Bundeslandwechsel bei Frauenhäusern soll möglich werden

    2. Jänner 2019, 08:24
    30 Postings

    Ministerin Bogner-Strauß forciert Ausbau bei Übergangswohnungen

    Wien – Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) will 2019 den Gewaltschutz forcieren. Im ersten Quartal 2019 soll dann auch feststehen, wie viele Plätze in Frauenhäusern bzw. wie viele Übergangswohnungen es braucht. Zuständig für die Schaffung der Plätze sind die Bundesländer, und mit diesen will sie kommendes Jahr Gespräche führen, vor allem über bundesländerübergreifende Aufnahmen.

    Derzeit läuft noch die Gesamtevaluierung aller Bundesländer, um feststellen zu können, wie viele Frauenhaus-Plätze und Übergangswohnungen benötigt werden. In Tirol und Wien entstehen aktuell Frauenhäuser, und Bogner-Strauß sieht Österreich in diesem Bereich schon sehr gut aufgestellt. An Übergangswohnungen, in denen Frauen wieder Fuß fassen können, fehle es aber noch, stellte die Ministerin im Gespräch mit der APA fest.

    Bogner-Strauß spricht sich auch dafür aus, die Bürokratie abzubauen, denn es soll möglich werden, dass besonders schwerwiegende Fälle oder jene an einer Landesgrenze auch in ein Frauenhaus in ein anderes Bundesland gehen können. Die Frauenhäuser werden von den Ländern finanziert, der Bund übernimmt die Finanzierung der Beratungsstunden, erklärte die Ressortchefin.

    Bedarf an weiteren 100 Plätzen

    Laut dem Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser gibt es bundesweit 30 Frauenhauseinrichtungen und 766 Plätze für Frauen und Kinder. Laut Geschäftsführerin Maria Rösslhumer bräuchte es etwa 100 Plätze zusätzlich. Bundesländerübergreifende Aufnahmen seien derzeit schwierig und würden nur mit mühsamen Verhandlungen möglich sein, erklärte auch sie gegenüber der APA. "Das müsste unbedingt verändert werden", verwies Rösslhumer auf eine langjährige Forderung der Frauenhäuser.

    Was einen etwaigen höheren Strafrahmen bei Gewalt gegen Frauen betrifft, verwies Bogner-Strauß auf die Task Force zu dem Thema: "Gewalt nimmt aber offensichtlich stark zu." Sie spricht sich auch für eine zentrale Anlaufstelle für Notfälle aus, ähnlich wie jener gegen "Hass im Netz".

    Einheitlicher Einkommenbericht anvisiert

    Widmen will sich die Ministerin 2019 auch dem Thema Einkommensgerechtigkeit. Derzeit gebe es vier bundesweite Einkommensberichte, die Lohnunterschiede von 20 bis 40 Prozent aufweisen würden: "Wir wollen einen bundesweiten Einkommensbericht erstellen, damit man besser reinschauen kann, was ist strukturell bedingt und was ist wirklich dem geschuldet, dass für gleichwertige Arbeit vielleicht weniger bezahlt wird", kündigte sie an.

    Die verpflichtenden Einkommensberichte für Unternehmen (ab 150 Mitarbeitern) wiederum decken laut ihren Angaben bereits die Hälfte aller Arbeitnehmer ab. Hier kann sie sich etwa eine Mitteilung der Firmen an ihre Mitarbeiter vorstellen, wenn der Bericht erstellt wurde, denn derzeit wüssten viele gar nicht, dass es die Berichte gibt. Die Betriebe kommen ihrer Verpflichtung auch großteils nach: "Daran scheitert es nicht." Bogner-Strauß denkt ähnlich wie bei besonders familienfreundlichen Betrieben auch eine Art Gütesiegel für Unternehmen, die mit Lohngerechtigkeit punkten, an.

    Verlust an Sympathiewerten

    Im Sommer stand die Frauenministerin in der Kritik, da ihr Ressort die Förderungen für etliche Vereine gekürzt hat: "Meiner Sympathie war das nicht zuträglich", räumte sie ein. Ziel war es jedoch, die Förderungen auch einmal zu hinterfragen, und außerdem seien dadurch Mittel für den Gewaltschutz frei geworden.

    Für 2019 versprach sie aber, dass durch die Auflösung von Rücklagen etwas mehr Budget zur Verfügung stehe. Angesprochen auf die jüngste Kritik der Katholischen Frauenbewegung an der Sozialpolitik der türkis-blauen Regierung, meinte Bogner-Strauß, Österreich habe sich beim Thema Migration stark engagiert, jetzt gehe es um die Integration. Weiters stellte sie fest: "Es wird immer Kritik geben, es sind nie alle zufrieden. Der Kurs ist aber gut." (APA, 2.1.2019)

    BILANZ

    2018 ermordeten pro Monat drei Männer ihre Frauen

    Gemäß einer Presseaussendung der Volksanwaltschaft wurden in Österreich bis 20.11.2018 32 Frauen ermordet. Folgt man Medienberichten, wurden bis Jahresende vier weitere Frauen ermordet. Laut Bundeskriminalamt wurden 2017 ähnlich viele Frauen Opfer männlicher Gewalt: 34 Frauen wurden ermordet, 77 Frauen Opfer eines Mordes oder eines Mordversuches – das bedeutet, dass mehr als sechs Männer pro Monat versuchten, ihre Frau zu ermorden.

    Trotz aller Bekenntnisse und Maßnahmen zur Prävention von Gewalt gegen Frauen steht Österreich damit im negativen Spitzenfeld Europas. Eine so erschreckende Zahl an Frauenmorden kann eine Gesellschaft nicht einfach zur Kenntnis nehmen, ohne genau zu analysieren, welche Lücken in der Prävention von schwerer häuslicher Gewalt bestehen. "Würden anderweitig über 30 Personen zu Tode kommen, wäre eine Untersuchung, eine Analyse selbstverständlich" ist Andrea Brem, Vorsitzende des Vereins Zusammenschlusses österreichischer Frauenhäuser, überzeugt.

    Kooperation unabdingbar

    Zwar tage seit Monaten eine Task Force im Auftrag von Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP), die Reformen bei Gewalt- und Sexualdelikten bringen wird. Doch Gewaltschutz-Engagierte monieren immer wieder, dass neben Gesetzesänderungen die laufende lokale Kooperation und Vernetzung mit den zuständigen Behörden, Einrichtungen und NGOs nötig sei, um Gefahr von betroffenen Frauen abzuwenden. Dazu müssen auch immer wieder Kampagnen finanziert werden, die bedrohte Frauen über Hilfsangebote informieren, ebenso unabdingar sei flächendeckende Täterarbeit.

    Der Verein ZÖF fordert daher, umgehend eine Kommission einzusetzen, die feststellt, wo es in jedem einzelnen Mordfall tatsächliche Lücken im Opferschutz gab und welche Maßnahmen hätten helfen können. (red, 2.1.2019)

    • Im Sommer stand die Frauenministerin in der Kritik, da ihr Ressort die Förderungen für etliche Frauenvereine gekürzt hat: "Meiner Sympathie war das nicht zuträglich", räumte Bogner-Strauß nun ein.
      foto: apa / georg hochmuth

      Im Sommer stand die Frauenministerin in der Kritik, da ihr Ressort die Förderungen für etliche Frauenvereine gekürzt hat: "Meiner Sympathie war das nicht zuträglich", räumte Bogner-Strauß nun ein.

    Share if you care.