"Studio 2": ORF 2 besinnt sich auf "Dinge, die wir können"

    Interview7. Jänner 2019, 08:00
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    ORF-2-Manager Alexander Hofer über das neue Vorabend-Fernsehwohnzimmer "Studio 2"

    Wien – Der ORF startet am Montag um 17.30 Uhr schon sein fünftes Vorabendmagazin – zurück aus dem Truck-Studio in ein eigens gebautes Fertigteilhaus. Denn: "Daheim in Österreich" kostete den ORF in der wichtigsten TV-Zeitzone bis zu sieben Prozent Marktanteil. Mit "Studio 2" sollen die Marktanteile des Programms wieder steigen, sagt Channel-Manager Alexander Hofer (46) im Gespräch mit dem STANDARD vor dem Sendestart.

    "Wir besinnen uns auf Dinge, die wir können. Magazin im Vorabend können wir, das war immer erfolgreich, es gibt den Bedarf", erklärt Hofer. Er war schon Außen- und Wetterreporter bei "Willkommen Österreich". So hieß ab 1995 das erste ORF-Frühstücksfernsehen im Vorabend, erfunden vom ORF-General und späteren RTL- und Turner-Boss Gerhard Zeiler, geleitet von Monika Lindner.

    "Willkommen Österreich"

    Als Alexander Wrabetz 2007 Lindner als ORF-Generaldirektor ablöste, strich er "Willkommen Österreich" – David Schalko persiflierte mit Christoph Grissemann und Dirk Stermann die erfolgreiche Vorabendshow, die sich bald zum erfolgreichen Late-Night-Format entwickelte.

    Serien wie "Julia" auf dem Sendeplatz floppten, der ORF kehrte rasch und reumütig zum Vorabendmagazin zurück. Erst nach den Jahreszeiten betitelt ("Herbstzeit", "Winterzeit", "Frühlingszeit", "Sommerzeit") – und damit schwer als wiedererkennbare Marke zu etablieren. 2012 wurde daraus "Heute Leben". 2017 musste die Sendung ohne Not ins Truckstudio des mobilen ORF-Frühstücksfernsehens, um dessen Kosten günstiger zu verteilen. Die Marktanteile knickten drastisch ein. Nun soll "Studio 2" den Vorabend in ORF 2 wieder reparieren. Alexander Hofer über sein großes Projekt:

    "Selbstverständlich wollen wir am Ende des Jahres mit einem Plus abschließen."

    foto: orf/thomas ramstorfer
    ORF-2-Senderchef Alexander Hofer bei der Präsentation von "Studio 2" im Dezember.

    STANDARD: Am Montag startet "Studio 2", schon wieder eine neue Vorabendillustrierte für ORF 2. Wer soll sich die anschauen?

    Hofer: So viele Leute wie möglich, klar. Neben unserem treuen ORF-2-Publikum wollen wir mit einigen neuen Ideen, einer neuen Geschwindigkeit und Erzählweise auch jüngere Zielgruppen ansprechen. Da gibt es Bedarf nach Info und Service im Vorabend. Wir wollen die Menschen, die heimkommen, gemütlich abholen, aber mit einer ersten Tagesbilanz versorgen.

    STANDARD: ORF 1 will seinem Publikum bald mit Magazin.eins auch und zeitgleich Info im Vorabend bieten. Ergibt die ORF-interne Konkurrenz Sinn?

    Hofer: ORF 2 bietet keine Hardcore-Info im Vorabend. Wir wollen das eine oder andere Analytische dabei haben, wir werden Experten haben, die das Tagesgeschehen erklären und leichter verständlich machen. Und wir bieten viel Service – Apotheke, Arzt, Garten, einmal in der Woche kommt künftig ein Hundetrainer in die Sendung – und jede Menge Society. ORF 1 will ganz bewusst in der Themenauswahl ein anderes Publikum ansprechen. Ich sehe die Gefahr einer Kannibalisierung nicht. Im Gegenteil: Einer der vielen großen Vorteile der neuen Channelstruktur ist, dass wir klar komplementäre Angebote machen wollen.

    STANDARD: Wie alt ist denn das Publikum auf dem Sendeplatz bisher?

    Hofer: Wir sind, wie ORF 2 insgesamt, im Schnitt bei 60 Jahren. Das geht von "Bundesland heute" und "Zeit im Bild" bis in den Hauptabend weiter.

