Kobayashi gewinnt auch am Bergisel

    4. Jänner 2019, 15:12
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    Japanischer Überflieger spielt sich in Innsbruck mit der Konkurrenz und steht vor dem Triumph bei der Vierschanzentournee – Stefan Kraft rehabilitiert sich mit Platz zwei fast spektakulär

    Innsbruck –Der Japaner Ryoyu Kobayashi schickt sich an, der dritte Grand-Slam-Sieger in der 66-jährigen Geschichte der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee zu werden. Auch in Innsbruck wandelte der 22-Jährige auf den Spuren des Deutschen Sven Hannawald (2001/02) und des Polen Kamil Stoch (2017/18), die alle vier Springen einer Tourneeausgabe für sich entschieden hatten.

    An Kobayashis Gesamtsieg und also den zweiten für Japan nach Kazuyoshi Funakis Erfolg 1997/98 ist ohnehin nicht mehr zu zweifeln. Vor dem Dreikönigsspringen hat der erste Verfolger, der Deutsche Markus Eisenbichler, schon 45,5 Zähler Rückstand, umgerechnet also mehr als 25 Meter.

    foto: apa/afp/christof stache
    Ryoyu Kobayashi muss danach trachten, nicht zu weit zu springen.

    Da der Friedhof Wilten am Fuß des Bergisel nach wie vor keinen geeigneten Landeplatz für das Springen in Innsbruck bietet, herrschte vor Beginn des ersten Durchgangs Hektik am Turm. Massiver Aufwind zwang zum geringstmöglichen Anlauf, das Team von Schanzenchef Lambert Grill und Spurbauer Peter Riedel kreierten gleichsam zur Reserve eine Luke null, nachdem es im Probedurchgang aus Luke zwei zu weit gegangen war, also auf Luke eins verkürzt werden musste.

    Kobayashis Form erforderte von Japans Coach Hideharu Miyahira schon mehrmals in dieser Saison Anlaufverkürzungen für seinen Schützling. Dessen Überform wird mehr und mehr zur Krux für einen Teil der Konkurrenz, die längeren Anlauf nicht nur für weitere, sondern auch bessere Sprünge benötigt. Die Österreicher schlugen sich aber dennoch weit besser als zuletzt beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Sechs Mann qualifizierten sich für die Entscheidung, allen voran Stefan Kraft, der sich mit einem Satz auf 129,5 Meter hinter Kobayashi auf Rang zwei positionierte. Der Primus attackierte mit 136,5 Metern den von Michael Hayböck gehaltenen Schanzenrekord (138 m).

    Den Sack schloss Kobayashi mit 131 Metern, allerdings aus der selbst gewählten, provisorischen Luke null, während die meisten Springer vor ihm mehr Anlauf hatten. Sehr viel mehr hatte sogar Daniel Huber, vor dessen Finalsprung auf Luke drei verlängert worden war. Den Salzburger ließ aber der Wind in Stich, er fiel vom neunten auf den 14. Platz zurück, aber nicht aus den besten Zehn der Tourneewertung. Das wog Krafts Satz auf 130,5 Meter auf, der Platz zwei und damit das beste österreichische Ergebnis dieser Saison fixierte.

    foto: apa/afp/christof stache
    Stefan Kraft hat wieder Spaß beim Springen.

    Ärgern konnte sich der Dritte von Oberstdorf bei der Generalprobe für das WM-Großschanzenspringen am 23. Februar nur retrospektiv über Rang 49 in Garmisch. "Daran habe ich schon kurz denken müssen, aber es ist genial, dass das heute passiert ist. Dieses Podest ist etwas ganz besonderes, fast wie ein Sieg. Und die Welle in der Form lassen wir jetzt hoffentlich weg. Ich freue mich auf Bischofshofen, weil es einfach wieder viel Spaß gemacht hat."

    Sieger Kobayashi, bei weitem nicht so eine Plaudertasche wie Österreichs Bester, wies alle Gedanken an den Gesamtsieg oder gar einen vierten Tageserfolg von sich. "Ich denke nur an den nächsten Sprung in Bischofshofen", ließ er übersetzen.

