Test und Fazit: Command & Conquer: Rivals

    22. Dezember 2018, 11:00
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    Die mobile Auskopplung der altehrwürdigen Reihe ist kurzweilig, leidet aber unter ihrem Pay2Win-System

    Bekannte Games für PC und Konsole auch auf mobile Plattformen zu bringen, ist eine Strategie, zu der immer mehr Hersteller greifen. Zuletzt sorgte die Ankündigung von Diablo: Immortal für Android und iOS für Aufruhr auf der Hausmesse von Entwickler Blizzard.

    Ebenfalls nicht für viel Begeisterung sorgte Electronic Arts, als man auf der letzten E3 mit C&C: Rivals einen neuen Teil der über zwei Jahrzehnte alten Echtzeitstrategie-Reihe Command & Conquer präsentierte. Insbesondere Serienveteranen zeigten sich ob der Namensgebung wenig angetan von dem Konzept einfacher Schlachten zwischen jeweils zwei Spielern in einem Free2Play-Game für Android und iOS.

    Vor einem Kampf können Spieler wählen, ob sie mit der Global Defense Initiative (GDI) oder später auch der Brotherhood of Nod antreten wollen, also den beiden Erzfeinden aus dem futuristischen Handlungsstrang von C&C. Statt klassischem Ressourcenmanagement und Basisaufbau gibt es hier ein Hauptgebäude, an das per Knopfdruck Produktionsstätten angebaut werden können. Diese schicken wiederum Fußsoldaten, Fahrzeuge, Panzer, Kampfroboter und Lufteinheiten in die Schlacht. Bezahlt werden sie mit Tiberium, das man über ein Sammelfahrzeug und auch automatisch mit Fortlauf der Zeit erhält.

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    Test und Fazit zu C&C: Rivals.

    Jede Einheit hat spezifische Stärken und Schwächen gegen andere Einheitentypen. Ziel ist es, die Kontrollpunkte rund um eine Abschussanlage für Atomraketen zu halten. Wenn der Abschusscountdown abläuft und man kontrolliert die Flächen mehrheitlich, wird ein Sprengkopf auf die gegnerische Basis geschossen. Zwei Treffer werden für den Sieg benötigt. Alternativ lässt sich die Basis auch direkt angreifen. Ein Sieg auf diese Weise ist aber wesentlich schwieriger zu bewerkstelligen.

    Was ist gelungen?

    In puncto Grafik haben sich die Entwickler Mühe gegeben, den Stil von C&C zu wahren. Einheiten und Gebäude sind recht detailliert und ordentlich animiert. Auch Schuss- und Explosionseffekte können sich sehen lassen. Die Soundkulisse mit Sprachausgabe, Rückmeldungen der Kämpfer, Knattern und Krachen untermalt das Geschehen gut.

    Auch wenn der Name für ein so einfach gestricktes Spiel deplatziert erscheint, ist das Grundkonzept unterhaltsam. Wenngleich die Anzahl der Einheiten überschaubar ist, lassen sich dennoch einige unterschiedliche Strategien entwickeln. Und selbst wenn man zu Beginn im Hintertreffen ist, kann man mit etwas Hirnschmalz und kluger Einheitenplatzierung das Blatt oft noch wenden.

    Die Steuerung ist am Schlachtfeld gut gelöst, obwohl die Hexfelder, über die man seine Vasallen scheucht, nicht besonders groß sind. Das ist besonders essentiell für den Spielspaß, da man mitunter auch einmal ein Dutzend oder mehr Einheiten kontrolliert.

    Was ist weniger gut gelungen?

    Visuell macht C&C: Rivals für ein Mobile Game viel her. Manchmal aber zu viel. Gerade als Einsteiger kann es aufgrund des recht hohen Detailgrads schwer sein, Einheiten schnell voneinander zu unterscheiden oder flott zu erkennen, gegen was sie wirksam sind. Das wird durch Routine zwar besser, kleine Icons, die während des Gefechts über die Stärken einer Kampftruppe informiert, wären aber hilfreich gewesen.

    Auch die Menüführung des Spieles ist kein Vorbild für gute Übersicht. Zentrale Funktionen sind seltsam verstreut und auch Matches gegen Freunde sind nicht einfach so möglich. Denn zuerst muss eine eigene "Allianz" angelegt werden, egal ob man sich langfristig mit anderen Mitspielern organisieren möchte, oder nicht.

    electronic arts
    Der offizielle Vorstellungstrailer zu C&C: Rivals.

    Die verworrene Struktur hängt aber auch mit dem eigentlichen Kernproblem des Games zusammen. Denn praktisch auf jeder Menüseite locken Mikrotransaktionen. Viele davon dienen dazu, gegen den Einwurf von Echtgeld den Spielfortschritt zu beschleunigen. Für jeden Sieg sowie in achtstündigen Intervallen erhält man Kisten, die Gold, Diamanten, Benzin und Einheitenkarten enthalten. Die Karten schalten nicht nur neue Einheiten frei, sondern dienen auch dazu, sie mit zusätzlichem Goldeinsatz aufzuleveln. Dabei gewinnen sie an Lebenspunkten und Durchschlagskraft.

    Gegen Echtgeld können Lootboxpakete oder Diamanten für den Erwerb weiterer Kisten erworben werden. Auch wenn es zufallsbasiert ist, welche Karten genau in einer Truhe sind, bedeutet mehr Geldinvestition letztlich schnelleren Fortschritt. Das Matchmaking scheint das Level der Spielereinheiten jedoch nicht zu berücksichtigen, sondern lediglich Ranglistenpunkte einzubeziehen.

    Dementsprechend ist es möglich, auf Rivalen zu treffen, die die gleichen Einheiten nutzen, aber von Beginn an klar im Vorteil sind, da sie ein höheres Level haben. Es drängt sich die Vermutung auf, dass dies gewollt ist, entsteht doch so ein gewisser Leidensdruck als "Motivation", selbst Geld auszugeben. Und je länger man ohne diesem "Bezahlboost" spielt, desto spürbarer wird bei Games dieser Art (siehe etwa Clash Royale) das Gefälle. Eine leider oft gesehene Pay2Win-Monetarisierungsstrategie.

    Fazit

    Command & Conquer: Rivals ist in den ersten Stunden eine nette Unterhaltung für Mittagspause, Wartezimmer und andere Situationen, in denen man ein paar Minuten füllen möchte. Auf Dauer wird der Spielspaß aber durch das Pay2Win-Prinzip zerfressen. Man zwingt die Spieler zu einem zermürbenden "Grind" durch die Rangliste – es sei denn, sie stecken Echtgeld in das Spiel. (Georg Pichler, 21.12.2018)

    • C&C: Rivals ist kostenlos für Android und iOS erhältlich.
      foto: c&c rivals

      C&C: Rivals ist kostenlos für Android und iOS erhältlich.

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      foto: c&c rivals
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