Winterfestspiele Erl: Eine Oper um Liesl Karstadt

    25. Dezember 2018, 08:00
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    Erstmals findet das Festival heuer ohne Gründer Gustav Kuhn statt

    Interessante Tage beim Tiroler Festival in Erl; es beginnt nun ja eine singuläre Übergangsphase: Der Gründer der Festspiele, Gustav Kuhn, hat sich zurückgezogen. Dirigent Kuhn, der alle Opernpremieren geleitet hat und sehr viele Konzerte; Kuhn, der auch nahezu alle Inszenierungen erdacht und die Festspielprogramme konzipiert hat – er ist nicht mehr dabei.

    Der neue Leiter allerdings, Bernd Loebe, übernimmt die Leitung erst ab 1. September 2019. Die nunmehr anstehenden Winterfestspiele sind also ein Event des Übergangs. Zuletzt musste denn auch nicht nur ein neuer Festivalmanager gefunden werden. Auch im Bereich des Künstlerischen galt es, in Windeseile Kuhn-Ersatz zu finden. Und zwar mehrfach.

    Vom alten Kaiser

    So wird die Wintersaison am 26. Dezember mit einer Wiederaufnahme von Puccinis La Bohème unter der Leitung von Paolo Carignani stattfinden. Die Neuproduktion der Oper La Sonnambula wiederum dirigiert der erfahrene Friedrich Haider, während Regisseur Riccardo Canessa das Szenische betreut. Neues auch beim Neujahrskonzert: Dieses betreut die Chefdirigentin der Grazer Oper Oksana Lyniv; das Abschlusskonzert am 6. Jänner 2019 wird dann Anja Bihlmaier leiten.

    Da die Winterfestspiele auch Uraufführungen im Musiktheaterbereich zeigen, herrschte womöglich noch mehr Ersatzbedarf, wobei Kuhn dann ja auch nicht alles selbst dirigierte. Wie auch immer, der koreanische Maestro Beomseok Yi übernimmt Maximilian (3.1.2019): Es geht dabei – zum 500. Todestag von Kaiser Maximilian I. – um eine schillernde historische Figur. Umrahmt von Musik der Renaissance wird der Monarch als "letzter Ritters" porträtiert. Es findet dabei auch seine Beziehung zu den Gemahlinnen Maria von Burgund und Bianca Maria Sforza Berücksichtigung.

    Bei den Gebirgsjägern

    Auch dem 20. Jahrhundert ist eine Neuheit vorbehalten: Stillhang (am 28.12) thematisiert einen Aspekt im Leben von Liesl Karlstadt. Der Tiroler Komponist Christian Spitzenstaetter hat um die Komikerin und Partnerin von Karl Valentin einen "tragikomischen Bilderbogen voller Poesie" kreiert, der sich auf die Kriegszeit konzentriert. Ab 1941 verbrachte Liesl Karlstadt zwei Jährchen bei einer Gebirgsjägereinheit auf der Ehrwalder Alm. Man nannte sie zwecks Tarnung "Gefreiter Gustl", später wurde sie zum Obergefreiten ernannt. Die musikalische Leitung der Geschichte hat Spitzenstaetter inne. Die Liesl ist Isabel Karajan, Libretto und Regie stammen von Klaus Ortner. Interessant. Jetzt muss Erl nur – trotz Kuhn-Absenz – ausreichend Publikum finden. (Ljubisa Tosic, 25. 12. 2018)

    Winterfestspiele: 26.12. bis 6.1.

    Tiroler Festspiele

    • Oper in Erl.

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