Pro & Kontra: Wichteln

    Kolumne20. Dezember 2018, 08:52
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    Oma hat natürlich jedem etwas Schönes eingepackt ....

    foto: getty images/istockphoto fotograf: lightfieldstudios

    Pro
    von David Krutzler

    Wir haben Oma genau instruiert. Jeder zieht aus der umfunktionierten Salatschüssel einen zusammengeknüllten Zettel. Faltet man den Papierstreifen auseinander, wird der Name eines Familienmitglieds sichtbar. Und diesem ist dann in geheimer Mission als Wichtel ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Nur diesem. Das ist der Vorteil an dem System, wird Oma versichert.

    Oma nickt. Sie steht Novitäten nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, auch wenn sie lieber auf Traditionen setzt. Schon zu Weihnachten 2015 hat sie ihre Offenheit demonstriert.

    Damals gab es statt einer Raclette-Völlerei asiatische Sommerrollen mit Reispapier zum Selberbasteln. Die Jungen haben sich das eingebildet, Oma hat tatsächlich mitgezogen. Nur Messer und Gabel ließ sie sich nicht ausreden.

    Und dann kam das Wichteln. Die Jungen waren glückselig, weil sie nur noch ein einziges Präsent besorgen mussten. Oma hat natürlich jedem etwas Schönes eingepackt. Zur Erklärung zuckte Oma nur mit den Achseln. "I hab' euch gern. I muss nur net alles, was ihr sagts, immer hör'n."

    Kontra
    von Margarete Affenzeller

    Es gilt in der Vorweihnachtszeit drei Dinge zu beachten: 1. Geh nie aufs Postamt (egal zu welcher Uhrzeit). 2. Besteige keinesfalls einen Zug (dort versammeln sich alle bis zur Besinnungslosigkeit gestressten Nach-Büroschluss-Einkäufer). Und entsage 3. dem Weihnachtswichteln! Es braucht Willenskraft, um sich gegen diesen aus närrischer Fadesse und Dunkelheitspanik irgendwo im hohen Norden erfundenen Volkssport zur Wehr zu setzen. Aber am Ende wird man reinen Gewissens in die Feiertage gezogen sein.

    Spielen Sie nicht mit bei Scheindemokratie und Scheinsolidarität! Davon gibt's schon genug. Man tut beim Wichteln ja so, als wären alle gleich, als würden die Zuwendungsportionen mathematisch gerecht verteilt. Alles Lüge. Unlängst im Zug (ein Fehler, ich weiß): Vier Frauen ließen ihren Gehässigkeiten den jeweils zu Beschenkenden gegenüber freien Lauf. Die Freude am Bösen blitzte gar auf, schien mir. Und bald dieser Tage werden sie irgendwo zwischen Ybbs-Persenbeug und Golling an der Erlauf ihr heuchlerisches Lächeln aufsetzen. Nicht mit mir. (RONDO, 20.12.2018)

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