Bischof Krautwaschl zur Causa Schwarz: "Weiß nicht, was da los ist"

20. Dezember 2018, 13:41
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Der steirische Diözesanbischof gibt sich nachdenklich: "Wenn da was dahinter ist, dann ist es ein Schaden". Die Kultur, sich Dinge einzugestehen, "kann bei uns wachsen"

Graz/Klagenfurt – Nach den Anschuldigungen gegen den ehemaligen Kärntner und nunmehrigen St. Pöltener Bischof Alois Schwarz gab sich der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl am Donnerstag im Gespräch mit der APA nachdenklich: "Ich weiß nicht, was da los ist. Ich kenne die genauen Unterlagen nicht und kommentiere diese daher auch nicht." Schwarz wird unter anderem Misswirtschaft vorgeworfen.

Auf Nachfrage, ob der Kirche Schaden durch die Kärntner Vorgänge entsteht, meinte Krautwaschl: "Wenn da was dahinter ist, dann ist es ein Schaden, aber nicht das Aufdecken an sich. Die Frage ist, was ist der wirkliche Grund dafür? Wenn ich etwas äußere oder nicht äußere, habe ich ein gewisses Interesse dahinter."

"Maulkorb" zulässig

Gleichzeitig merkte er an, dass das Aufdecken auch dem Evangelium näher bringen und es dann auch gut sein könne. "Aber im Evangelium steht nicht nur drinnen, dass die Wahrheit frei macht, sondern auch: Wenn dein Bruder etwas gegen dich hat, dann red' zuerst mit ihm – unter vier Augen. Hört er dir nicht zu, dann hole wen dazu, und hört er auch auf euch nicht, dann sagst du es der Gemeinde. Das ist eine klare Schrittfolge, wie man Konflikte löst." Er selbst wisse nicht, ob diese Gespräche zuletzt mit Bischof Schwarz stattgefunden haben.

Dass der Vatikan einen "Maulkorb" erteilt hat, indem die vergangene Woche anberaumte Pressekonferenz in Klagenfurt untersagt wurde, hält Krautwaschl für zulässig: "Rom ist die höchste Instanz. Wenn die Pressekonferenz untersagt wurde, dann ist vielleicht vieles aus dem Evangelium zuvor nicht geschehen. Wenn da etwas veröffentlicht wird und die zuständige Instanz außen vorgelassen wird, frage ich mich schon: Was soll das?" Es sei klar, wenn Rom vorher nichts in der Hand hatte, dann müssten sie zuerst um die Unterlagen bitten – ob da immer der richtige Zeitpunkt war, sei dahingestellt. "Ich wäre froh, wenn bei mir einmal etwas ist, wenn die zuerst mit mir reden wollen."

"Schnell und gut"

Der Bischof ist überzeugt, dass der Vatikan "schnell und gut" an der Angelegenheit dran sein werde. Auf die Frage, ob Bischof Schwarz sich der Frage eines Rücktritts stellen sollte, meinte sein steirischer Amtskollege, inwieweit sich "die jetzigen Verantwortlichen in Kärnten dieselbe Frage schon gestellt haben und ob das alles, was sie gemacht haben, so lupenrein war". Man müsse beide Seiten im Blick haben und das sei in der Hektik alles andere als einfach. Als Bischof werde man zu Entscheidungen gedrängt, "aber das dauert": "Ich weiß um meine Verantwortung und wenn man sich die Geschichte der Kirche anschaut, weiß man, dass wir uns nicht unbedingt immer leichtgetan haben, manche Dinge uns einzugestehen. Diese Kultur kann bei uns wachsen."

Nach den Vorwürfen des Misswirtschaft würden sich für den Bischof der Diözese Graz-Seckau eigene Herausforderungen ergeben – "ohne dass ich etwas wegwischen will: Machen wir unsere Hausaufgaben gut genug und sind wir in aller Ehrlichkeit, Transparenz, aber auch Diskretion unterwegs? Wie agiere ich und wie erleben mich die Leute? Werde ich als einer erlebt, dem man Dinge auch sagen kann – denn je höher das Amt, desto einsamer." Er kritisierte, dass gerne Maßnahmen von "Obrigkeiten" von einem "Grundverdacht" begleitet würden. "Die Ehrlichkeit beim Bemühen wird von manchen einfach nicht abgekauft." Krautwaschl gestand aber auch ein, dass die Vorgänge in Kärnten das auch nicht einfacher machen. (APA, 20.12.2018)

  • "Rom ist die höchste Instanz": der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl.
    foto: apa/scheriau

    "Rom ist die höchste Instanz": der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl.

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