Priester Engelbert Guggenberger räumt in der Kirche auf

Kopf des Tages18. Dezember 2018, 18:37
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Guggenberger veröffentlichte gegen den Willen des Vatikans den vernichtenden internen Bericht über den ehemaligen Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz

Einer, der öfter mit ihm zugegen ist, beschreibt ihn knapp und wohlwollend: "A lässiger Kerl."

Ein recht ungewöhnliches Persönlichkeitsbild für einen, der so hohe Kirchenämter innehat wie Engelbert Guggenberger (65). Aber der Sprecher des Gurker Domkapitels, Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger, ist eben doch etwas anders als seine Amtskollegen.

Guggenberger ist, wie man ihm nachsagt, nicht nur "lässig", auch ein extrem guter Bergsteiger, wirft sich gern in einen Hugo-Boss-Anzug, spielt mehrere Instrumente, singt mit dem Chor Ars Musica Althofen und liebt alles, was er während seines Romstudiums an italienischem Lebensstil aufgesogen hat. Aber vor allem, sagen jene, die ihn gut kennen, ist er "ein Lesachtaler".

Den Menschen in diesem westlichsten Winkel Kärntens sagt man nach, besonders "grade Michln" zu sein, stets klar zu sagen, was Sache ist. Das hat der gebürtige Lesachtaler Guggenberger jetzt selbstbewusst demonstriert. Gegen den deklarierten Willen des Vatikans veröffentlichte er den vernichtenden internen Bericht über den ehemaligen Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz, der zuvor nach Niederösterreich gewechselt war. Dem ehemaligen Kärntner Bischof wird nicht nur Misswirtschaft vorgeworfen, Schwarz habe sich durch ein Verhältnis mit einer ehemaligen Angestellten "im Zusammenhang mit der Zölibatsverpflichtung" erpressbar gemacht.

Innerkirchlicher Kraftakt

Den finanziellen Schaden müsse der ehemalige Bischof wiedergutmachen, sagt Guggenberger, der sich für seinen innerkirchlichen Kraftakt den Segen Kardinal Christoph Schönborns geholt hat. Guggenberger hat jetzt jedenfalls einen spektakulären Schlussstrich unter das "System Schwarz" gezogen, das jahrelang heftige Proteste in der Kärntner Gemeinde ausgelöst hatte.

Engelbert Guggenbergers Kirchenkarriere begann 1978 in Rom, wo er zum Priester geweiht wurde. Anfangs war er Pfarrprovisor in einigen Kärntner Gemeinden, ab 2008 Pfarrer in Spittal an der Drau. Bischof Alois Schwarz ernannte ihn 2008 zum Generalvikar der Diözese Gurk-Klagenfurt. Im Juli 2018 wurde er zum Administrator der Diözese gewählt, die er auch interimistisch leitet.

Dass er bei seiner jetzigen Machtdemonstration nicht ausrutscht, darauf hat sich Guggenberger wohl vorbereitet. Als passionierter Eiskletterer weiß er, wie man auch in gefährlich glattem Gelände einen festen Tritt behält. (Walter Müller, 18.12.2018)

  • Engelbert Guggenberger veröffentlicht Interna der Kärntner Diözese Gurk.
    foto: ferdinand neumüller

    Engelbert Guggenberger veröffentlicht Interna der Kärntner Diözese Gurk.

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