Frankreich bleibt in Syrien

    20. Dezember 2018, 18:17
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    Paris sieht sich weiterhin im Kampf gegen den IS

    Die Bekämpfung des Terrorismus ist nicht zu Ende", erklärte Frankreichs Europa-Ministerin Nathalie Loiseau am Donnerstag. Die Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sei gut vorangekommen, aber: "Der Kampf geht weiter, und wir werden ihn weiterführen", betonte Loiseau. "Fürs Erste bleiben wir in Syrien."

    Die entschlossene Reaktion Frankreichs auf die Ankündigung des US-Truppenrückzugs spiegelt auch die Sorge vor neuen Terroranschlägen wider. Vergangene Woche hatte der IS ein Attentat beim Weihnachtsmarkt in Straßburg für sich reklamiert. Verteidigungsministerin Florence Parly twitterte am Donnerstag, der IS sei zwar geschwächt, aber nicht von der Landkarte gelöscht; die Miliz müsse "endgültig militärisch besiegt werden".

    Frankreichs Staatsführung hatte diese Position schon vor der US-Entscheidung vertreten. Noch am Vortag hatte Außenminister Jean-Yves Le Drian den Kampf gegen den IS zur "absoluten Priorität" erklärt. Auch nach der Vertreibung der Milizen müssten die befreiten Zonen stabilisiert werden.

    Frankreich ist in Syrien und im Irak mit rund tausend Soldaten – halb so viel wie die USA – vertreten. Die Operation "Chammal" bildet Truppen aus, unterhält Artilleriestellungen und vermutlich auch Spezialeinheiten. Vor allem hat sie bisher über 1500 Lufteinsätze geflogen und nach Le Drians Angaben über tausend Jihadisten außer Gefecht gesetzt. In Paris befürchten die Geheimdienste die Rückkehr potenzieller Attentäter.

    Verletzbare Europäer

    Ähnlich tönte es am Donnerstag aus London. "Die internationale Koalition gegen den IS hat große Fortschritte erzielt", erklärte ein Sprecher des britischen Außenministeriums. "Aber es bleibt viel zu tun, und wir dürften nicht aus den Augen verlieren, dass der IS auch ohne Territorium eine Bedrohung bleibt." Stellvertretend für viele Stimmen aus Brüssel meinte der liberale belgische Europa-Abgeordnete Guy Verhofstadt, die US-Entscheidung mache "die Europäer verletzbarer" und stelle einen "Sieg für Russland, den Iran und die Türkei" dar.(Stefan Brändle aus Paris, 21.12.2018)

    • Frankreichs Europa-Ministerin Nathalie Loiseau widerspricht Donald Trump.
      foto: apa/afp/ludovic marin

      Frankreichs Europa-Ministerin Nathalie Loiseau widerspricht Donald Trump.

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