen: Beim Sterben kann geholfen werden

    6. Jänner 2019, 15:46
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    Gut gemacht, aber penetrant eindeutig gerät die Performance"R.I.P. Services" im Wiener Wuk

    Irgendwann werden wir alle sterben. Mehr oder weniger ist das auch akzeptiert – außer von jenen, die sich tieffrieren lassen und hoffen, ihre Körper würden in einer besseren Zukunft für ein ewiges Dasein aufbereitet.

    Der finnisch-österreichische Künstler Joonas Lahtinen und sein Kollektiv onemorequestion sind da realistischer: Sie bieten in ihrer Mitmach-Performance R.I.P. Services ein Endversorgungs-Service zu Lebzeiten an. Derzeit zu sehen im Wiener Wuk.

    Weg mit den Habseligkeiten

    Dies ist natürlich ironisch gemeint und stichelt wider die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche. Das Publikum muss erst seine Habseligkeiten abgeben, wird mit Infohäppchen auf den Tod eingestimmt und zum Ausfüllen eines Fragebogens über den persönlichen Zugang zum eigenen Sterben namentlich aufgerufen.

    Einem Video ist zu entnehmen, wie hart es ist, Angehörige beim Sterben zu begleiten. Und dass es an der Zeit wäre, daran zu denken, was man seinen Liebsten zumuten möchte, wenn es mit einem selbst zu Ende geht. Oder wie elend das Hinscheiden Alleinlebender sein kann.

    Da liegt es doch nahe, diese Begleitung professionell durchführen zu lassen, am besten von R.I.P. Services, einer – noch – fiktiven Firma mit dem Slogan "Your partner in life planning".

    Modellhaft wird das Publikum durch einen Workshop geleitet: mit sanften Worten, die sämtlich aus einschlägiger Ratgeberliteratur stammen könnten, Entspannungsübungen, Yogamattenliegen und süßem Abschlussgetränk.

    Servicezentrum zum Tod

    Dabei kommen viele der oft zitierten sanften Brutalitäten ins Spiel, die auf die ökonomischen Lasten von Alter, Krankheit und Sterben für die Gesellschaft verweisen. Lahtinen hat dafür in den Wuk-Kunstraum ein cooles Servicezentrum gebaut, dessen Nutzung immer tiefer in die Logik des Pragmatismus gegenüber dem Kostenfaktor Mensch führt. Die beharrliche Nettigkeit dabei erinnert an die zahllosen Services, die uns überall aufgeschwatzt werden. Das Schwatzen setzt erfolgreich bei unser aller Bequemlichkeit an, die bekanntermaßen bis in den Bereich des "Kulturkonsums" wirkt.

    Hat man’s nicht bei der Kunst auch ganz gern, wenn das Risiko einer "Enttäuschung" sinkt oder das frustrierende Gefühl ausbleibt, etwas nicht verstanden zu haben? An dem Punkt weicht Lahtinens Diskursangebot auf. R.I.P. Services erfüllt selbst genau das, was es kritisiert. Die Performance bleibt so penetrant eindeutig und niederschwellig, dass sie ohne weiteres als kreatives Aufklärungs-Service durchgeht. (Helmut Ploebst, 6.1.2019)

    Bis 9. 1.

    Wuk

    • Alter, Krankheit, Tod – Künstler Joonas Lahtinen schaut dem Kostenfaktor Mensch ins Auge.
      foto: joonas lahtinen

      Alter, Krankheit, Tod – Künstler Joonas Lahtinen schaut dem Kostenfaktor Mensch ins Auge.

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