Wie man Facebook verlässt und warum das allein nicht reicht

    20. Dezember 2018, 10:27
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    Die Datenskandale der letzten Monate haben das Netzwerk in eine Vertrauenskrise gestürzt

    Netflix, Spotify und andere Anbieter sollen Zugriff auf private Nachrichten von Nutzern auf Facebook gehabt haben. Auch wenn alle genannten Parteien beteuern, dass niemals irgendwer bei Usern irgendwas mitgelesen habe, bleibt ein fahler Nachgeschmack. Nach der Causa Cambridge Analytica kommt das Netzwerk nicht zur Ruhe. Der Betreiber des weltgrößten Social Network kommt aus dem Schadensbegrenzungsmodus kaum heraus.

    Viele Mitglieder haben als Reaktion auf diese Affären immer wieder damit gedroht, die Plattform zu verlassen. Ein verständliches Anliegen, das aber gar nicht so einfach umsetzbar ist. Wer sich von Facebook verabschieden will, muss sich gleich von mehreren Diensten trennen.

    Schnellmaßnahme

    Um zumindest keine neuen Daten an Facebook zu übermitteln, reicht es, sich von Facebook auszuloggen, im Browser die Cookies zu entfernen und auf Handy und Tablet die Apps für Facebook und den Facebook Messenger zu deinstallieren. Somit wird das Netzwerk nicht mehr mit neuen Browserinformationen, Logins und Standortangaben bespielt. Das Konto mitsamt den bereits vorhandenen Daten bleibt aber bestehen.

    foto: reuters
    Facebook fiel heuer fast nur mit Negativschlagzeilen auf.

    Temporäre Deaktivierung

    Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, den Account stillzulegen oder komplett zu löschen. Ersteres bietet sich als Option für alle an, die vorerst nur eine Pause einlegen wollen, sich ob des vollständigen Abschieds aber noch nicht sicher sind. Die entsprechende Einstellung findet sich in der Accountverwaltung des Netzwerks.

    Der Zugang zum Messenger bleibt jedoch aktiv. Er muss separat deaktiviert werden, dann ist man auch über Facebook-Suche nicht mehr auffindbar. Die Option versteckt sich in der App im Einstellungsmenü, wo man auch die Geschäftsbedingungen und Datenschutzrichtlinien findet. Beide Zugänge werden reaktiviert, sobald man sich wieder einloggt.

    foto: derstandard.at/pichler

    Permanente Löschung

    Bei einer permanenten Löschung hingegen gibt es keine Wiederherstellungsmöglichkeit. Facebook verspricht, dass alle Daten – von Postings und Profil bis hin zu Fotos und Video – unwiderruflich entfernt werden. Ausnahme sind direkt an andere geschickte Nachrichten, die in den Posteingängen der Empfänger erhalten bleiben. Der eigene Bestand an Informationen und Inhalten lässt sich aber im Vorfeld herunterladen, die Schritte dorthin sind auf einer Hilfeseite erklärt. Wer sein Konto löschen möchte, kann das ebenfalls über den Punkt "Mein Konto verwalten" tun und sollte das eigene Facebook-Passwort bereithalten, das zur Bestätigung abgefragt wird.

    Aber Achtung, dieser Schritt kann auch Folgen für die Nutzung anderer Plattformen haben. Wer andere Dienste via Facebook-Login nutzt, muss dort dann auf einen klassischen Login mit Nutzername und Passwort umstellen, sofern dies angeboten wird.

    foto: screenshot
    Die Löschung des Instagram-Accounts ist über die App nur umständlich möglich.

    Auch Instagram und Whatsapp gehören zu Facebook

    Möglicherweise ist aber auch damit der Abschied von Facebook noch nicht ganz vollzogen. Denn unter dem Dach des Unternehmens residieren noch zwei weitere populäre Dienste, die Daten an die Mutterfirma liefern: Das Foto-Netzwerk Instagram und der Messenger Whatsapp. Angesichts ihrer Nutzerzahlen sind die Chancen groß, dass man auch bei einem dieser beiden einen Account hat.

    Der Zugang zu Instagram kann ebenfalls vorübergehend deaktiviert oder gelöscht werden. Die Schritte ähneln dem Prozedere bei Facebook. Auch hier kann man im Vorfeld unter "Privatsphäre und Sicherheit" die eigenen Daten herunterladen. Eine Löschung geht auch über die App selbst, hier muss man sich allerdings über einen Link am Ende des Punktes "Impressum/Terms/NetzDG" mühselig zum Löschantrag hanteln.

    Whatsapp-Ausstieg nur per App

    Anders gelagert ist der Fall bei Whatsapp, dort kann man sich wiederum nur über die App abmelden. Unter Einstellungen > Account ermöglicht hier der Punkt "Meinen Account löschen" den Ausstieg. Damit verschwindet man aus den Kontaktlisten anderer User und genutzten Chatgruppen. Gelöscht werden das eigene Nachrichtenarchiv, mit anderen Facebook-Diensten ausgetauschte Informationen und auch das Backup auf Google Drive.

    Bis Whatsapp alle Daten von den eigenen Servern entfernt hat, kann es aber bis zu 90 Tage dauern. Erhalten bleiben können Logs, diese enthalten nach Angaben des Betreibers aber keine Informationen, die persönlich zugeordnet werden.

    foto: screenshot
    Die Accountlöschung geht bei Whatsapp vergleichsweise einfach.

    Und dann gibt es noch eine Ausnahmeklausel, laut der es auch möglich ist, dass die meisten Daten erhalten bleiben. Zur Aufklärung von Betrug und anderen illegalen Aktivitäten räumt sich Whatsapp das Recht ein, die Daten verabschiedeter Nutzer aufzubewahren. Das geschieht nach eigenen Angaben bei laufenden behördlichen Untersuchungen oder wenn Whatsapp selbst Verdacht bezüglich ungesetzlicher Aktivitäten, Verstößen gegen die Nutzungsrichtlinien oder technischer Probleme hat, die man aufklären will. (gpi, 20.12.2018)

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