Test: Wie Fernsehen ohne GIS gelingt

    Test7. Jänner 2019, 11:31
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    Swedx SM-65K1 im Test – Schwedischer Hersteller bietet Geräte ohne Rundfunkmodul an

    Bis zu 27 Euro kostet die GIS pro Monat. Aufgrund des massiven Konkurrenzangebots von Streamingdiensten besteht daher mittlerweile reges Interesse daran, die Rundfunkgebühr zu umgehen. Ganz auf Fernseher verzichten muss man dabei aber nicht. Möglich ist das durch ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs aus dem Jahr 2015: Der ORF darf keine Gebühr verlangen, sofern ein Gerät keine sogenannten "Rundfunktechnologien" nutzt. Mit wenig Aufwand lässt sich ein solches Setup erstellen – statt zu regulärem Fernsehprogramm greift man dann zu Streamingdiensten. Ein kleiner Guide.

    Welchen Fernseher brauche ich?

    Im Grunde genommen sind "GIS-freie" Fernseher nicht wirklich Fernseher, da besagte Rundfunksempfangsmodule – in diesem Fall der dafür zuständige Tuner, der Fernsehsignale filtert – nicht eingebaut sind. Somit handelt es sich eigentlich um Monitore.

    Unter anderem aufgrund niedriger Reaktionszeiten sind reguläre PC-Monitore jedoch oftmals erheblich teurer als Fernseher. Daher lohnt es sich, stattdessen zu Geräten zu greifen, die als sogenannte "Public Displays" verkauft werden. Solche Bildschirme sind eigentlich dafür gedacht, an öffentlichen Orten aufgestellt zu werden – etwa als Infoschilder in Einkaufszentren.

    foto: derstandard/muz

    Aktuell gibt es zwei prominente Anbieter – das österreichische Start-up Nogis und das schwedische Unternehmen Swedx. Die 2002 gegründete Firma nutzt, wie aus einer Anfrage des STANDARD hervorgeht, Panels des taiwanesischen LCD-Herstellers Innolux. Schweden hatte bisher ein vergleichbares Gesetz wie die GIS, ab Jänner 2019 werden die Rundfunkgebühren allerdings durch eine allgemeine Steuer ersetzt.

    Wie sind diese Geräte?

    Der STANDARD konnte den Swedx SM-65K1-02 über mehrere Wochen hinweg testen. Dabei handelt es sich um einen 65 Zoll großen LED-Monitor mit 4K-Unterstützung (60 Hz). Optisch überzeugt er mit einem sehr kleinen Monitorrahmen ("Bezel"). Zudem ist er ungefähr neun Millimeter dünn.

    Das Gerät erwies sich als solider Allrounder mit scharfen, flüssigen Bildern, der eine echte Alternative zu regulärem Fernsehen bietet. HDR unterstützt er nicht, wobei die Farbwiedergabe dennoch sehr dynamisch ist. Die standardmäßig eingestellte Helligkeit ist etwas zu niedrig, weswegen vor allem dunkle Szenen zunächst schwierig zu erkennen sind – das lässt sich allerdings in den Einstellungen leicht anpassen.

    foto: derstandard/muz

    Abstriche gibt es beim Clouding, einem typischen Problem bei LED-Fernsehern. Bereits beim ersten Einschalten des Geräts fallen bei schwarzem Bildschirm kleine Wölkchen an den Seiten auf. Bei regulärer Nutzung war das aber nur mäßig störend.

    Auch der Ton des Geräts ist für einen regulären Fernseher solide – zu Verzerrungen oder dergleichen kommt es bei erhöhter Lautstärke nicht, ein Heimkino darf man sich trotzdem nicht erwarten. Hier lohnt sich eventuell die zusätzliche Anschaffung einer Soundbar. Insgesamt bietet der Swedx SM-65K1-02 für 750 Euro einen guten 65-Zoll-Fernseher mit UHD.

    Wie wird das Gerät nun "smart"?