    Immerhin wirkte der Japaner heiter, wohl vor Freude auf den Besuch in einem Fast-Food-Lokal, den er sich nach jedem Erfolg zu gönnen pflegen soll. (Sigi Lützow, 4.1.2018)

    Ergebnis von Innsbruck:

    1. Ryoyu Kobayashi (JPN) 267,0 (136,5/131,0)
    2. Stefan Kraft (AUT) 254,2 (129,5/130,5)
    3. Andreas Stjernen (NOR) 242,7 (130,0/126,0)
    4. Stephan Leyhe (GER) 239,1 (129,0/127,5)
    5. Kamil Stoch (POL) 234,1 (126,5/131,0)
    6. Yukiya Sato (JPN) 231,4 (129,0/123,5)
    7. Killian Peier (SUI) 230,6 (127,0/123,0)
    8. Richard Freitag (GER) 230,0 (128,0/124,0)
    9. Roman Koudelka (CZE) 228,4 (123,0/125,0)
    10. Timi Zajc (SLO) 226,6 (130,0/119,5)
    11. Robert Johansson (NOR) 226,1 (129,0/124,0)
    12. Anze Lanisek (SLO) 224,8 (126,5/123,0)
    13. Markus Eisenbichler (GER) 223,8 (129,0/123,5)
    14. Daniel Huber (AUT) 222,8 (127,0/121,0)
    15. Daiki Ito (JPN) 222,3 (124,5/124,5)
    16. Manuel Fettner (AUT) 219,6 (121,5/122,5)
    17. Simon Ammann (SUI) 217,6 (125,0/123,5)
    18. Dawid Kubacki (POL) 216,5 (130,0/116,0)
    19. Jewgenij Klimow (RUS) 214,3 (122,0/120,5)
    20. Andreas Wellinger (GER) 207,8 (118,5/121,0)
    21. Michael Hayböck (AUT) 205,9 (123,0/115,5)
    21. Johann Andre Forfang (NOR) 205,9 (119,5/123,5)
    23. Philipp Aschenwald (AUT) 203,9 (123,5/115,0)
    24. Karl Geiger (GER) 203,3 (120,5/115,5)
    25. Anders Fannemel (NOR) 202,0 (124,5/116,0)
    26. Junshiro Kobayashi (JPN) 200,5 (124,0/114,0)
    '27. Wladimir Zografski (BUL) 197,4 (120,0/111,5)
    '28. David Siegel (GER) 196,4 (123,0/112,5)
    29. Jan Hörl (AUT) 188,6 (120,0/110,0)
    30. Stefan Hula (POL) 186,4 (120,0/112,0)

    Weiter (nicht im zweiten Durchgang, alle AUT):
    35. Clemens Aigner 98,1 Punkte/119,5 m
    48. Clemens Leitner 88,0/115,0

    Tournee-Gesamtwertung nach dem dritten von vier Springen:

    1. Ryoyu Kobayashi (JPN) 815,9 Punkte
    2. Markus Eisenbichler (GER) 770,4
    3. Andreas Stjernen (NOR) 766,2
    4. Kamil Stoch (POL) 750,9
    5. Stephan Leyhe (GER) 748,1
    6. Roman Koudelka (CZE) 746,6
    7. Dawid Kubacki (POL) 742,5
    8. Timi Zajc (SLO) 741,3
    9. Robert Johansson (NOR) 729,9
    10. Daniel Huber (AUT) 726,8

    Aktuelle Wertungen im Skisprung-Weltcup:

    1. Ryoyu Kobayashi (JPN) 856
    2. Piotr Zyla (POL) 509
    3. Kamil Stoch (POL) 482
    4. Karl Geiger (GER) 368
    5. Stephan Leyhe (GER) 361
    6. Johann Andre Forfang (NOR) 346
    7. Stefan Kraft (AUT) 291
    8. Markus Eisenbichler (GER) 284
    9. Jewgenij Klimow (RUS) 276
    10. Robert Johansson (NOR) 274

    • Hat alles im Griff: Ryoyu Kobayashi.
      foto: apa/ap photo/matthias schrader

      Hat alles im Griff: Ryoyu Kobayashi.

    • Stefan Kraft zieht.
      foto: apa/georg hochmuth

      Stefan Kraft zieht.

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