Verhalfen russische Trolle Trump zum Wahlsieg?

Kolumne18. Dezember 2018, 19:37
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Der Schluss, dass die russische Einflusskampagne eine entscheidende Rolle auf den Wahlkampf spielte, liegt nahe

Diese Fakten sind inzwischen über Donald Trumps Verbindung zu Russland bekannt: Trumps früherer Rechtsanwalt und "Fixer" Michael Cohen gab zu, dass Trumps Geschäftsinteressen in Zusammenhang mit Russland bis tief in den Wahlkampf, nämlich bis Juni 2016, verfolgt wurden. Trump wollte unbedingt einen Trump Hotel Tower in Moskau bauen und sprach davon, Wladimir Putin dort ein Millionen-Dollar-Apartment zu schenken.

Der frühere Geheimdienstgeneral und kurzzeitige Sicherheitsberater von Präsident Trump, Michael Flynn, hat zugegeben, das FBI bezüglich eines Treffens mit dem russischen Botschafter vor der Amtsübernahme von Trump belogen zu haben. Der Sohn von Trump, Donald jr., hat während des Wahlkampfes eine russische Rechtsanwältin/Agentin getroffen, die sagte, sie habe "Schmutz" über Hillary Clinton. Anwesend bei diesem Treffen war auch der damalige Wahlkampfleiter von Trump, Paul Manafort, der wegen Steuerbetrugs im Zusammenhang mit Honoraren von Putin-nahen Oligarchen verurteilt wurde.

Ein Bericht, der im Auftrag des US-Senats von Spezialfirmen in den USA und in Oxford erarbeitet wurde, kommt zu dem Schluss, dass Russland einen umfangreichen Cyberkrieg gegen die USA geführt hat, um Trump zum Sieg zu verhelfen. Vor allem potenzielle Clinton-Wähler schwarzafrikanischer Abstammung wurden mit personalisierten Fake-News bombardiert, um a) sie davon abzuhalten, zur Wahl zu gehen, und b) generell soziale Spannungen in die US-Gesellschaft zu tragen. Diese Kampagne wurde von einer Gesellschaft namens Internet Research Regency in St. Petersburg aus geleitet, die als "Putins Trollfabrik" gilt und dem mit Putin befreundeten Oligarchen Jewgeni Progoschin gehört. Von dort wird auch Europa flächendeckend betrollt.

Trollarmee

Ein zweiter Bericht, der von der Universität Oxford für den Senat ausgearbeitet wurde, sagt aus, dass die Trollarmee der Internet Research Agency zwischen 2013 und 2018 dutzende Millionen von Usern in den USA über Facebook, Instagram, Twitter und Youtube mit gefaktem Einflussmaterial bombardierte.

Beide Berichte betonen, dass die russischen Aktivitäten weitergingen und weitergehen. Die US-Geheimdienste waren bereits 2016/17 zu dem Schluss gekommen, dass Clintons Wahlkampf durch russische Operationen gehackt und das entsprechende Material über Julian Assanges Wikileaks-Plattform an die Öffentlichkeit geleakt wurde.

Schließlich detailliert ein Artikel in der "New York Times", wie das rechte Krawallblatt "National Enquirer" Trump mit erfundenen Geschichten über Clinton und andere massiv unterstützte. Auch hier gibt es eine noch wenig untersuchte Verbindung zum russischen Regierungssender RT.

Donald Trump hat aufgrund des US-Wahlrechts mit einem Vorsprung von 77.000 Stimmen in drei Mittelweststaaten gewonnen, obwohl er insgesamt drei Millionen weniger Stimmen als Clinton bekam. Seither ist er bemerkenswert Putin-freundlich. Der Schluss, dass die russische Einflusskampagne hier eine entscheidende Rolle spielte, liegt nahe. (Hans Rauscher, 18.12.2018)

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