Blumen erschienen womöglich 40 Millionen Jahre früher als gedacht

    27. Dezember 2018, 07:00
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    Neuentdecktes Fossil könnte bisherige Annahmen über die Evolution der Blütenpflanzen über den Haufen werfen

    Aufgrund bisheriger Fossilien waren Wissenschafter davon ausgegangen, dass bedecktsamige Pflanzen, also solche, die Blüten-ähnliche Strukturen hervorbringen, erst vor rund 130 Millionen Jahren erstmals in der Erdgeschichte die Bühne betreten haben. Diese Ansicht muss nun durch einen aktuellen Fund revidiert werden: Ein chinesisches Team stellte im Fachjournal "eLife" eine versteinerte Blütenpflanze vor, die vor 174 Millionen Jahren gelebt haben dürfte – und damit über 40 Millionen Jahre früher als gedacht.

    Bedecktsamer, auch bekannt als Angiospermen, stellen bedeutende Mitglieder des Pflanzenreichs dar. Ihre Ursprünge sind seit Jahrzehnten Gegenstand von Diskussionen unter Evolutionsbiologen: Obwohl man ihr erstmaliges Erscheinen aufgrund fossiler Funde in der mittleren Kreidezeit angesetzt hat, ließen molekulare Untersuchungen auf ein womöglich früheres Auftreten schließen. Entsprechende Belege dafür fehlten allerdings bisher.

    Rätselhafte plötzliche Erscheinung

    "Experten waren sich lange Zeit nicht sicher, wo und wie Blütenpflanzen tatsächlich entstanden sind. Die uns heute bekannten frühen Blumen schienen nämlich während der Kreidezeit wie aus dem nichts aufgetaucht zu sein", erklärt Qiang Fu vom Institut für Geologie und Paläontologie in Nanjing, Hauptautor der Studie.

    Um dieses florale Rätsel zu lösen, studierte sein Team insgesamt 264 Exemplare von 198 unterschiedlichen Arten, die Forscher an mehreren Stellen der südlichen Xiangshan-Formation freigelegt hatten, einem reichhaltigen Fundort für Fossilien aus der frühen Kreidezeit in der Nähe der chinesischen Provinzhauptstadt Nanjing. Die große Zahl an Proben erlaubte es den Wissenschaftern, einige davon zu zerlegen und mithilfe von hochauflösenden mikroskopischen Methoden genauer zu untersuchen.

    Charakteristische Samenbehälter

    Dabei entdeckten Qiang Fu und seine Kollegen eine bisher völlig unbekannte Pflanze, die sich letztlich als Meilenstein in der Erforschung der Bedecktsamer-Evolution erweisen sollte. Die Nanjinganthus dendrostyla benannte Spezies ist vor allem deshalb eine Besonderheit, weil sie rudimentäre Vorstufen jener Samen enthielt, wie sie später bei Blütenpflanzen vorkommen. Die vorgefundenen Strukturen zeigten kleine kelchförmige Samenbehälter, die Nanjinganthus nach Ansicht der Forscher eindeutig als frühe Blütenpflanze ausweist. Die drei Blütenblätter waren vermutlich löffelförmig.

    Als nächstes wollen die Wissenschafter herausfinden, ob die neuentdeckte Art eine Stammform aller späteren Angiospermen repräsentiert, was sie zur Urform heutiger Blütenpflanzen machen würde. Die andere Möglichkeit wäre, dass Nanjinganthus eine evolutionäre Sackgasse war und wenig mit den modernen Blumen zu tun hat. (red, 27.12.2018)

    • Links das Fossil von Nanjinganthus dendrostyla, rechts die rekonstruierte Blüte. Das im Osten Chinas freigelegte kreidezeitliche Gewächs hat möglicherweise weitreichende Folgen für die Beurteilung des Pflanzenstammbaumes.
      foto/illustr.: fu et al./nigpas

      Links das Fossil von Nanjinganthus dendrostyla, rechts die rekonstruierte Blüte. Das im Osten Chinas freigelegte kreidezeitliche Gewächs hat möglicherweise weitreichende Folgen für die Beurteilung des Pflanzenstammbaumes.

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