Stell dir vor, es ist Generationenkonflikt, und keiner geht hin

Blog4. Jänner 2019, 14:56
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Das Pensionssystem berührt wie kein anderes Thema die Frage der Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Generationen. Dennoch gibt es dazu nur geringe Auffassungsunterschiede zwischen Jung und Alt

Josef Pühringer und Ingrid Korosec, zwei führende Vertreter des ÖVP-Seniorenbundes, haben just zu Jahresbeginn eine Diskussion über eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters losgetreten. Tatsächlich liegen Österreichs Pensionsausgaben im europäischen Spitzenfeld. Im Jahr 2017 wurden für Pensionsleistungen in Summe über 53 Milliarden Euro ausgegeben, das sind mehr als 14 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. 2018 floss jeder vierte Euro aus dem Bundesbudget in Pensionsausgaben.

Die österreichische Pensionsversicherung funktioniert zum größten Teil per Umlageverfahren. Das bedeutet, dass die Pensionen unmittelbar aus den laufenden Beiträgen der Dienstnehmer und Dienstgeber finanziert werden. Bei stark steigender Lebenserwartung (und tendenziell späterem Eintritt ins Erwerbsleben) kann ein Umlagesystem natürlich in eine Schieflage kommen, weil immer längere Pensionsdauern finanziert werden müssen. Wer also wie lange arbeiten muss und danach wie viel Pension bekommt – das alles sind zentrale Fragen der Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Generationen.

Man könnte also erwarten, dass Jung und Alt bei Pensionsthemen stark divergierende Ansichten haben, weil ungewiss ist, ob die Beitragszahler von heute im Ruhestand ein ähnlich großzügiges System vorfinden werden wie das, das sie aktuell finanzieren. Die Daten des European Social Survey 2016 zeigen allerdings, dass sich die Einstellungen zur Alterssicherung nach Altersgruppen nur geringfügig unterscheiden.

Gefragt wurde, wie sehr es in der Verantwortung der Regierung liegt, den Lebensstandard im Alter zu sichern. Die Antworten wurden auf einer Skala von 0 (gar nicht) bis 10 (ganz) gegeben. Die Grafik unten zeigt, welcher Prozentsatz der Befragten in vier Altersgruppen niedrige (0 bis 3), mittlere (4 bis 6) oder hohe Werte (7 bis 10) auf dieser Skala angegeben hat.

Skalenwerte von 7 bis 10 (also eine Präferenz für eine starke staatliche Rolle in der Alterssicherung) wurden von 89 Prozent der Befragten über 64 genannt. Bei den unter Dreißigjährigen sind es zwar etwas weniger, aber mit 75 Prozent noch immer die große Mehrheit der Befragten. Der Mittelwert auf der Skala liegt für die jüngste Altersgruppe bei 7,7, für die älteste bei 8,6. Das ist zwar ein statistisch signifikanter Unterschied, aber in Summe herrscht generationenübergreifend Konsens, dass die öffentliche Hand eine zentrale Rolle bei der Alterssicherung spielen soll.

Einschränkend sollte man hinzufügen, dass die hier abgefragten Einstellungen nichts über Detailpräferenzen zum Pensionssystem (Antrittsalter, Pensionshöhe) aussagen. Die vorliegenden Daten zeigen aber, dass in der Grundfrage der gemeinschaftlichen Verantwortung für den Lebensstandard im Alter nur geringe Altersunterschiede vorhanden sind. Ein echter Generationenkonflikt schaut anders aus. (Laurenz Ennser-Jedenastik, 4.1.2019)

Laurenz Ennser-Jedenastik ist Politikwissenschafter am Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien.

  • Ingrid Korosec wünscht sich eine Anhebung des Pensionseintrittsalters.
    foto: apa/hans klaus techt

    Ingrid Korosec wünscht sich eine Anhebung des Pensionseintrittsalters.

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