Astronomen sagen Crash der Milchstraße mit Nachbargalaxie vorher

    6. Jänner 2019, 15:29
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    In etwa 2,4 Milliarden Jahren dürfte die Große Magellansche Wolke mit unserer Heimatgalaxie kollidieren, wenn es nach neuesten Berechnungen geht

    Durham – Der Milchstraße steht ein Galaxiencrash bevor, und zwar früher als gedacht: Die Große Magellansche Wolke, eine Zwerggalaxie in nächster Nachbarschaft unserer Heimatgalaxie, wird in etwa 2,4 Milliarden Jahren mit ihr kollidieren. Das berichten britische Forscher der Universität Durham, die ihre Simulationsrechnungen kürzlich im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" veröffentlicht haben. Das Team um Marius Cautun hält es für möglich, dass bei der Kollision der beiden Galaxien unser Sonnensystem aus seiner Bahn geschleudert wird.

    foto: nasa/esa/hubble/s. beckwith
    Diese Aufnahme des Hubble- Weltraumteleskops zeigt die Verschmelzung zweier Galaxien, deren Massen in etwa denen der Milchstraße und der Großen Magellanschen Wolke entsprechen.

    Die Große Magellansche Wolke ist die größte Satellitengalaxie der Milchstraße. Das von der Südhalbkugel aus sichtbare System besteht aus rund 15 Milliarden Sternen. Es umkreist unsere Heimatgalaxie, die bis zu 300 Milliarden Sonnen besitzt, in rund 163.000 Lichtjahren Entfernung. Die Zwerggalaxie hat erst vor rund 1,5 Milliarden Jahren unsere kosmische Nachbarschaft erreicht – und bewegt sich derzeit langsam von der Milchstraße weg.

    Folgenreiche Umkehr

    Bisher hatten Astronomen angenommen, dass die Große Magellansche Wolke entweder die Milchstraße für viele Milliarden Jahre umkreisen oder dank ihrer hohen Eigengeschwindigkeit der Schwerkraft unserer Heimatgalaxie ganz entkommen und ins All entschwinden würde. Die Supercomputer-Simulation des Teams um Cautun weist nun aber auf eine andere Zukunft hin: Die Zwerggalaxie dürfte langsamer wegen und sich wieder auf die Milchstraße zubewegen – bis zur Kollision in rund 2,4 Milliarden Jahren.

    "Während zwei Milliarden Jahre verglichen mit einem Menschenleben sehr lang sind, ist es nach kosmischen Maßstäben eine kurze Zeit", sagte Cautun. Der Crash werde unsere Galaxie nachhaltig verändern: Er werde das zentrale Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße zu immenser Aktivität erwecken, so Cautun. Das Schwarze Loch werde sich große Mengen Materie einverleiben und dadurch auf die achtfache Masse anwachsen und einen sogenannten aktiven Galaxienkern bilden.

    foto: nasa
    Die Milchstraße ist eigentlich erst selten mit anderen Galaxien kollidiert.

    "Dieses Phänomen wird mächtige Jets energiereicher Strahlung erzeugen, die knapp außerhalb des Schwarzen Lochs entspringen", sagte Cautun. "Während dies unser Sonnensystem nicht beeinflussen wird, besteht ein anderes kleines Risiko, dass wir nicht unversehrt der Kollision der beiden Galaxien entkommen, die uns aus der Milchstraße ins All schleudern könnte." Mit "uns" meint Cautun das Sonnensystem.

    Die Andromedagalaxie wartet

    Denn der Crash würde eine beträchtliche Zahl von Sternen aus der Scheibe der Milchstraße in den sogenannten Halo schleudern, eine kugelförmige Anordnung von Sternen, die unsere Heimatgalaxie umgibt. Dieser Halo wird den Simulationsrechnungen zufolge durch die Kollision auf das Fünffache anwachsen. Auch unser Sonnensystem könnte in den Halo geschleudert werden. Allerdings wird sich unsere Sonne in etwa zu dieser Zeit bereits zu einem Roten Riesenstern aufgebläht haben, wodurch es ohnehin zu heiß für Leben auf unserem Planeten werden wird.

    Der Galaxiencrash ist nach Einschätzung der Astronomen eigentlich überfällig. Die Milchstraße habe sich, gemessen an vergleichbaren Galaxien, im Laufe der kosmischen Geschichte erst sehr wenige andere Galaxien einverleibt. So habe die benachbarte Andromedagalaxie fast 30 Mal soviel Masse geschluckt wie unsere Heimatgalaxie. In etwa vier Milliarden Jahren dürfte dann auch die Milchstraße dran sein: Simulationen deuten darauf hin, dass in etwa vier Milliarden Jahren Andromedagalaxie und Milchstraße miteinander kollidieren werden. (red, APA, 6.1.2019)

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