Überimitation: Wenn Hunde sinnlose Handlungen nachahmen

    24. Dezember 2018, 10:23
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    Unser bester Freund zeigt ein Verhalten, das man nicht einmal von Menschenaffen kennt

    foto: thomas suchanek/vetmeduni vienna
    "Hülft's nix, schodt's nix. Wuff."

    Wien – Und wieder haben Hunde im Experiment ein Verhalten gezeigt, das man bisher nur vom Menschen kannte – in dem Fall allerdings kein sonderlich zweckmäßiges. Wie Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed) im Fachjournal "Learning and Behaviour" berichten, kann sich bei Hunden das Lernen durch Nachahmung auch auf Aktionen erstrecken, die gar keinen Sinn ergeben – eine sogenannte Überimitation.

    Stichwort Überimitation

    Darunter versteht man eine Art starren Nachahmungsautomatismus, mit dem etwa Kinder Erwachsene auch bei unsinnigen Handlungen imitieren. Die Vetmed-Forscher verweisen beispielsweise auf eine Studie, in der Psychologen drei- bis fünfjährige Kinder dabei zuschauen ließen, wie Erwachsene eine Spielzeug-Dinosaurierfigur aus einer durchsichtigen Plastikschachtel herausholten.

    Den Erwachsenen war allerdings gesagt worden, dass sie die Handlung mit sinnlosen Ritualen verknüpfen sollten – zum Beispiel den Deckel der Schachtel vor dem Öffnen mit einer Feder zu berühren. Und obwohl den Kindern erklärt wurde, dass dies überflüssig war, ahmten diese nach einer erneuten Demonstration die Rituale nach, als sie selbst Spielzeug aus Plastikbehältern holen sollten.

    Durchlauf mit Hunden

    Bei Tieren konnte Überimitation bisher nicht nachgewiesen werden – nicht einmal bei Menschenaffen. "Da diese eigentümliche Form der Nachahmung beim Menschen stark durch soziale Faktoren wie Zugehörigkeit oder Konformität motiviert ist, stellten wir die Hypothese auf, dass domestizierte und kultivierte Hunde häufiger als Affen solche Handlungen kopieren, insbesondere wenn dies von ihren Betreuern gezeigt wird", sagt Ludwig Huber, Leiter der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung am Messerli-Forschungsinstitut der Vetmed.

    Und die Hypothese des Forschungsteams sollte sich bestätigen. An einer auf Hunde zugeschnittenen Version des Experiments am "Clever Dog Lab Vienna" des Messerli-Instituts nahmen insgesamt 60 Hunde verschiedener Rassen und verschiedenen Alters und Geschlechts teil. Die Hälfte der Tiere wiederholte tatsächlich eine kausal irrelevante Aktion, die von ihrer Bezugsperson gezeigt wurde. Die gleiche Anzahl tat dies unabhängig davon, ob dies vor oder nach einer kausal relevanten funktionellen Handlung geschah.

    Erklärungsversuche

    In Summe zeigten die Hunde laut den Forschern ein mittleres Maß an Überimitation. "Ähnlich wie bei Kindern scheint das Lernen von Hunden und das Kopieren ihrer Bezugspersonen ein tiefgreifender sozialer Prozess zu sein", sagt Huber.

    Was genau hinter Überimitation steckt, ist allerdings noch nicht geklärt. Zwei Erklärungsvarianten gibt es: Entweder glaubt der "Schüler", dass vom "Lehrer" absichtlich gezeigte nichtkausale Handlungen irgendwie doch notwendig sind, um ein Ziel zu erreichen. Oder die Nachahmung dient einfach nur dazu, die soziale Bindung zwischen den beiden zu stärken. (red, APA, 24. 12. 2018)

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