Türkische Justiz ermittelt gegen bekannten Fernsehjournalisten

    29. Dezember 2018, 09:29
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    Medien: Fatih Portakal wegen Kommentaren zu französischen "Gelbwesten" im Visier

    Istanbul (APA/AFP) – Die türkische Justiz hat Medienberichten zufolge Ermittlungen gegen einen bekannten Journalisten des Senders Fox Haber wegen dessen Äußerungen zur französischen "Gelbwesten"-Bewegung eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft werfe Fatih Portakal vor, "offen zur Begehung einer Straftat" angestiftet zu haben, berichteten die Zeitungen "Hürriyet" und "Milliyet" am Freitag.

    Portakal hatte die Frage aufgeworfen, ob auch die Türken gegen steigende Lebenshaltungskosten auf die Straße gehen würden. Damit hatte er sich den Zorn von Staatschef Recep Tayyip Erdogan zugezogen.

    "Los, lasst uns einen friedlichen Protest machen, gegen die Preissteigerungen, die Steigerungen beim Erdgas-Preis. Los, lasst es uns machen. Werden wir in der Lage sein, es zu tun?", schrieb Portakal im Kurzbotschaftendienst Twitter, wo er mehr als sechs Millionen Abonnenten hat.

    Später stellte er während einer Sendung über die "Gelbwesten" in Frankreich die Frage: "Um Gottes Willen, sagt mir, wie viele Menschen kommen würden." Der Journalist bezog sich auf die mutmaßliche Furcht der Türken, nach der brutalen Niederschlagung früherer Proteste in dem Land erneut auf die Straße zu gehen.

    Kritik von Erdogan

    Erdogan reagierte mit scharfen Worten auf die Äußerungen und bezeichnete Portakal als "unmoralisch". Die Justiz werde die "notwendige Antwort" geben, sagte der türkische Präsident. Anfang dieser Woche verhängte die Medienaufsicht des Landes eine Geldstrafe in unbekannter Höhe gegen Fox Haber.

    Der Kanal hatte in der Vergangenheit umfassender über die türkische Opposition berichtet als die großen Sender des Landes. Fox Haber hat keine Verbindung zum US-Fernsehsender Fox News.

    Die "Gelbwesten"-Bewegung in Frankreich war aus Protest gegen hohe Spritpreise und eine geplante Ökosteuer auf Diesel entstanden. Nach wochenlangen und teils heftigen Demonstrationen machte die Regierung Zugeständnisse an die Bewegung und kündigte etwa eine Erhöhung des Mindestlohns an. (APA, 29.11.2018)

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