Sexismus bei "Overwatch" war soziales Experiment von Mann

    4. Jänner 2019, 09:12
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    Identität der Frau massiv angezweifelt und zum Teil bedroht

    Vor rund zwei Wochen gab es in der Overwatch Contenders League ein Novum. Zum ersten Mal nahm eine Frau mit dem Pseudonym "Ellie" für ein nordamerikanisches Team teil. Zuvor wurde in der Overwatch League, der höchsten Spielklasse des Blizzard-Shooters, bereits die erste weibliche Spielerin präsentiert. Nach zwei Wochen will "Ellie" aber bereits nichts mehr mit kompetitiven Gaming zu tun haben. So wurde nicht nur ihr Können massiv angezweifelt, sondern auch Stimmung gegen die Frau gemacht.

    Drohungen und Verleumdungen

    Die Profi-Spielerin war nämlich in der Overwatch-Szene zuvor nicht wirklich aufgefallen und zeigte sich kaum vor der Kamera beim Spielen. Ihr Twitter-Account war ebenso erst kürzlich angelegt worden. Schnell wurde um "Ellie" wie wild spekuliert und allerlei Gerüchte in die Welt gesetzt. Ein User bedrohte die Frau gar und sagte, dass er all ihre Kontaktdaten hat und sie öffentlich machen wird. Vielerorts wurde der Spielerin nachgesagt, dass sie nicht echt sei und sich vielmehr ein Mann dahinter verberge.

    Weiterhin Rätselraten um Identität

    Second Wind, das Team von "Ellie", gab bekannt, dass die Spielerin aufgrund "unvorhersehbarer Reaktionen" die Mannschaft wieder verlassen hat. Der Besitzer des Teams fügte auf Twitter hinzu, dass die Overwatch-Community offenbar nicht bereit sei, eine Spielerin einfach nur als Spielerin zu akzeptieren. Auf Reddit wird unterdessen weiterhin die Identität von "Ellie" diskutiert. Manche Nutzer zeigen aber aufgrund der Reaktionen durchaus Verständnis dafür, dass die Spielerin lieber anonym bleiben wollte.

    Online-Gaming ein hartes Pflaster für Frauen

    Bereits im Juni zeigte eine Streamerin auf, was Frauen zum Teil beim Online-Gaming ertragen müssen. So wird sie regelmäßig unter anderem beschimpft und gefragt, was sie denn da eigentlich als Frau mache und ins Lächerliche gezogen. Weitere Spielerinnen pflichteten der Frau bei, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. "Vielleicht macht mich das ja zu einem naiven Trottel, aber ich will nicht hinnehmen, dass wir beim Gaming nicht einfach netter zueinander sein können", hoffte die Streamerin damals auf Veränderung.

    Update – 05.01. 10:21

    Wie sich nun herausgestellt hat, handelt es sich bei "Ellie" doch um einen Mann, der ein "soziales Experiment" durchführen wollte. Team Second Wind gesteht in einem Twitter-Beitrag, dass sie sich von dem Spieler täuschen haben lassen. "Nachdem 'Ellie' Drohungen erhalten hat, haben wir Blizzard mit der Bitte kontaktiert, nicht den Namen öffentlich zu machen", schreibt die Mannschaft.

    Der Overwatch-Hersteller hat in weiterer Folge Nachforschungen angestellt und hat bemerkt, dass es sich bei "Ellie" um einen Mann handelt. Der Account wurde außerdem für Zwecke genutzt, die Second Wind "nicht gutheiße". "Wir entschuldigen uns bei der Community, dass wir mit dieser Situation nicht besser umgegangen sind", fügt Second Wind zuletzt hinzu. (red, 05.01.2019)

    • Eine "Overwatch"-Spielerin verlässt nach zwei Wochen die zweithöchste Spielklasse, da ihre Identität und ihr Können massiv angezweifelt wurde.
      foto: blizzard

      Eine "Overwatch"-Spielerin verlässt nach zwei Wochen die zweithöchste Spielklasse, da ihre Identität und ihr Können massiv angezweifelt wurde.

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