    STANDARD: Für "Studio 2" hat die Produktionsfirma Interspot ein eigenes Fertigteilhaus in ihrem Garten gebaut. Die Gestaltung signalisiert den Wunsch nach auch jüngerem Publikum – könnte sie nicht älteres Stammpublikum irritieren?

    Hofer: Ich hoffe nicht, dass es zu großen Irritationen kommt. Ich glaube, wir haben einen modernen Stil gefunden, der nichts an Gemütlichkeit vermissen lässt, aber durchaus auch Akzente hat, die sich in Haushalten wiederfinden von Menschen im erwerbstätigen Alter.

    STANDARD: "Studio 2" klingt für mich eher nach Polittalk als nach gemütlicher Vorabendillustrierter – warum der eher kühle Titel?

    Hofer: Ich finde den Titel gar nicht kühl – er bezieht sich auf den Sender (ORF 2) und lässt Raum für jeden Themenmix.

    foto: orf/thomas ramstorfer
    Das Fernsehwohnzimmer im neuen "Studio 2"-Fertigteilhaus.

    STANDARD: Wie viele Zuschauer sind denn "möglichst viele" Zuschauer realistisch? Gibt es ein Quotenziel? Wir holen die zurück, die das Vorgängerformat "Daheim in Österreich" aus dem mobilen Studio vertrieben hat?

    Hofer: Die Freude wird groß sein, wenn wir mehr als bisher erreichen. Das ist das Ziel. Wir legen uns nicht auf Zielmarktanteile fest. Wir besinnen uns auf Dinge, die wir können: Magazin im Vorabend können wir, das war immer erfolgreich, es gibt den Bedarf. Aber man muss dem auch ein bisschen Zeit geben und gegebenenfalls nachjustieren.

    STANDARD: Das 2017 gestartete "Daheim in Österreich" hat auf dem Sendeplatz bis zu sieben Prozentpunkte Marktanteil gegenüber dem Vorgängerformat verloren.

    Hofer: Es gab Verluste, die uns in der Zeitzone nicht gut getan haben. Wir antworten mit "Studio 2" darauf.

    STANDARD: Warum ist denn der Vorabend für Fernsehsender so wichtig?

    Hofer: Die Leute kommen nach Hause und schalten den Fernsehapparat ein. Da entscheidet sich, wo sie die Stunden danach auch verbringen werden. Alle Zuschauer, die man am Vorabend nicht erreicht oder verliert, sind schwer für die Folgeprogramme zu begeistern. Der Vorabend wird auch gern als Lokomotive für den Hauptabend bezeichnet. Diese Lok muss flott und gut unterwegs sein. Was für das Radio die Früh ist, ist für das Fernsehen der Vorabend. Der Vorabend ist eine besonders umkämpfte und deshalb schwierig zu bespielende Zeitzone – manche sprechen gar von der "Todeszone". Viele sind schon im Vorabend gescheitert.

    STANDARD: Darunter da und dort auch der ORF.

    Hofer: Wir versuchen, mit einem modernisierten Vorabend das Publikum zu begeistern.

    STANDARD: Die neuen Channel-Manager für ORF 1 und ORF 2 sollen den langen Sinkflug der ORF-Marktanteile stoppen und die Quoten möglichst steigern. Wird man das schon in den Daten für 2019 sehen?

    Hofer: Selbstverständlich wollen wir am Ende des Jahres mit einem Plus abschließen. Alle unsere ambitionierten Überlegungen für ORF 2 sollten sich in der Jahresbilanz 2019 schon als Erfolg herausstellen. Da geht es auch um den Vorabend am Wochenende, wo wir ab Samstag auch am Wochenende chronikale und regionale Information mit "Aktuell in Österreich" anbieten. Donnerstag hatten wir 36 Prozent Marktanteil und 600.000 Seher. Für die "Rosenheim Cops" wird am Sonntag um 17.05 Uhr auch Publikum zu begeistern sein.

    STANDARD: Sie sind nun auch Nebenerwerbs-Unterhaltungschef – ist das nicht der Traumjob des Alexander Hofer, den er gern behalten würde?

    Hofer: Ich bin interimistisch seit wenigen Tagen mit der Funktion beauftragt, Nebenerwerb ist das jedenfalls nicht. Mein Traumjob ist, was ich jetzt mache. Channel-Manager von ORF 2 ist eine sensationelle Aufgabe. (Harald Fidler, 7.1.2019)

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