Inserate in rechten Medien: Innenministerium prüft Erfolg nicht

    3. Jänner 2019, 16:31
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    Das Innenministerium warb in rechtsextremen Medien wie "Wochenblick" und "Unzensuriert"

    Herbert Kickls (FPÖ) Innenministerium wirbt seit seinem Amtsantritt zum Teil in rechtsextremen Medien, darunter etwa "Alles roger?", "Wochenblick", "Info Direkt" und "Unzensuriert".

    Sie sind dafür bekannt, verschwörungstheoretische Texte zu verbreiten: Die Inhalte von "Unzensuriert" etwa haben laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung "antisemitische Tendenzen" sowie "verschwörungstheoretische Ansätze und eine prorussische Ideologie". Das Mauthausen-Komitee hatte "Alles roger" als "tendenziell antisemitisch" eingeschätzt.

    Erfolg wird nicht gemessen

    Das Innenministerium warb bei einigen solchen Medien um Polizeinachwuchs. Die Liste Jetzt wollte in einer parlamentarischen Anfrage wissen, ob erhoben wird, durch Anzeigen in welchen Publikationen die Bewerber erreicht wurden. Kickl gibt an, dass keine solchen Messungen erfolgen. Dennoch seien die Maßnahmen "richtig gewählt", da es 2018 um 25 Prozent mehr Bewerber gegeben habe als im Jahr davor.

    "Standard im Wirtschaftsleben"

    Die Liste Jetzt zeigt sich irritiert: Im Wirtschaftsleben sei es eigentlich Standard, die Wirksamkeit einer Werbemaßnahme zu evaluieren, sagt Alma Zadić, Sprecherin für Innere Sicherheit, zum STANDARD. "Da es sich hier um Steuergeld handelt, sollte ein Minister umso mehr darauf achten, welche Rekrutierungsmaßnahmen erfolgreich waren und ob seine Rekrutierungsinserate im 'Wochenblick' oder 'Alles roger?' den gewünschten Erfolg erzielt haben. Sollte das nämlich nicht der Fall sein, könnte er sich diese Inserate und unser Steuergeld in der Zukunft sparen."

    Anders als bei anderen Nachrichtenangeboten, in denen Ministerien üblicherweise inserieren, werden die Reichweiten von "Unzensuriert" und anderen solchen Medien nicht von der österreichischen Mediaanalyse oder von der Webanalyse erfasst. Daher ist es nicht möglich, unabhängig einzuschätzen, wie viele Menschen sie tatsächlich konsumieren.

    Personelle Kontakte

    Der ehemalige Chefredakteur von "Unzensuriert", Alexander Höferl, arbeitet heute in Kickls Kabinett. Seit November vergangenen Jahres ist die ehemalige Pressereferentin von Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) die neue Chefredakteurin von "Alles roger?". (muz, 3.1.2019)

    • Das Innenministerium warb im "Wochenblick" und in anderen rechten Medien. Wie erfolgreich das war, evaluierte es nicht.
      foto: screenshot/wochenblick

      Das Innenministerium warb im "Wochenblick" und in anderen rechten Medien. Wie erfolgreich das war, evaluierte es nicht.

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