    Im Test nutzte der STANDARD die TV-Box Nvidia Shield, die Nutzer über HDMI an den Fernseher anschließen können. Sie bietet ein vollwertiges Android-Betriebssystem inklusive Playstore, um weitere Apps herunterzuladen. Dabei erwies sich das Gerät als eine der besten Optionen, um einerseits zu streamen, andererseits aber auch, sofern gewünscht, ein lokales Mediacenter aufzustellen. Den Nvidia Shield gibt es nämlich in zwei Variationen, einer mit 16 GB und einer mit 500 GB Speicher. Alternativ lässt sich einfach eine externe Festplatte über USB 3.0 anschließen.

    Dank des eingebauten Grafikchips Tegra X1 schafft der Shield weitaus leistungsintensivere Anwendungen als seine Konkurrenz. Wer in Besitz eines Gaming-PCs ist, kann zusätzlich mit einem Controller über den Nvidia Shield Spiele am Fernseher streamen. Das funktionierte im Test erstaunlich gut, sofern kein allzu hoher Übertragungsverlust besteht. Zusätzlich wirbt Nvidia mit Geforce Now, mit der Cloud-Gaming möglich ist. Dabei werden Games auf leistungsstarken Servern in der Cloud ausgeführt, der Shield streamt diese dann. Das ist zwar etwa bei rundenbasierten Games ohne weitere Probleme möglich, ansonsten ist die Funktion aufgrund des Paketverlusts aber eher nicht zu empfehlen.

    foto: derstandard/muz

    Wer nicht rund 200 Euro ausgeben möchte, kann auch weitaus günstigere Optionen nutzen – etwa einen Amazon Fire TV Stick oder Googles Chromecast. Im Großen und Ganzen unterscheiden sich die Sticks wenig. Jedoch gilt es zu bedenken, dass es mit Google Chromecast nicht möglich ist, Amazon Prime Video zu nutzen, über Amazons Fire TV wiederum nicht, auf Youtube zuzugreifen. Beide Hersteller haben aber Möglichkeiten integriert, um diese Beschränkung zu umgehen – bei Amazon über eine Art Browser, bei Google über Chromecast am Smartphone. Wer neben kostenlosen Angeboten nur Sky Ticket nutzt, kann zum Sky Ticket TV Stick greifen.

    Für Apple-Fans gibt es als Alternative zu Android TV auch noch Apple TV. Wer schon eine Konsole wie etwa eine Playstation 4, eine Nintendo Switch oder eine Xbox One X besitzt, kann einfach auf dieser Netflix und Co installieren.

    Kann ich noch reguläre Fernsehangebote schauen?

    In vielen Fällen ja: Von der ProSiebenSat1Puls4-Gruppe gibt es die App Zappn, die Zugriff auf das herkömmliche Fernsehangebot erlaubt, ansonsten bietet etwa der ARD eine eigene Mediathek.

    Streamingservices – welche gibt es da sonst noch?

    In Österreich ist die Fragmentierung vergleichsweise noch ziemlich klein. Aktuell haben Nutzer für das größte Angebot vorwiegend die Wahl zwischen Netflix, Amazon Prime und Sky Ticket. Im Wesentlichen bieten alle exklusive Inhalte an, die Preise sind vergleichbar.

    Netflix ist unter den Streamingplattformen der größte Lieferant für Programm: Allein 2018 investierte das Unternehmen acht Milliarden Dollar in Eigenproduktionen, die meisten davon Serien. Ein Abo gibt es ab acht Euro pro Monat. Amazon Prime investiert ebenfalls massiv – heuer sind es 4,5 Milliarden –, hat aber insgesamt ein etwas kleineres Angebot. Dafür gibt es bei einem Abo um acht Euro zusätzlich unter anderem Vorteile bei Bestellungen auf Amazon. Sky hat zwar ein kleineres Angebot, aber den Vorteil, auf das Repertoire der preisgekrönten Serienschmiede HBO ("Game of Thrones, "Westworld") zugreifen zu können, und kann ab zehn Euro pro Monat genutzt werden.

    Ansonsten gibt es für Fußballfans die Plattform Dazn, die Plattform von ProSiebenSat1Media, Maxdome, sowie Flimmit des ORF. Aus den USA bahnen sich aber noch weitere Dienste an – etwa das mittlerweile sehr bekannte Hulu ("The Handmaid's Tale") und eigene Streamingservices von Apple und Disney (mehr zu dem Thema hier). (Muzayen Al-Youssef, 7.1.2019)

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