Glattauer-Verfilmung: Thomas Stipsits wird nichts "Geschenkt"

    Ansichtssache22. Dezember 2018, 12:00
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    Eine mysteriöse Spendenserie, Alkoholprobleme und ein pubertierender WG-Kollege: Für den Lokaljournalisten Gerold Plassek läuft es nicht gerade rund

    Eine mysteriöse Spendenserie; ein 14-jähriger, mitten in der Pubertät steckender "WG-Kollege" und ein waschechtes Alkoholproblem: Für den Lokaljournalisten Gerold Plassek läuft es nicht gerade rund. Die neueste ORF-"Stadtkomödie" aus St. Pölten "Geschenkt" nach dem Roman von Daniel Glattauer ist am Samstag um 20.15 Uhr auf ORF 1 zu sehen.

    foto: orf/mona film

    An Emotionen mangelt es "Geschenkt" nicht. Thomas Stipsits verkörpert den vollbärtigen, meist leicht angetrunkenen Plassek, geht in Wutausbrüchen auf, driftet in Tagträume ab und himmelt die Lehrerin von Manuel (Tristan Göbel) an. Dieser Sohn einer Bekannten von Plassek wurde bei ihm geparkt, was keinem der beiden wirklich schmeckt. Nicht nur in diesem Zusammenspiel punktet die Komödie von Regisseur Daniel Prochaska, der damit seinen Erstling abliefert, mit Timing und viel Gespür für skurrile Einfälle.

    Die Spendenserie, über die Plassek berichtet und die immer Einrichtungen aus seinen Meldungen trifft, dient dabei als Anker, wenngleich das Zwischenmenschliche sukzessive in den Fokus rückt. "Der Film ist wahnsinnig lustig und sozialkritisch", meinte Romanautor Daniel Glattauer. "Man muss das nicht zum Thema Nummer 1 machen. Trotzdem kommt es in die Sinne der Zuseher hinein. Es kommt auf subtile Weise etwas heraus, was mir politisch wichtig ist. Nie hat mich jemand als einen politischen Schreiber eingeschätzt, das wird auch nicht mehr so sein. Aber diese Dinge kommen dennoch im Film vor."

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    foto: orf/mona film

    Stipsits hat die Buchvorlage bereits vor Jahren gelesen, die "Stadtkomödie" weicht nun in einigen Aspekten davon ab. "Deshalb habe ich es jetzt auch nicht mehr in die Hand genommen, sondern mich an das Drehbuch gehalten. Wir haben sehr viel geprobt für diesen Film, was oft gar nicht so üblich ist", gab der Kabarettist und Schauspieler zu bedenken.

    "Wir hatten eine sehr lange Vorbereitungszeit, in der wir viel über Gerold Plassek gesprochen haben. Das hat sich dann insofern bezahlt gemacht, als es am Set gar keine Diskussionen mehr über die Figuren gegeben hat – auch die anderen nicht. Dadurch spielt man freier."

    Einen wichtigen Anteil hatte auch der Bart, den sich Stipsits stehen ließ. "Diese optische Veränderung macht schon etwas mit dir", sagt er. "Auch wenn man privat ist, man zieht sich langsam diesen Plassek-Mantel an. Ich habe mich dann oft ertappt bei Gesprächen, dass ich überlegt habe: Was würde der Plassek jetzt sagen? Meine Frau war dann aber schon froh, als der Bart weg war", lachte Stipsits.

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    foto: orf/mona film

    Ein eigentlich grantiger Typ, der fast schon mit dem Leben abgeschlossen hat, dann aber plötzlich das Gute in sich und anderen entdeckt? Ganz so einfach ist die Rechnung bei Plassek nicht, aber mit allerlei Hilfe und vielen Zufällen kommt er wieder in die richtige Bahn. Eine Figur, die Glattauer sehr interessiert hat.

    "Es ist doch unheimlich langweilig, wenn die Typen immer so gut sind. Jeder kennt sie. Wir sind doch ständig mit unseren eigenen Schwächen konfrontiert und wollen sie überspielen. Helden geben uns das Gefühl, dass sie das nicht haben – zu ihnen kann man aufblicken. Aber näher rückt die Person zu einem, wenn sie auch schwach sein kann. Meine Figuren zeigen teils sofort ihre Schwächen, die Stärken kommen erst später. Das ist doch reizvoller."

    Julia Koschitz spielt die Lehrerin Rebecca, Maria Happel hat einen Kurzauftritt als Schuldirektorin. Tristan Göbel, den man vom Kinoerfolg "Tschick" kennt, spielt den 14-jährigen Manuel. Zu sehen am Samstag, 20.15 Uhr, ORF 1. (APA, red, 22.12.2018)

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