US-Notenbank erhöht Zinsen und schickt Kurse auf Talfahrt

    20. Dezember 2018, 10:15
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    Der Leitzins liegt nun zwischen 2,25 und 2,5 Prozent. Es war heuer bereits die vierte Erhöhung, kommendes Jahr sollen zwei weitere folgen

    Washington – Die erneute Erhöhung der US-Leitzinsen und der Ausblick der US-Notenbank Fed (Federal Reserve) auf 2019 haben die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Der Ausverkauf an den Aktienmärkten ging vor allem nach Signalen der Währungshüter zu weiteren Zinsschritten weiter. Der deutsche Leitindex DAX fiel zum Start am Donnerstagmorgen und folgte damit der schwachen Wall Street.

    Auch an Asiens Börsen ging es bergab. Der US-Leitindex Dow hatte am Mittwoch auf einem Tiefstand für 2018 geschlossen. Viele Investoren hatten angesichts der zuletzt schwächeren Konjunktur erwartet, dass die Fed im kommenden Jahr stärker auf die Bremse tritt – und wurden nun auf dem falschen Fuß erwischt.

    Der Wiener Aktienmarkt hat den Handel am Donnerstag mit tiefroter Tendenz begonnen. Auch der Future auf den Euro-Stoxx-50 notierte schwächer. Unterdessen hat sich der Euro am Donnerstag etwas von seinen Verlusten des Vorabends erholt.

    Kritik von Trump

    Die Fed hat trotz Kritik von US-Präsident Donald Trump ihre Geldpolitik weiter gestrafft. Sie erhöhte am Mittwoch wie erwartet die Zinsen – zum vierten Mal in diesem Jahr. Die Federal Funds Rate, der Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig über Nacht Geld leihen, steigt nach der Entscheidung vom Mittwoch um 0,25 Punkte auf einen Zielkorridor von 2,25 bis 2,5 Prozent.

    Die Währungshüter geben sich allerdings etwas vorsichtiger, was die künftige Wirtschaftsentwicklung und Zinsanhebungen angeht. Sie deuteten an, dass 2019 nur noch zwei Zinsanhebungen zu erwarten seien. Das halten Marktteilnehmer wegen eines möglichen Abschwungs der US-Wirtschaft aber immer noch für zu viel. Sie sehen die Gefahr, dass die Fed es mit ihrem Straffungskurs übertreiben könnte.

    Zuvor hatte Trump Druck aufgebaut, indem er die Notenbank für ihr Vorgehen kritisierte. Trump glaubt, dass durch unnötig hohe Zinsen die US-Konjunktur abgewürgt werden könnte. Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte nach dem Zinsentscheid die Unabhängigkeit der Notenbank. Politische Erwägungen spielten keine Rolle bei der Festlegung des geldpolitischen Kurses. "Niemand wird uns davon abhalten, den richtigen Weg zu gehen", sagte Powell.

    Leitfunktion für Weltwirtschaft

    Die US-Konjunktur hat eine wichtige Leitfunktion für die Weltwirtschaft. Der Internationale Währungsfonds hatte im Oktober ein leicht gebremstes Wachstum der Weltwirtschaft für 2019 vorausgesagt. Entsprechend passte die Fed ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum an. Für das laufende Jahr korrigierte die Notenbank die Vorhersage um 0,1 Punkte auf 3,0 Prozent, im kommenden Jahr werde die weltgrößte Volkswirtschaft nur noch um 2,3 Prozent wachsen. Bisher hatte die Erwartung 2,5 Prozent betragen. Bei der Inflation, neben dem Arbeitsmarkt einem der wichtigsten Indikatoren für die Geldpolitik der Fed, wurde die Zielmarke von etwa zwei Prozent nicht erreicht.

    Es war der neunte Zinsschritt der Fed seit 2015. Powell signalisierte einen langsameren Kurs der Normalisierung für 2019 von lediglich zwei Anhebungen auf dann 2,75 bis 3,00 Prozent am Ende des kommenden Jahres. Zuletzt war die Fed noch von drei Zinsschritten im nächsten Jahr ausgegangen. Mit steigenden Leitsätzen wollen die Währungshüter die amerikanischen Banken zu einer Verteuerung von Krediten an Unternehmen und Verbraucher anregen. Das schließlich soll eine Konjunktur-Überhitzung und übertriebene Preissteigerungen verhindern.

    Ökonomen stimmen Fed zu

    Der Ökonom Sven Lehmann vom Vermögensverwalter HQ Trust sagte, vor dem Hintergrund der drastischen Steuersenkungen der Trump-Regierung müsse die Fed eine Überhitzung der Wirtschaft im Auge behalten. Auch Fed-Beobachter Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hält den Schritt für angebracht: "Es ist richtig, dass die Fed auf Normalisierungskurs bleibt und sich weder von der Polemik aus dem Weißen Haus noch schlechteren Konjunkturdaten davon abhalten lässt."

    "Die Fed hat gezeigt, dass sie sich auf das neutrale Zinsniveau – einen Leitzinssatz von etwa drei Prozent – zubewegt und dass der Kurs nicht mehr auf Autopilot steht. Bei künftigen Zinsentscheidungen werden die jeweils jüngsten konjunkturellen Entwicklungen eine größere Rolle spielen. Dies macht den Entscheidungsprozess der Fed letztlich weniger berechenbar", erklärt Franck Diximier von Allianz Global Investors.

    Laut Powell nähert sich die Zentralbank einem Zinsniveau, mit dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde. Daher sei nun ein behutsames Vortasten ratsam. Für 2019 geht er weiter davon aus, dass die Fed mit ihrer Geldpolitik kein Hemmschuh für die Konjunktur sein wird: "Sie wird der Wirtschaft aber weniger Schub verleihen." (red, APA, 20.12.2018)

    • Trotz Kritik von US-Präsident Trump hat die Fed den Leitzins ein weiteres Mal angehoben.
      foto: ap/andrew harnik

      Trotz Kritik von US-Präsident Trump hat die Fed den Leitzins ein weiteres Mal angehoben.

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