Der Papst braucht ein neues Medienteam

    2. Jänner 2019, 17:14
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    Die überraschenden Rücktritte der Papstsprecher Burke und García Ovejero weisen auf Differenzen im Kommunikationsapparat hin

    Papstsprecher Greg Burke hat sich mit einem Tweet verabschiedet: "An diesem Punkt des Wandels in der Vatikan-Kommunikation meinen wir, es sei am besten, wenn der Heilige Vater völlig frei ist, ein neues Team zusammenzustellen", schrieb der US-Amerikaner Burke. Und: "Neues Jahr, neue Abenteuer." Er hätte auch schreiben können: Neues Jahr, neuer Ärger im Vatikan und seiner Kommunikationsabteilung.

    Greg Burke und seine spanische Stellvertreterin Paloma García Ovejero leiteten das vatikanische Presseamt seit zweieinhalb Jahren, eine im Vergleich zu ihren Vorgängern sehr kurze Zeit. Burke stand zuvor in den Diensten des konservativen US-Senders Fox News, seine Kollegin García Ovejero kam von einem spanischen Radio nach Rom. Sie war die erste Frau auf diesem wichtigen Posten im Vatikan.

    Italienische Medien spekulierten, dass die Rücktritte die Folge einer kürzlich erfolgten Personalentscheidung sein könnten: Papst Franziskus hatte im Dezember den italienischen Journalisten und langjährigen Papst-Vertrauten Andrea Tornielli zum Chefredakteur aller Medien des Kirchenstaates ernannt. Möglicherweise fühlten sich die beiden Sprecher durch diese Ernennung zurückgesetzt.

    Reformbaustelle Vatikan-Medien

    Die Medienabteilung des Vatikan ist seit Monaten eine große Reformbaustelle, und der Doppelrücktritt der Papstsprecher ist nicht der erste Paukenschlag, der im Zuge dieses Umbaus erfolgte. Im vergangenen Mai musste der Chef des im Zuge der Kurienreform neu geschaffenen Mediendikasteriums zurücktreten: Der Priester Dario Vigano stolperte über die Manipulation eines Briefes von Papst Benedikt XVI. Die gefälschte Fassung legte nahe, dass sich der emeritierte Papst negativ zu einer Buchserie seines Nachfolgers äußerte, was aber nicht der Fall war.

    Hinter der Manipulation wurden erzkonservative Kritiker von Franziskus vermutet, die gegen den Kurs des argentinischen Papstes seit langem eine Verleumdungskampagne führen. Auf Vigano folgte im September ein neuer Präfekt des Mediendikasteriums: der frühere RAI-Journalist und Nichtpriester Paolo Ruffini.

    Heikles Medienthema: Bischofstreffen im Februar

    Fest steht, dass die Rücktritte Burkes und García Ovejeros zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt erfolgen: Ende Februar beginnt im Vatikan das mit Spannung erwartete Bischofstreffen zum Thema Missbrauch. Wegen der seit Jahren nicht abreißenden Skandale pädophiler Priester steht die Kirche unter großem öffentlichen Druck; vom Verlauf dieses Sondergipfels und nicht zuletzt von der Kommunikation durch den Heiligen Stuhl wird abhängen, ob die Kirche und Papst Franziskus bei diesem Thema einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen können. "Die Arbeit des Gipfels muss auf höchstem professionellem Niveau kommuniziert werden, sonst kann er bereits jetzt als gescheitert gelten", schreibt die deutsche Abteilung von "Vatican News". Das Vertrauen in die Kirche sei auch so schon "aufs Schwerste erschüttert".

    Die Aufgabe, die Medien der ganzen Welt über das heikle Bischofstreffen zu orientieren, wird nun dem Italiener Alessandro Gisotti zufallen, den der Papst zum Interimschef des Pressesaals des Heiligen Stuhls ernannt hat. Der 44-jährige Gisotti leitete bisher die Social Media der vatikanischen Kommunikation und hatte zuvor lange bei Radio Vatikan gearbeitet. Der studierte Politikwissenschafter sprach von einer "besonders anspruchsvollen Aufgabe", die auf ihn warte. (Dominik Straub aus Rom, 2.1.2019)

    • Immer schön den Ball oben halten. Zurzeit muss Papst Franziskus (im Bild beim Besuch eines kubanischen Zirkus im Vatikan) in Sachen Medienpersonal viel Jonglierkunst beweisen.
      foto: reuters/tony gentile

      Immer schön den Ball oben halten. Zurzeit muss Papst Franziskus (im Bild beim Besuch eines kubanischen Zirkus im Vatikan) in Sachen Medienpersonal viel Jonglierkunst beweisen.

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